Nach der Wahl ist vor der Wahl

Am 28. September wurden in Brandenburg sämtliche Kreistage und Stadtparlamente neu gewählt. Hier nun eine erste Analyse mit Fokus auf den rechten Rand des Frankfurter Parteienspektrums.

Zwar konnte Meinhart Gutowski seinen Platz im Stadtparlament grade noch halten, ist damit aber auch der einzige verbliebene Stadtverordnete seiner “Freien Fraktion” die sich nun BVB/50plus nennt. Zerknirscht rätselt er: “Dass wir unser Ergebnis nicht halten konnten, liegt wohl am neuen Namen, der in Frankfurt noch nicht so bekannt ist.” Das Gegenteil ist der Fall. Mit einer Auflage von 5000 Stück wurde eine Woche zuvor das Flugblatt “Wahlkampfinfo I” in den Stadtteilen Südring und Zentrum verteilt, das die Verstrickungen von Edeltraut Lademann und Meinhart Gutowski mit der rechten Szene beleuchtet.

Leider ebenfalls dabei ist Josef Lenden, der unter dem Label “Bürgerinitiative Stadtumbau” allein ins Rathaus einzieht. Dabei ist es nur wenige Monate her, dass er sich noch der Vereinigung “Deutsche Partei” (DP) zugehörig gefühlt hat. Diese ist bereits 2005 dem Deutschlandpakt beigetreten. Bei dieser Vereinbarung, die oft auch als “Braune Volksfront” bezeichnet wird, handelt es sich um Wahlabsprachen im rechten Spektrum welche Partei wo kandidiert, um nicht in Konkurrenz zueinander anzutreten. Anscheinend sieht sich Lendens DP somit auf Augenhöhe mit NPD und DVU.

Josef Lenden

Josef Lenden

Insgesamt blieben in Frankfurt die rechten Kräfte weit hinter ihren Erwartungen zurück. Allerdings sieht es im übrigen Brandenburgs anders aus. Bis auf wenige Ausnahmen sind nun sämtliche Kreistage und Stadtparlamente mit Abgeordneten der NPD oder DVU besetzt. Die jüngste strukturelle Aufbauarbeit der NPD hat anscheinend Früchte getragen. Im Wahlbezirk 14 von Storkow konnte die Partei schockierende 23,05 % erreichen. Ähnliche Erfolge verbuchten die Neonazis im Ortsteil Werder der Gemeinde Tauche wo sie 21 % der Stimmen erhielt. Solche Zustände, wie sie bisher nur aus rechten Hochburgen in Sachsen bekannt sind, zeigen auf erschreckende Weise, wie groß das Wählerpotential für solche nationalistischen Parteien ist. Aufklärung und Gegeninitiativen sind bitter nötig, denn die meist dumpfen Erklärungsmuster scheinen eben auch in breiteren Bevölkerungsschichten Anklang zu finden.

Angesicht dieser Entwicklungen muss erneut die Wichtigkeit unterstrichen werden, keine Form von Akzeptanz mit rechten Parteien zu üben. Auch wenn sie im seriösen Anzug daherkommen bleiben sie die rückwärts gewandten, geistigen Brandstifter, welche schon oft genug gezeigt haben wessen Geistes Kind sie sind (z. B. hier & hier). Anträgen rechter Parteien zuzustimmen, egal zu welchem Thema, ist und bleibt eine direkte Unterstützung! Sie als ganz normale Parteien hoffähig zu machen ist um jeden Preis zu verhindern.

Mandatsträger wie Zivilgesellschaft sind dazu aufgerufen klar Position gegen rechts zu beziehen! Kein Forum, keine Akzeptanz, keine Toleranz für Neonazis.

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Bürgerbewegung agiert am rechten Rand

Zunächst ist positiv zu verzeichnen, dass in Frankfurt (Oder) weder NPD noch DVU zur Kommunalwahl auf den Wahlscheinen stehen. Im neuen Gewand der BVB/50Plus tritt allerdings eine Partei an, deren lokale Akteure weit am rechten Rand des Parteienspektrums zu verorten sind. Die „Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegung/50Plus“ ist ein Sammelsurium von knapp 51 Bürgerinitiativen. Dass Masse nicht gleich Klasse ist, zeigt sich z.B. in Bernau. Die Onlineausgabe der Berliner Zeitung berichtete über diverse hier bestehende Berührungspunkte zwischen BVB/50Plus und Aktivisten von DVU und NPD. Doch solche Punkte zu Rechtsextremen gibt es nicht nur dort, sondern auch in Frankfurt (Oder).

Federführend ist dabei der Fahrschullehrer Meinhard Gutowski, der scheinbar das Label seiner Partei wechselt wie andere ihre Unterwäsche. Zusammen mit Werner Voigt gründete er zunächst im Dezember 2002 den Stadtverband Frankfurt (Oder) der Partei Rechtsstaatliche Offensive (PRO). Beide waren bei den Kommunalwahlen 2003 für die rechtspopulistische Partei in das Frankfurter Stadtparlament eingezogen, hatten sich dann aber von der Partei gelöst und eine „Freie Fraktion“ gegründet. Berührungsängste mit der NPD gab es schon damals nicht. So hatten sie mit Rocco Fetting eine Person in ihre Reihen aufgenommenen, die 1999 auf der Landesliste der NPD zur Wahl zum Brandenburger Landtag antrat und ihrer Partei treu ergeben war. Fetting diente zu dieser Zeit, zu dieser Zeit an der Seite von Jörg Hähnel, nicht nur als Kontaktperson zur Koordination von Versammlungen der NPD, sondern auch als Organisator ihrer Demonstrationen. Später waren die ehemaligen PRO-Abgeordneten der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ beigetreten, einem Ableger der Kölner „Bürgerbewegung Pro Köln“ des rechtsextremen Publizisten Manfred Rouhs. Am 27. Januar 2006 organisierte Gutowski dann zusammen mit dem NPD-Kreisverband Oderland einen „Politischen Stammtisch“ im Frankfurter Hotel und Restaurant „Grünhof“.

Ex-Schillparteimitglied: Meinhard Gutowski

Ex-Schillparteimitglied: Meinhard Gutowski

Ebenfalls auf der Kandidatenliste steht Edeltraut Lademann. Von Beginn an hat sie keinen Hehl aus ihrer Einstellung und ihren guten Kontakten zu lokalen NPD- und Kameradschaftskadern gemacht. Sie ist ein oft gesehener Gast auf rechtsextremen Veranstaltungen und hat schon Mitte der 90er Jahre mit zahlreichen Leserbriefen in Lokalzeitungen ihre Position deutlich gemacht. Sie nahm z.B. an einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 in Halbe – dem sog. Heldengedenken, einer Neonaziveranstaltung mit bundesweiter Beteiligung – teil, gemeinsam mit Roland Weiß, der am 27.01.2007 auf der NPD-Demonstration in Frankfurt (Oder) als Redner fungierte und für den Bereich Frankfurt (Oder) als zuständiger NPD-Aktivist vorgestellt wurde. Mit ihm nahm Edeltraut Lademann mehrfach an Arbeitslosenfrühstücken im evangelischen Gemeindezentrum in Neuberesinchen teil.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Das lokale politische Programm der BVB/50Plus strotzt geradezu vor Populismus. Ein wenig auf „Die da oben“ schimpfen, strengere Gesetze einfordern, „Mehr Arbeit“ versprechen und strengste Haushaltsdiziplin beschwören. Allen Wählergruppen wird versucht, es möglichst recht zu machen, egal ob beim Thema Stadtumbau, Feuerwehr oder Jugendclubs. Dass sich diverse Vorhaben absolut konträr zum geforderten rigiden Sparkurs verhalten, ist für die Partei wohl nebensächlich. Die “Freie Fraktion“ unter Gutowski scheint immer noch nicht bereit für Realpolitik zu sein.

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Wilder Westen im tiefen Osten

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Der Countdown läuft: Nur noch wenige Stunden verbleiben der Nordic Company (NC) am Frankfurter Bahnhofsvorplatz, um Neonazikleidung der Marken Thor Steinar und Erik and Sons zu verkaufen (mehr). Zum kommenden Ersten muss der Laden die Immobilie der Deutschen Bahn verlassen haben. Nachdem das Geschäft im April dieses Jahres bezogen wurde, währte die Freude über die prominente Lage nicht lang: Binnen kürzester Zeit erwirkten antifschaschistische Gruppen der Stadt in Zusammenarbeit mit Vereinen, Behörden und Politiker_innen die Kündigung des Mietvertrags seitens der Bahn (mehr). Nicht allen fällt der Abschied dabei so schwer wie der lokalen Neonaziszene:

Am Bahnhofsvorplatz nutze ein Bündnis von Antifa-Gruppen den vergangenen Dienstag, um den Auszug von NC feierlich zu begehen. Bei Tanzmusik informierten Cowboys und Cowgirls ein interessiertes Publikum über das Geschäft mit Neonazi-Mode, den Laden am Bahnhof und gaben Auskunft zu Akteuren der radikalen Rechten in Frankfurt. Der guten Stimmung konnten auch die wenigen, grimmig drein blickenden Neonazis vor NC keinen Abbruch tun. Bei schönstem Sonnenschein wurde durch die Veranstalter_innen der Kundgebung indes ein Versprechen erneuert: Sollte NC in Frankfurt wiedereröffnen, werden ohne Zögern die Pferde gesattelt und die Lassos geschnürt.

Quelle: Inforiot

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