Redebeitrag 29.07.08

Wir sind heute hier, um noch einmal auf das Bekleidungsgeschäft „Nordic Company“ aufmerksam zu machen, das sich hier am Bahnhof befindet. Vor vier Monaten waren die Betreiber in der Nacht vom 31. März auf den 1. April in die Räumlichkeiten der Deutschen Bahn eingezogen. Nach Protesten mehrerer Initiativen und Einzelpersonen kündigte die Deutsche Bahn den Mietvertrag zum 31. Juli. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und öffentlich auffordern, den Druck der vergangenen Monate aufrecht zu erhalten.

Das „Nordic Company“ vertreibt sowohl in dem Geschäft als auch über einen Internetversand Textilien der rechten Modemarken „Thor Steinar“ und „Erik & Sons“. Diese werden aus dem Umfeld der Neonaziszene produziert und vertrieben und bedienen sich völkischer Symbolik mit NS-Bezug. Sie werden ausschließlich in Geschäften angeboten, deren Stammkunden aus der extrem rechten Szene kommen. Daneben finden sich solche Waren nur in einer Vielzahl rechter Versandhandel. In das Sortiment typischer Bekleidungsläden haben sie es aufgrund antifaschistischer Proteste bisher nicht geschafft.

Nachdem entsprechende Vorwürfe laut geworden waren, reagierten die Betreiber um die Frankfurterin Kora Kruppke in einem offenen Brief empört auf die Anschuldigungen und versuchten, die Markenwaren wider besseres Wissen als unpolitisch zu verkaufen. Doch wer „Thor Steinar“ und „Erik & Sons“ vertreibt, weiß genau, was er da unter die Leute bringt und kennt auch die Zielgruppe der Marken, Neonazis.

Das Wissen um die Zielgruppe zeigt auch die noch sehr kurze Geschichte des „Nordic Company“. Es hatte seine Räumlichkeiten zuvor seit September 2007 in der Lindenstraße. Auf einem Zettel an der Ladentür wurde gebeten, sich bei Interesse in der „Sportlerklause“ zu melden. Die „Sportlerklause“ im hinteren Teil der Gubener Straße aber hatte ganz spezielle Gäste. Die im Dezember 2006 eröffnete Kneipe war kein Raum für offenes Publikum, in ihr konnte man statt dessen Gleichgesinnte treffen. Die Gäste waren hauptsächlich unorganisierte Neonazis aus Frankfurt (Oder) und der näheren Umgebung. Anwohner_innen berichteten, daß zur Begrüßung schon mal der rechte Arm zum Hitlergruß erhoben wurde. Von Beginn an gehörten auch die für ihre rechtsradikale Orientierung bekannten Hooligans des FFC Viktoria zur Stammkundschaft. In der „Sportlerklause“ waren mehrere Räume als Proberäume für Bands vermietet, so u.a. für die Rechtsrockband „Frontstadt“. Betreiber der „Sportlerklause“, die nach dem Entzug der Gewerbeerlaubnis seit März geschlossen ist, war der 21jährige Hooligan Martin Wilke. Lärmbelästigungen und Pöbeleien riefen mehrfach die Polizei auf den Plan. Durch die Gäste der „Sportlerklause“ verwandelte sich auch das Straßenbild. Aufkleber mit dem Konterfei des Hitlerstellvertreter Rudolf Hess oder der Aufschrift „No Go Area“ und unzählige Aufkleber der rechtsradikalen Hooligans zierten Laternenmasten in der Gubener Straße. Nach dem Umzug an den Bahnhof entwickelte sich das Geschäft an sonnigen Tagen zum Treffpunkt junger Neonazis aus dem Umfeld der Betreiber – nicht nur vor, sondern auch hinter dem Tresen. So wurde z.B. der 20jährige, mehrfach vorbestrafte Tommy Keller als Verkaufskraft beschäftigt. Vor diesem Hintergrund können die Betreiber nicht mehr behaupten, ein unpolitisches Bekleidungsgeschäft zu betreiben.

Endlich Feierabend für  Betreiberin Kora Krupke

Endlich Feierabend für Betreiberin Kora Krupke

Mit dem Auszug aus den Räumlichkeiten der Deutschen Bahn wird sich das Problem jedoch nicht erledigen. Die Betreiber werden neue Räumlichkeiten suchen und vielleicht auch finden. Wir hoffen, daß die Betreiber überall dort, wo sie versuchen Fuß zu fassen, auf ebenso couragierte Vermieter treffen wie die Deutsche Bahn.

Kein Nazibekleidungsgeschäft – nirgendwo!

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Es darf gefeiert werden!

Die MOZ im Frankfurter Stadtboten zur Kundgebung am 29.07.08:

Demo ohne Störungen
Antifa-Gruppen auf dem Bahnhofsvorplatz

“Es darf gefeiert werden!” – Riesen lang war ein Transparent, das Antifa-Gruppen der Stadt gestern Nachmittag am Bahnhofsvorplatz drapierten. Wie Utopia-Sprecher André informierte, wolle man den Auszug von “Nordic Company – Textilwaren” feiern, “ein Bekleidungsfachgeschäft, das ausschließlich zwei als extrem rechts bekannte und in Neonazikreisen beliebte Modemarken vertreibt und erst durch den Druck der Massen zum Monatsende verschwindet”, so der Utopia-Sprecher.
Gefeiert wurde mit Strohhüten, lauter Musik, alkoholfreien Getränken und belegten Brötchen. Damit die von der Polizei genehmigte Demo störungsfrei verlaufen konnte, erteilte Wachenleiter Hajo Loose 20 jungen Leuten, der rechten Szene zuzuschreiben, um 16.30 Uhr einen Platzverweis. Sie standen provokant etwa zehn Meter vom Info-Stand entfernt, einige mit Bierflaschen in der Hand. Einer der jungen Männer, der dem Platzverweis nicht nachkam, wurde in Gewahrsam genommen.
Wie die Polizei am Abend informierte, kam es zu keinen Zwischenfällen.

von l. nach r.: Phillip Steinicke, Kora Krupke, Christoph Schoefisch, Michael Kugler, Benjamin Richter (m. Kamera), “Äffchen”.

von l. nach r.: Phillip Steinicke, Kora Krupke, Christoph Schoefisch, Michael Kugler, Benjamin Richter (m. Kamera), “Äffchen”.

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Szeneladen „Nordic Company“ schließt zum 31. Juli 2008

In wenigen Tagen ist er endlich soweit: der im April geöffnete rechte Szeneladen “Nordic Company” (NC) muss seine Türen vorzeitig wieder schliessen!

>>Was ist los? Ich hab davon nichts mitbekommen.< >Okay, für dich nochmal ausführlich< >Ich fass es nicht! Erzähl mehr!< >Und was wurde dagegen unternommen?< >Aber der Laden schließt doch nächste Woche…<<
Es muss betont werden, dass nicht der Laden das einzig wahre Problem ist, sondern Neonazis und -faschisten in und um Frankfurt, die mit NC nur einen weiteren Anlaufpunkt erhalten haben.

Um das zu verdeutlichen, rufen der Verein Utopia, die aaffo, Progress, Iskra, Anspruch Gegenwirklichkeit, Recherche Gruppe Frankfurt (Oder) auf, sich am Dienstag, den 29. Juli 2008 zwischen 16 und 18 Uhr an einer Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz gegen den rechten Kleidungsladen, aber auch gegen jede Form von Neonazismus und Faschismus zu beteiligen.

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