Dennis Kunert – Neonazi seit 2015

Mit den rassistischen Aufmärschen der Gruppierung „Frankfurt/Oder wehrt sich“, organisiert vom Neonazi Peer Koss, bildete sich ab 2015 ein 10-köpfiger Personenkreis von jungen Faschist*innen in Frankfurt (Oder). Während diese in den Jahren 2015 bis 2018 vermehrt durch Beleidigungen, Bedrohungen und Tätlichkeiten gegenüber von ihnen als nicht-deutsch und politisch links eingeordneten Personen auffielen, ist es ab 2019 wieder ruhiger um die einst so aktiven Neonazis in Frankfurt (Oder) geworden. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. Neben Bewährungs- und Freiheitsstrafen verzogen einige aus Frankfurt (Oder) in andere Städte.

Als einer der wenigen Übriggebliebenen präsentiert Dennis Kunert seine extrem rechte Gesinnung bis heute sowohl privat als auch öffentlich im Stadtbild, auf Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen. Erstmals 2015 im Zusammenhang der von Peer Koss organisierten geflüchtetenfeindlichen Demonstrationen in Erscheinung getreten, war er dort mehrfach zusammen mit seinem damaligen Freund Romano Gosda (über den wir bereits hier [LINK] berichtet haben) als Ordner aktiv.

 

Dennis Kunert zusammen mit anderen jungen Neonazis als Ordner auf einer Demonstration von „Frankfurt/Oder wehrt sich“

 

Bereits auf der ersten Demonstration der Gruppierung „Frankfurt/Oder wehrt sich“ am 17.01.2015 war er mit von der Partie und schien schon zu diesem Zeitpunkt mit mehreren Personen befreundet gewesen zu sein, die später dem festen Personenkreis der jungen Faschist*innen zugeordnet werden können.

Kunert (neben Franziska Koss, mit Deutschland-Fahne) auf einer Neonazi-Demonstration am 17.01.2015

Außerdem nahm er mit weiteren Neonazis aus Frankfurt (Oder), wie Manuel Danowski, Romano Gosda und den Eheleuten Peer und Franziska Koss, an einem Aufmarsch des III. Weges am 01. Mai 2016 in Plauen teil. [1] Eine Woche später, am 07.05.2016 war er mit einem ähnlichen Personenkreis auf einer Demonstration in Berlin, er skandierte dort Parolen wie „Frei, Sozial und National“ und „Hier marschiert der nationale Widerstand“. [2] Er war Teil einer 20-köpfigen Gruppe, welche gewaltbereit eine Solidaritätskundgebung am 23.05.2016 in Frankfurt (Oder) zu stören versuchte.

Zusammen mit Peer Koss und anderen Neonazis gründete er die „Kameradschaft Frankfurt (Oder)“. Das Banner der Kameradschaft – in Blood & Honour-Ästhetik– postete er auf seiner Facebook-Seite als Titelbild. Die Sympathie für Blood & Honour teilte er auch in mehreren Beiträgen auf seiner Facebook-Seite.

Die alte Facebook-Seite von Dennis Kunert mit unübersehbarem Faible für Blood & Honour

Außerdem war er Teil der „Jungen Nationalisten Frankfurt (Oder)“. Unter diesen Gruppierungen fanden allerdings keine relevanten Aktivitäten statt, sie dienten vielmehr der Abgrenzung und Identitätsfindung innerhalb der extremen Rechten in Frankfurt (Oder).

Auch sonst lässt Dennis Kunert keinen Zweifel an seiner extrem rechten Gesinnung. Er trägt in der Öffentlichkeit szenetypische Kleidung, z.B. von Neonazi-Bands wie der „Lunikoff Verschwörung“ oder den „Weißen Wölfen“. Bilder in dieser Kleidung postet er auf seinen Social-Media-Profilen.

Dennis Kunert mit T-Shirt der Landser-Nachfolge-Band „Lunikoff-Verschwörung“

Nach offenbar internen Streitigkeiten trat Kunert auf extrem rechten Veranstaltungen und Demonstrationen vermehrt allein oder im kleineren Kreis auf. Möglicherweise hat der engere Kontakt von Kunert zu einer damaligen Partnerin von Romano Gosda zu dieser Distanzierung geführt. Die vormals organisierte Gruppe junger Faschist*innen scheint zerstreut zu sein, obwohl die Einzelakteur*innen keine Abkehr von ihrer menschenfeindlichen Ideologie vollzogen haben.

Kunert pflegt auch Kontakte zur „Bruderschaft Wolfsschar Frankfurt (Oder)“ und zu dessen Führungsperson Siggy Pauly (ausführlicher zu Pauly in diesem Beitrag [LINK] von uns). So war Kunert u.a. auf einer Kundgebung der NPD Frankfurt (Oder) am 08.05.2021 und unterhielt sich dort mit Pauly.

Dennis Kunert (rechts mit erhobenem Arm) auf einer NPD-Kundgebung am 08.05.2021

Des weiteren beteiligte er sich an einer Querdenken-Demonstration am 28. November 2020, zu welcher extrem rechte Akteur*innen aus ganz Deutschland anreisten, wie z.B. Maik Schneider (ein wegen Brandstiftung auf eine Geflüchtetenunterkunft verurteilten Neonazi), Robert Wegener, Robert Wolinski, Roy Grassmann, Sven Kilian, aber auch lokale Neonazis wie Benjamin Krüger und Sven Lemke. [3]

Denis Kunert (türkiser Pullover unter offener Jacke) mit Freund*innen auf dem Weg zur „Querdenken“-Kundgebung auf der Oderpromenade

Am 19. Dezember 2021 nahm er gemeinsam mit einem Freund an der AfD-Demonstration gegen eine allgemeine Impfpflicht, gegen Migration und für „Freiheit“ teil, an welcher sich neben dem Neonazi und Landtagsabgeordneten der AfD, Andreas Kalbitz, auch lokale Neonazis wie Sven Lemke beteiligten. [4]

Dennis Kunert (2.v.l. Zigarette drehend) mit einem Freund auf der AfD-Demonstration im Dezember 2021

Zuletzt demonstrierte er nach eigenen Angaben zusammen mit Frankfurter*innen der sog. „bürgerlichen Mitte“ und einschlägigen Neonazis auf den „Montagsspaziergängen“ gegen eine allgemeine Impfpflicht in Frankfurt (Oder).

Dennis Kunert war nach eigenen Angaben auf vielen „Spaziergängen“

Beruflich hat sich Kunert mehrfach umorientieren müssen: Seine Ausbildung als Koch im Studentenwerk Frankfurt (Oder) verlor er nachdem seine extrem rechte Gesinnung bekanntgemacht wurde. Er begann eine Ausbildung als Gleisbauer, die er nicht erfolgreich abgeschlossen hat und arbeitet seit kurzer Zeit in einem Bestattungsunternehmen in Frankfurt (Oder).

Trotz staatlicher und öffentlicher Aufmerksamkeit, konnte sich Kunert in den vergangenen sieben Jahren relativ ungestört von einem rechten Jugendlichen zu einem erwachsenen Neonazi entwickeln. Auch glaubt er, sich weiter öffentlich zur extremen Rechten bekennen zu können. Falls er dahinghend weiter Nachteile in Kauf nehmen muss, ficht ihn dies nicht (mehr) an. Er steht somit exemplarisch für eine verfehlte Jugend- und Sozialpolitik in Ostbrandenburg.

 

[1]: https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2016/05/12/1-mai-in-plauen-iii-weg-aufmarsch-mit-beteiligung-frankfurter-beteiligung/ m.w.N.

[2]: https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2016/05/23/7-mai-zwischen-berlin-und-slubice/ m.w.N.

[3]: https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2021/03/02/kein-platz-fuer-neonazis-extrem-rechte-beteiligung-auf-frankfurter-querdenken-kundgebung-am-28-november-2020/ m.w.N.

[4]: https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2022/01/28/ueber-die-aufmaersche-gegen-corona-massnahmen-in-frankfurt-oder/ m.w.N.

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Über die Aufmärsche gegen Corona-Maßnahmen in Frankfurt (Oder)

Etwas mehr als ein Jahr lang schafften es die Frankfurt*innen,anders als in anderen Städten, nicht Seite an Seite mit Neonazis gegen die „Politik“, gegen die Regierungen Brandenburgs und des Bundes und deren Anti-Corona-Maßnahmen, auf die Straße zu gehen. Inzwischen hat sich das geändert. Angeführt werden sie dabei von extrem rechten Akteur*innen.

Als sich am 28. November 2020 etwa 2.500 Menschen auf einer Kundgebung von „Querdenken“ um deren Kopf Michael Ballweg an der Oder versammelten, kamen viele von ihnen aus ganz Deutschland angereist.[1] Schon damals waren neben vielen Personen, die ansonsten eher der sog. „bürgerlichen Mitte“ zuzuordnen waren, auch extrem rechte Akteur*innen mit von der Partie. So waren bekannte ältere Neonazis wie Sven Lemke und der Berliner ex-NPDler Jens Irgang, aber auch Jüngere wie Benjamin Krüger, Dennis Kunert, Romano Gosda und extrem Rechte aus anderen Bundesländern und Polen vor Ort. Der Frankfurter NPD-Funktionär Siegfried „Siggy“ Pauly lief gemeinsam mit Andreas Suchanow (AfD) und anderen einschlägig bekannten Rechten.[2] Trotzdem schafften es NPD, AfD und weitere nicht, an den deutschlandweiten Erfolg der Querdenken-Bewegung anzuknüpfen; vielmehr griffen sie auf altbekannte Themen und Inhalte zurück, um bei Demonstrationen und Kundgebungen im Jahr 2021 Menschen unter ihrem Schirm zu versammeln. Bis auf den zahlenmäßig überlegenen Gegenprotest, entsprachen diese Demonstrationen nicht den Allmachtsphantasien von Massenmobilisierungen.

Mit Einzug der vierten Corona-Welle, den Einschränkungen für Ungeimpfte und einer diskutierten allgemeinen Impfpflicht scheint erneut trockenes Holz auf die noch ungelöschte Wut-Glut gelegt worden zu sein. Los ging es am 05.12.2021 mit einer AfD-Demonstration, dessen Thematik kurzerhand um „Kritik“ an der „Corona-Politik“ ergänzt wurde – obwohl ursprünglich ausschließlich gegen Migration, in Bezug auf die Situation an der polnisch-belarussischen Grenze, gehetzt werden sollte. Erstaunlicherweise konnte die AfD ihren Zulauf durch diese thematische Ergänzung in etwa verdreifachen. Bei der Demonstration nahmen ca. 100 Personen teil. [3] Anfang November folgten dem Aufruf der extrem rechten Partei lediglich 30 Personen. [4] Anwesend bei den letzten AfD-Versammlungen war viel Partei-Prominenz aus Brandenburg und den benachbarten Bundesländern. Darunter u.a. Lars Günther, AfD-Landtagsmitglied mit Leidenschaft für Verschwörungsideologien und mit umfangreichen Kontakten zur Neonazi-Szene. [5] Ebenso anwesend waren Daniel Freiherr von Lützow, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg und Steuerhinterzieher, [6] sowie Birgit Bessin, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD in Brandenburg und Organisatorin von Rechtsrock-Konzerten. [7] Alle drei können dem sog. völkischen „Flügel“ der AfD zugerechnet werden. [8]

Dem Aufmarsch Anfang Dezember 2021 folgte eine weitere Demonstration der AfD Frankfurt (Oder) am 19. Dezember gegen eine allgemeine Impflicht, gegen Migration und für „Freiheit“. [9] Diese sollte über die Stadtbrücke nach Polen führen, durfte auf Grund von Corona-Bestimmungen allerdings nur bis zur Stadtbrücke und musste dort umkehren. Die AfD konnte erneut einige dutzend Personen für ihre Thematik und Positionen begeistern. Neben Lars Günther aus MOL war diesmal ein besonderer Gast ganz vorne mit dabei – Andreas Kalbitz, ein Neonazi im Parlament, der mit seinen Aussagen und seiner Ideologie mittlerweile deutschlandweit so bekannt ist, dass wir an dieser Stelle nicht näher auf ihn einzugehen brauchen.

Andreas Kalbitz (ganz rechts mit medizinischer Maske, auf der „rechts“ steht) hält zusammen mit Parteifreund*innen ein deutsch-polnisches Transparent

Diesmal nahmen auch Frankfurter Neonazis, wie Sven Lemke und Dennis Kunert am Aufmarsch teil. Sven Lemke gilt als Kopf der Kameradschaft Kommando Werwolf und ist u.a. wegen schwerer Körperverletzung an einen polnischen Studenten im April 1997 vorbestraft. Aktuell steht er hinter dem Tresen der Südring Kneipe in der Leipziger Str. 115, 15236 Frankfurt (Oder), ein lokaler Treffpunkt der Neonazi-Szene.

Auch Sven Lemke (in der Mitte mit weiß-schwarzer Jacke) hat mit weiteren extrem rechten Frankfurter*innen an der Demonstration teilgenommen

Dennis Kunert gehört zu einer Gruppe junger Neonazis aus Frankfurt (Oder), die seit 2015 regelmäßig auf extrem rechten Demonstrationen gewaltbereit auftritt und gemeinsam zu Neonazi-Veranstaltungen und Demonstrationen in ganz Deutschland reiste. Zwischenzeitlich nannten sie sich „Kameradschaft Frankfurt (Oder)“ und „Junge Nationalisten Frankfurt (Oder)“. Als geschlossene Gruppe treten sie aktuell nicht auf.

Dennis Kunert (2.v.l. Zigarette drehend) ist wieder aktiv

Mit dem Zusammenwirken dieser Personen, die ein Spektrum von AfD über ältere Kameradschaften bis hinzu jüngeren Rechten abbilden, scheint in Frankfurt ein Brückenschlag passiert zu sein. Eine inhaltliche Trennung der unterschiedlichen Akteure wird damit in Zukunft noch schwieriger werden.

Neben den bereits genannten AfD-Aufmärschen formieren sich, wie überall im Land, auch in Frankfurt (Oder) seit wenigen Wochen sogenannte „Montagsspaziergänge“, die meistens um 18 Uhr vom Frankfurter Rathaus aus startend. Angefangen mit nur wenigen Teilnehmenden, die leicht mit einer Gruppe einer Stadtrundführung verwechselt werden konnte und ähnlich unbeholfen wirkte, schlossen sich am 20. Dezember 2021 ca. 400 bis 500 Personen diesem „Spaziergang“ an. [10] Der Clou an der Sache, dass „man ja nur spazieren gehe und zufällig mehrere hundert andere Menschen das auch an genau den gleichen Orten tun“, findet durch absolute Nichtaktivität der Ordnungsbehörden, allen voran der nur wenigen Polizeikräfte, scheinbare Bestätigung. [11] Durch juristisches Laienverständnis und Konsequenzenfreiheit im Ego gestärkt, laufen die Menschen – deren Zahl Ende Januar 2022 bei etwa 1200 Personen lag – seitdem nicht nur ohne Rücksicht auf Hygienebestimmungen. Sie laufen ferner auch mit Personen, die eindeutig Neonazis sind.

Regelmäßige Gäste dieser Montagsspaziergänge sind neben Wilko Möller und Michael Laurisch (beide AfD, letzterer verbreitet während dem „Spaziergang“ Fake-News) auch Sven Lemke, Dennis Kunert, Eric Hempel und Siegfried Pauly (NPD und Bruderschaft „Wolfsschar“); die NPD Frankfurt (Oder) bewirbt die Montagsspaziergänge ebenfalls und ist selbst meistens vor Ort vertreten. [12]. Einzelne Demo-Teilnehmer*innen bilden sich ein, dass sie die „Autorität“ hätten, etwaige Einschlägige vom „Spaziergang“ auszuschließen, sobald diese offen Werbung für ihre rechte Partei oder ihre extrem rechten Ansichten machen. [13] Allerdings bleibt schon fraglich, ob das im Sinne der Veranstaltenden wäre, die bis jetzt noch nicht öffentlich bekannt sind. Weitere Verbindungen zu anderen rechtsextremen Strukturen in der Region sind anzunehmen. So erinnert ein Video auf dem youtube-Kanal „Spaziergang Frankfurt Oder“ an die Webauftritte der neonazistischen, verbotenen Gruppierung „Spreelichter“ aus Südbrandenburg. [14]
Das Potential dieser „Spaziergänge“ lässt sich derweil in ähnlichen Aktionen andernorts ablesen: Auf vergleichbaren Demonstrationen kommt es immer wieder zu gewalttätigen Eskalationen, so beispielsweise in Cottbus, als am 18. Dezember 2021 Journalist*innen und Polizist*innen von Hooligans, Neonazis und anderen extremen Rechten angegriffen wurden. [15] Ob ähnliche Szenen in Frankfurt (Oder) entstehen, bleibt abzuwarten – bereits jetzt wurden Journalist*innen nach Abschalten ihrer Kamera von Teilnehmenden der Frankfurter Montagsspaziergänge bepöbelt und beleidigt. [16] Einige extrem rechte Teilnehmer*innen sind mehrfach vorbestraft, auch wegen Gewaltdelikten.

Wilko Möller (2.v.l.) ist regelmäßiger Teilnehmer der „Spaziergänge“

Die bürgerlichen Anwesenden sollten sich dieser Tatsache bewusst werden. Ihnen sollte klar sein, dass sie keine Revolutionär*innen sind, die in Mauerfall-Manier auf die Straße gehen und ausblenden können, dass sie bereits durch neonazistische und rechtsradikale Kräfte unterwandert werden. Sie laufen neben und mit Neonazis und lassen sich vor den rechtsextremen Karren spannen.
Sie kritisieren „die da oben“ in Berlin und Potsdam, die weit weg sind, aber sind blind für die faschistischen Hetzer*innen der AfD, NPD und neonazistischer Kameradschaften, die direkt vor ihnen „spazieren“ gehen. Die Normalität, für die sie vielleicht meinen aufzustehen, wird es mit diesen Leuten nicht geben. Von eben diesen ist eher Gegensätzliches zu erwarten: Zum Beispiel die brutale Unterdrückung jener Meinungsfreiheit, die auf den „Spaziergängen“ so selbstverständlich ausgeübt wird.

[1] Beitrag der Antifaschistischen Recherchegruppe Frankfurt (Oder): https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2021/03/02/kein-platz-fuer-neonazis-extrem-rechte-beteiligung-auf-frankfurter-querdenken-kundgebung-am-28-november-2020/ (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[2] Foto vom Presseservice Rathenow:
https://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/50658271381/in/album-72157717086598877/ (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[3] Moz-Artikel vom 05.12.2021:
https://www.moz.de/lokales/frankfurt-oder/migration-in-brandenburg-100-anhaenger-der-afd-demonstrieren-in-frankfurt-_oder_-gegen-fluechtlinge-und-impfpflicht-61282237.html (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[4] RBB-Artikel vom 07.11.2021:
https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/politik/2021/11/frankfurt-oder-slubice-demo-flucht-gefluechtete-aufnahme-belarus-polen.html (zuletzt aufgerufen am 21.12.2021)
[5] Beitrag der Antifa Recherche Ostbrandenburg:
https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/politik/2021/11/frankfurt-oder-slubice-demo-flucht-gefluechtete-aufnahme-belarus-polen.html (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[6] bz-Artikel vom 16.03.2021:
https://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/steuern-hinterzogen-afd-abgeordneter-von-luetzow-gesteht-vor-gericht (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[7] Beitrag von Kein Acker der AfD:
https://inforiot.de/birgit-bessin-unterschaetzte-rechte-projektmanagerin/ (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[8] Inforiot-Artikel vom 25.11.2021
https://inforiot.de/birgit-bessin-unterschaetzte-rechte-projektmanagerin/
[9] Oderwelle-Artikel vom 19.12.2021:
https://oderwelle.de/afd-will-weiteren-protest-gegen-impfpflicht-und-beschraenkungen/ (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[10] Moz-Artikel vom 20.12.2021:
https://www.moz.de/lokales/frankfurt-oder/protest-gegen-corona-regeln-hunderte-bei-telegram-_spaziergang_-in-frankfurt-_oder_-_-polizei-prueft-strafanzeige-61614337.html (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[11] Oderwelle-Beitrag auf der Facebook Seite der Oderwelle v. 20.12.2021:
https://www.facebook.com/oderwelle/videos/proteste-in-frankfurt-oder/317566796892236 (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[12] Beitrag der Antifaschistischen Recherchegruppe Frankfurt (Oder):
https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2021/07/11/jugendtrainer-nazi-schlaeger-npd-kader-v-mann-oder-wolfsdompteur-die-verschiedenen-leben-des-siegfried-siggy-pauly/ (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[13] Oderwelle-Beitrag auf der Facebook Seite der Oderwelle v. 20.12.2021 a.a.O.
[14]Spaziergang Frankfurt Oder – Kanal Intro: https://www.youtube.com/watch?v=pWiSOLroHMk
[15] rbb-Beitrag vom 18.12.2021:
https://www.rbb24.de/panorama/thema/corona/beitraege/2021/12/brandenburg-berlin-corona-proteste-hennigsdorf-rathenow-cottbus.html (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)
[16] rbb-Beitrag vom 20.12.2021:
https://www.rbb-online.de/brandenburgaktuell/archiv/20211220_1930.html (zuletzt abgerufen am 21.12.2021)

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Jugendtrainer, Nazi-Schläger, NPD-Kader, V-Mann oder Wolfsdompteur – die verschiedenen Leben des Siegfried „Siggy“ Pauly

Siegfried Pauly

Nach einem Lebensabschnitt am Bodensee ist Siegfried „Siggy“ Pauly, bis zu seiner Scheidung trug er den Nachnamen Günther, wieder zurück nach Frankfurt (Oder) gekehrt. Hier versucht er sich nun in eine führende Position innerhalb der Neonazi-Szene zu drängen. Nach dem Wiederaufleben eines längst in der Bedeutungslosigkeit versunkenen NPD-Kreisverbandes – mit ihm an der Spitze – und der Gründung einer neuen kameradschaftsähnlichen Bruderschaft „Wolfsschar“, ist Siegfried Pauly als Organisator von mehreren Neonazi-Versammlungen und Veranstaltungen öffentlich in Erscheinung getreten.

Siegfried Pauly ist 1974 in Frankfurt (Oder) geboren. Er ist Berufskraftfahrer und war früher vermeintlich ein erfolgreicher Amateurboxer. Er soll in seinen jungen Jahren Box-Jugendmeister in der DDR, später Süddeutscher Meister, Deutscher Meister, erfolgreicher Bundesligaboxer und Europacup-Sieger gewesen sein. [1] Ein Box-Europacup existiert allerdings nicht, für die anderen Errungenschaften gibt es keine Belege – im Gegenteil, auf Nachfrage des Online-Magazins „seemoz“ wusste weder die Sport-Fördergruppe in Frankfurt (Oder), noch der Präsident des Landesverbandes Brandenburg, welcher die Box-Lizenzen erteilt, noch ein Zuständiger des Landesverbandes Baden-Württemberg, wer Siegfried Pauly sein soll. [2] Dessen ungeachtet erhielt Siegfried Pauly Arbeitsstellen als Boxtrainer. Nach eigenen Angaben ist er mit Manuela Kuprella verlobt.

Kupralla neben Pauly am NPD-Infostand am Synagogengedenkstein in Frankfurt (Oder).

 

Er lebte seit 2011 am Bodensee, soll aber schon 1989 bis 1993 dort gelebt und geboxt haben. [3] Er gibt selbst an, seit den 90ern in Freien Kameradschaften aktiv gewesen zu sein. [4] Am Bodensee angekommen schloss er sich für mehrere Jahre der „Kameradschaft Höri/Bodensee“ an. [5] Im Jahr 2016 war er Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Konstanz und kandidierte im selben Jahr bei der Landtagswahl Baden-Württemberg für die NPD im Wahlkreis Singen [6] und im Wahlkreis Konstanz [7]. Nach Bekanntwerden seiner Landtagskandidatur gab er, auf Nachdruck, seinen Trainerposten beim Turnverein Bietingen auf. [8] Bis Anfang 2017 trainierte er als Jugendtrainer den Boxnachwuchs in Blumberg, bis er auch dort rausflog, nachdem er erneut wegen einer Gewalttat verurteilt wurde. [9] Der mehrfach vorbestrafte Siegfried Pauly wanderte wegen einer brutalen Attacke auf einen Jugendlichen für mehrere Monate ins Gefängnis. Er hatte im Januar 2017 zusammen mit zwei weiteren Neonazis in Singen Jagd auf junge Antifaschist:innen gemacht und einen Jugendlichen krankenhausreif geschlagen – nachdem dieser bereits schwer verletzt war, schlug ihm Pauly erneut mit der Faust ins Gesicht. [10] Siegfried Pauly war u.a. auch an den HoGeSa-Krawallen 2014 in Köln gewaltvoll beteiligt, was ihm ein Jahr später eine Geld- und Bewährungsstrafe einbrachte. [11] Im Jahr 2017 zog er zurück nach Frankfurt (Oder). Noch vor Antritt seiner Haftstrafe nahm er dort bereits am 1. Mai auf einer Querfront-Kundgebung des neonazistischen Liedermachers Björn Brusak teil [12]. Seit November 2020, als er auf der Querdenken-Demonstration in Frankfurt (Oder) neben Andreas Suchanow (AFD) abgelichtet wurde, tritt er wieder regelmäßig öffentlich in Erscheinung.

Siegfried Pauly (2.v.l.) zusammen mit Andreas Suchanow (AFD, schräg dahinter) auf der Querdenken-Demonstration im November 2020 in Frankfurt (Oder)

 

Pauly soll aber noch in 2017 eine „Ersatz-Trainerlizenz“ in Baden-Württemberg beantragt haben, da er seinen Trainerschein vermeintlich verloren habe – diese wurde ihm dort verwehrt. [13]

Und nun – im Jahr 2021 – scheint er Motivation und Zeit gefunden zu haben, sich wieder als Neonazi an die Oberfläche zu begeben und startete im April 2021 im Namen der NPD, eine Flyer-Aktion gegen den „Corona-Wahnsinn“. Kurz danach hielt er mit einigen Kamerad:innen am 24.04. eine Spontandemonstration (mit Fackeln) vor einem Wohnhaus ab, in dem vermeintlich ein verurteilter Sexualstraftäter wohnen soll. Wenige Wochen später, am 08.05. organisierte er, unter dem Deckmantel der NPD, eine Kundgebung am Bahnhof Frankfurt (Oder) gegen Kindesmissbrauch. Auf dieser Kundgebung waren Neonazis aus Frankfurt (Oder) und Umgebung, was seine Vernetzung in der extrem rechten Szene vor Ort verdeutlicht.

Jungneonazi Dennis Kunert (vorn mit Rücken zur Kamera) ließ es sich auch nicht nehmen, auf der Demo von Siegfried Pauly am Bahnhof in Frankfurt (Oder) zu erscheinen

 

Am 19.06. organisierte er einen NPD-Stand am Synagogengedenkstein am Brunnenplatz in Frankfurt (Oder). Am 17.07. soll erneut eine Kundgebung (mit Demonstration), organisiert von Siegfried Pauly, stattfinden. Diesmal aber ohne den Deckmantel der NPD und unter dem Namen der „Kameradschaft Wolfsschar“.

Martin Walmann (ganz links vorn) neben Siegfried Pauly und weiteren „Kameraden“ der Kameradschaft Wolfsschar

 

Wegen seiner augenscheinlich erfundenen Box-Erfolgsgeschichte wurde 2015 in der rechtsradikalen Szene in Blumberg der Verdacht geäußert, dass Siegfried Pauly ein bezahlter Informant des Verfassungsschutzes sei. [14] Außerdem soll er engen Kontakt zum Nazibombenwerfer Oliver Rösch gepflegt haben, in der Clique um Rösch und weiteren Neonazis war zudem von durch Pauly angelegten Waffenlagern im Wald die Rede. [15]

 

 

[1] https://www.seemoz.de/lokal_regional/npd-mann-pauly-nicht-mehr-im-boxring/

[2] https://www.seemoz.de/lokal_regional/npd-mann-pauly-nicht-mehr-im-boxring/

[3] https://www.suedkurier.de/region/schwarzwald/blumberg/Boxsportverein-Blumberg-Linksausleger-mit-rechter-Gesinnung;art372508,9186016

[4] https://www.suedkurier.de/region/schwarzwald/blumberg/Boxsportverein-Blumberg-Linksausleger-mit-rechter-Gesinnung;art372508,9186016

[5] http://linksrhein.blogsport.de/2017/12/16/nazischlaeger-zu-mehreren-monaten-haft-verurteilt-einer-mit-und-einer-ohne-bewaehrung/

[6] https://www.lrakn.de/lrakn/wahlen/wahldat/335000l-057-2016.htm

[7] https://www.lrakn.de/lrakn/wahlen/wahldat/335000l-056-2016.htm

[8] https://www.seemoz.de/lokal_regional/npd-mann-pauly-nicht-mehr-im-boxring/

[9] https://www.suedkurier.de/region/schwarzwald/blumberg/Boxsportverein-Blumberg-Linksausleger-mit-rechter-Gesinnung;art372508,9186016

[10] http://linksrhein.blogsport.de/2017/12/16/nazischlaeger-zu-mehreren-monaten-haft-verurteilt-einer-mit-und-einer-ohne-bewaehrung/

[11] https://www.seemoz.de/lokal_regional/wenn-der-npd-mann-ausserhalb-des-boxrings-zuschlaegt/

[12] https://inforiot.de/querfront-kundgebung-am-1-mai-in-frankfurt-oder-ohne-gegenprotest/

[13] https://www.suedkurier.de/region/schwarzwald/blumberg/Boxsportverein-Blumberg-Linksausleger-mit-rechter-Gesinnung;art372508,9186016

[14] https://www.seemoz.de/lokal_regional/npd-mann-pauly-nicht-mehr-im-boxring/

[15] https://autonome-antifa.org/?breve5620

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