Posts Tagged ‘Alt-Neonazis’

20th Dezember
2014
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Im Schatten der AfD Frankfurt (Oder) treibt ein bereits langjährig aktiver Neonazi sein Unwesen. Bereits im Recherche Output #4 (Sommer 2008) berichteten wir über Rocco Kilz in dieser Rubrik. Aus aktuellem Anlass wollen wir hier erneut unseren Blick auf ihn werfen und veröffentlichen an dieser Stelle eine aktualisierte Version des damaligen Artikels über den zwielichtigen Neonazi-Kader und jetzigen AfD-Unterstützer.

Der im Sommer 1972 geborene, gelernte Forstwirt gehörte Ende der 1990er Jahre der Frankfurter Neonaziszene um Jörg Hähnel[1] an. Rocco Kilz trat in die NPD ein und kandidierte 2003 bei den brandenburgischen Kommunalwahlen im Wahlkreis 4 (Landkreis Oder-Spree). Nur um wenige Stimmen verpasste er den Einzug in den dortigen Kreistag.[2]

Nach der Wahl-Niederlage übernahm Rocco Kilz ab 2004 Ordnerfunktionen innerhalb der Partei. Wiederholt beteiligte er sich bei verschiedenen Veranstaltungen und Demonstrationen der NPD im Ordnerdienst, so zum Beispiel am 13. Juni 2004 bei der NPD-Demonstration gegen die EU-Osterweiterung im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Im Sommer 2004 ging Rocco Kilz nach Dresden, um dort als Personenschützer für die sächsische NPD-Landtagsfraktion tätig zu sein. Bei öffentlichen Auftritten konnte er mehr-fach als persönlicher Bodyguard des damaligen Fraktionsvorsitzenden und Bundesvorstandsmitglieds Holger Apfel beobachtet werden. Ebenso wie Jörg Hähnel war Rocco Kilz auch in der neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) aktiv. Die HDJ galt bis zu ihrem Verbot im März 2009[3] als eine der Nachfolgeorganisationen der 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ und richtete sich vor allem an Familien und Jugendliche. Ihre Ausrichtung und Programmatik war dabei beseelt vom Geiste der nationalsozialistischen HJ. Die Prinzipien der HDJ lauteten „Kameradschaft, Treue, Mut, Ehre, Aufrichtigkeit, Disziplin und Ehrlichkeit“,[4] als Ziel wurde proklamiert den „Gedanken der Volksgemeinschaft (…) im Kleinen“[5] vorzuleben. Als sich die HDJ am 4. November 2006 mit über 200 Teilnehmenden im brandenburgischen Blankenfelde traf, war Rocco Kilz an einem gezielten Angriff mehrerer Neonazis auf die Journalistin Andrea Röpke beteiligt.[6]

Rocco Kilz (in türkis) als Personenschützer des NPD-Fraktionsvorsitzenden in Sachsen Holger Apfel (Mitte) zusammen mit NPD-Vize Peter Marx (rechts) am 15.08.2005 auf einer Kundgebung in Dresden.

Rocco Kilz (in türkis) als Personenschützer des NPD-Fraktionsvorsitzenden in Sachsen Holger Apfel (Mitte) zusammen mit NPD-Vize Peter Marx (rechts) am 15.08.2005 auf einer Kundgebung in Dresden.

Röpke, die seit vielen Jahren intensiv in der Neonaziszene recherchiert, wollte über das Treffen der HDJ in Blankenfelde berichten. Als sie am Rande der Veranstaltung erkannt wurde, wurde sie von den Neonazis bis in einen Supermarkt verfolgt. Dort wurden sie vom damaligen HDJ-Führer Sebastian Räbiger sowie Friedrich Tinz körperlich angegangen, zu Boden gestoßen und mit Fäusten ins Gesicht geschlagen.[7] Zuminderst zu den Verfolgern Röpkes gehörte auch Rocco Kilz.[8]

Rocco Kilz kehrte in die Oderstadt zurück. Er ist hier weiter politisch aktiv. Schon am 27. Januar 2007 konnte er als Teilnehmer der NPD-Demonstration in Frankfurt (Oder) festgestellt werden. Danach war es wieder lange ruhig um ihn geblieben. Am Rande von Gegenprotesten von NPD-Demonstrationen am 23.03.2012 sowie am 10.11.2012 wurde er aber zusammen mit anderen Neonazis gesichtet.[9]

Mit Gründung des Frankfurter Stadtverbands der rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland“ (AfD) scheint er eine neue politische Heimat gefunden zu haben.[10] Des öfteren wurde er bei AfD-Wahlkampf-veranstaltungen, wie zuletzt am 06.09.2014 auf dem Frankfurter Marktplatz gesehen. Probleme mit seiner Vergangenheit scheint die Partei nicht zu haben. Selbiges scheint auch auf den früheren NPD-Kader Roland Weiß zuzutreffen.

1) Jörg Hähnel hatte von 1998 bis Ende 2002 einen Sitz für die NPD in der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt (Oder). Er war zu dieser Zeit die zentrale Figur der Neonaziszene in der Stadt. 2001 zog Hähnel nach Berlin und organisierte sich dort im Kreisverband Berlin-Pankow. Seit 2000 ist er auch im NPD-Bundesvorstand und dort mittlerweile Leiter des „Amts für Öffentlichkeitsarbeit“.
2) Vgl. „Schlug Bodyguard von Apfel zu?“, NiP Sachsen, 08.11.2006, http://nip.systemli.org/Article214.html (eingesehen am 27.11.2014).
3) Vgl. Pressemitteilung Bundesministerium des Innern „BMI verbietet rechtsextremistische HDJ“, Bundesinnenministerium, 31.03.2009, http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2009/mitMarginalspalte/03/verbot_hdj.html (eingesehen am 27.11.2014).
4) HDJ e.V.: „Wir über uns“, o. J., zitiert nach: Björn Falter: „Volksgemeinschaft im Kleinen“, in: monitor Nr. 9, März 2003, S.5.
5) Ebenda.
6) Vgl. „Schlug Bodyguard von Apfel zu?“, NiP Sachsen, 08.11.2006, http://nip.systemli.org/Article214.html (eingesehen am 27.11.2014).
7) Vgl. Andreas Speit: „Prügel im Supermarkt“, taz, 12.12.2008, https://www.taz.de/!27319/ (eingesehen am 27.11.2014).
8) Vgl. „Schlug Bodyguard von Apfel zu?“, NiP Sachsen, 08.11.2006, http://nip.systemli.org/Article214.html (eingesehen am 27.11.2014).
9) Vgl. Vgl. antifaschistische recherchegruppe frankfurt (Oder), „Das Kleeblatt ist verdorrt“, 20.11.2012, https://recherchegruppe.wordpress.com/2012/11/20/das-kleeblatt-ist-verdorrt/.
10) Vgl. „Die Frankfurter AfD und ihre Verstrickungen in den braunen Sumpf“.

Kommentare deaktiviert für Wer war nochmal … Rocco Kilz? (2014)
1st Oktober
2014
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1| „Unser Rückschlag wird kommen“ – Analyse einer rassistisch aufgeladenen Debatte um Kriminalität und Geflüchtete -> hier

2| Die Frankfurter AfD und ihre Verstrickungen in den braunen Sumpf -> hier

3| HoGeSa mit Brandenburger Beteiligung -> hier

4| Wer war nochmal … Rocco Kilz? (2014) -> hier

– download als PDF –

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19th Juli
2014
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Wie bereits 2013 fand auch dieses Jahr eine Neonazigeburtstagsfeier von zwei stadtbekannten Rechten im Vereinsheim der “Streetfighters – 208” im Gewerbegebiet in der Georg-Richter-Strasse statt. Zeug*innen konnten lauten Rechtsrock vernehmen, eine Live-Band trat aber nicht auf. Nach bisherigen Informationen soll es an dem Abend, anders als im letzten Jahr, keinen Polizeieinsatz gegeben haben.

Quelle: antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder)

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3rd Juli
2013
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zuerst erschienen auf gegenrede.info

Pinnow (ipr) Am Freitag hat es in Frankfurt (Oder) eine Hausdurchsuchung bei einem Angehörigen der Kameradschaft Kommando Werwolf (KSKW) wegen des Verdachtes auf unerlaubten Waffenbesitz gegeben. Das hatte der Durchsuchte Mario M. [Müller, Anm. recherchegruppe] am Freitag selbst auf seinem Facebook-Profil gepostet.

Mario Müller in seinem Tattoostudio in der Sophienstraße 23. (Quelle: Facebook)

Mario Müller in seinem Tattoostudio in der Sophienstraße 23. (Quelle: Facebook)

Aus dem dort abgebildeten Durchsuchungsbefehl geht hervor, dass sowohl die Firmenräume als auch das Fahrzeug des 50-Jährigen durchsucht werden sollten. Die Pressestelle der Polizeidirektion Ost hat die Durchsuchung bestätigt und mitgeteilt, dass es sich bei den gefundenen Waffen beim ersten Draufschauen wohl um Softair Modelle handele.

Gegen sechs Uhr in der Früh sollen die Beamten
angerückt sein und die Wohnung in der Leipziger Straße auf den Kopf gestellt haben. Der KSKWler macht in einem Statement Frankfurter Antifas für den Polizeieinsatz verantwortlich. Die hatten jüngst in einem Artikel auf inforiot.de berichtet, dass Mario Ms Tatooladen in der Sophienstraße der Ersatz für den seit Ende März nicht zur Verfügung stehen “Sturmladen” im Frankfurter Triftweg sein könnte. Über Akteneinsicht hofft Mario M. nun die Namen der Hinweisgeber outen zu können. Mario M. hat inzwischen seine Aussagen zum Staatsbesuch und das Foto des Durchsuchungsbeschlusses von seinem Facebokk-Profil wieder entfernt.

Kameradschaft Kommando Werwolf

Im Frühjahr war die Kameradschaft Kommando Werwolf das erste Mal ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten als sie über Facebook zu einer Rechtsrockveranstaltung in Finowfurt auf dem Grundstück der Familie Mann mobilisierte, die Klaus Mann lediglich als Gründungsfeier für die Partei “Die Rechte” angemeldet hatte.

Kommando Werwolf taucht in den Verfassungsschutzberichten des Landes Brandenburg nur mittelbar auf. Es gibt eine enge Verbindung zur Nazi-Band “Frontfeuer”, die bei Auftritten Westen und T-Shirts mit dem Emblem der Terrorcrew KSKW tragen. Außerdem hatte sich ein führender KSKWler, Sven L.[Lemke, Anm. recherchegruppe], in ein altes Fabrikgebäude im Frankfurter Triftweg eingemietet. Im VS-Bericht 2011 heißt es dazu, dass es “2011 drei Mal für rechtsextremistische Konzerte genutzt wurde. Daran nahmen bis zu 200 Personen teil. Damit stellte dieser Ort eine feste Größe für das Konzertgeschehen 2011 in Brandenburg dar.”

Sven L. hat mittlerweile den Mietvertrag verloren. Das Fabrikgebäude steht nicht mehr zur Verfügung und Sven L. soll auf der Suche nach neuen Möglichkeiten ein Grundstück 40 Kilometer südwestlich von Frankfurt (Oder) gefunden haben. Die Konzerte scheint die Gruppe allerdings nach Finowfurt verlegt zu haben.

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21st Juni
2013
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Die Polizei durchsucht in der Leipziger Straße ein Firmengelände sowie ein Auto eines 50jährigen
Angehörigen der Kameradschaft Kommando Werwolf (KSKW) wegen des Verdachtes auf unerlaubten
Waffenbesitz.

Quelle: gegenrede.info

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18th November
2011
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Am vergangenen Samstag, den 12. November stand das Spiel SV Babelsberg 03 (SVB) gegen den Frankfurter Fussball-Club Viktoria ’91 (FFC) an. In der 2. Runde des Krombacher Brandenburg Pokals im Frankfurter Stadion der Freundschaft begegneten sich die beiden Rivalen zum ersten Mal seit über sieben Jahren wieder auf dem Platz. Anlass für zahlreiche Anhänger_innen beider Clubs sich wieder zum Fussball zu begeben. Doch der Grund war nicht nur das spannende Spiel, sondern vielmehr das mögliche Aufeinandertreffen auf den politischen Gegner. Während bekanntlich die Fans des SVB als links gelten, machen die Hooligans des FFC keinen Hehl aus ihrer faschistischen Gesinnung. Entsprechend groß war dann auch das Polizeiaufgebot.

Etwa 50-60 Hools versammelten sich im Block des FFC. Diesen schmückten sie mit vier Transparenten von dem vor allem „Ruhm und Ehre dem FCV“ deutlich eine Anspielung auf eine verbrecherische Organisation ist. Unter den „FCVlern“ befanden sich aber nicht nur Frankfurter_innen. Zahlreiche Unterstützer_innen kamen aus anderen Städte, so zum Beispiel aus Cottbus und Berlin. Zu den rechtsoffenen Anhänger_innen von Union Berlin und Energie Cottbus pflegten die Frankfurter Hools schon des längeren Kontakt.

Unter den anwesenden Frankfurter_innen waren bekannte Gesichter. So u. a. Paul Pfeiffer, der verurteilte Gedenksteinschänder Andy Köbke1, Benjamin Richter, Sven Freimuth, Christoph Schöfisch und Christoph Zierott. Letztere beide beteuerten erst vor kurzem vor Gericht, sie hätten mit den FCV-Umfeld nichts mehr zu tun und würden nicht mehr zu Spielen gehen.2 Nicht im FCV-Block, jedoch beim Spiel anwesend war auch Andreas Bressel. Ebenfalls verurteilt und seit langem der Recherchegruppe als gewaltbereiter Neonazi bekannt.3

Beim Eintreffen der ersten der über 200 angereisten Babelsberger Fans wurden diese mit antisemitischen Sprechchor begrüßt („Jude, Jude, Jude“). Im folgenden versuchten die Neonazis zudem den Babelsberger Block anzugreifen. Es flogen Leuchtmunition und Böller in Richtung der Gästefans. Nachdem die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle gebracht hatte begann das Spiel und weitere Provokationen seitens der selbsternannten FCV-Fans. Die zu hörenden Sprechchöre hatten wenig mit Fussball zu tun. Neben dem besagten „Ruhm & Ehre des FCV“, wurde weitere deutlich rassistische und antisemitische Sprechchöre gerufen, so u.a. „Babelsberg 03 – Arbeit macht frei!“, „Babelsberg 03 – Zecken, Zigeuner, Juden“4 sowie Affen-Laute gegenüber einem Spieler des SVB. Später stimmten die „Heim-Fans“ auch noch ein Lied der Lunikoff-Verschwörung des verurteilten Landser-Sängers Michael „Lunikoff“ Regner an.5 Sanktionen seitens der Polizei oder gar anderer Fans des FFC blieben aus.

Im weiteren Spielverlauf zündeten die FCV-Hools Bengalos und Knaller, was beinahe einen Spielabbruch provoziert hätte.
Je länger das Spiel ging, desto weniger war von den rechten Hools zu hören. Nach Spielabschluss blieb es ruhig. Es kam zu keinen weiteren Auseinandersetzungen. Auch abends in der Stadt wurden keine Vorkommnisse bekannt.

Für Fussballinteressierte: Das Spiel endete 4:2 nach Verlängerung für den SVB.

Der “FCV”-Block scheint wenig Interesse am Fussball zu zeigen.

Der “FCV”-Block scheint wenig Interesse am Fussball zu zeigen.

Quellen

1 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2007/03/01/gedenksteinschaendung-endet-vor-gericht/
2 https://recherchegruppe.wordpress.com/2011/03/15/prozess-gegen-fcv-hooligans-beginnt/
3 Vgl. https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2006/10/01/freunde-die-niemand-haben-will/
4 Sprechchöre zu hören u.a. hier: http://www.myvideo.de/watch/4061923/Fussballkaoten_aus_Cottbus_in_Frankfurt_gegen_Babelsber
5 Vom Frühstück bis zum Abendbrot, http://www.lyricstime.com/die-lunikoff-verschw-rung-vom-fr-hst-ck-bis-zum-abendbrot-lyrics.html

Kommentare deaktiviert für Es hat sich nichts geändert – Landespokalspiel SV Babelsberg 03 vs. FFC Viktoria
14th August
2009
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Am vergangenen Sonntag, den 9.August 2009 veranstaltete die rechte DVU im Rahmen ihrer Wahlkampftour zu den Landtagswahlen eine Kundgebung auf dem Frankfurter Oberkirchplatz, direkt gegenüber dem Rathaus. Veranstalter war, wie auch bei den beiden vorausgegangenen Kundgebungen in Brandenburg an der Havel und Cottbus der Bundesvorsitzende Matthias Faust.

Dem Bundesvorsitzenden folgten zur Veranstaltung wieder die üblichen DVU-Anhänger_innen und Mitglieder. So die Bundesvize Irmgar Knop aus Sachsen-Anhalt, Marcel Guse, Stadtverordneter der Potsdamer DVU und der aus Hamburg stammende bekannte Neonazi Christian Worch, der sich mit weiteren Kameraden um den Aufbau der Bühne und Technik kümmerte. Worch gilt es enger Freund des Bundesvorsitzden Faust, so dass eine Zusammenarbeit zwischen der DVU und dem Kameradschaftskader Worch nur wenig verwundert[1].

Christian Worch (m.) mit DVU-Landtagsabgeordneten Markus Nonninger (r.). Links neben Worch im Hintergrund Marcel Guse.

Christian Worch (m.) mit DVU-Landtagsabgeordneten Markus Nonninger (r.). Links neben Worch im Hintergrund Marcel Guse.

Die DVU, die seit ihrem Einzug in den Brandenburger Landtag 1999 jediglich mit Wahlplakaten oder Flugblättern öffentlich in Erscheinung trat, versucht nun mit einer Wahlkampftour in sieben Brandenburger Städten die Bevölkerung auf sich aufmerksam zu machen – eher mit geringem Erfolg. Wie auch bei den beiden ersten Stationen waren auch in Frankfurt (Oder) ausnahmslos nur Anhänger_innen von ausserhalb angereist. Insgesamt belief sich deren Zahl auf höchstens 20 Teilnehmer_innen. Der Versuch auch Frankfurter Bürger_innen zu erreichen schlug fehl. Die wenigen Flyer die Marcel Guse an die Menschen verteilen konnte, landeten alsbald danach im Mülleimer. So blieben die Kamerad_innen unter sich.
Diese mussten sich dann auch wieder die immer gleichen Reden der Landtagsabgeordneten Markus Nonninger und Birgit Fechner anhören, die unter anderem gegen das „BRD-System“ und die polnischen Nachbarn hetzten. Brigit Fechner ging dabei besonders auf letztere ein. Sie erinnerte nicht nur an die Menschen in Ostbrandenburg, die vermeintlich durch zahllose Billigarbeiter_innen aus Polen ihre Arbeit und ihre Autos verloren haben sollen, sondern auch an die in ihren Augen „völkerrechtswidrige“ Landnahme der Polen nach 1945. Dies bekräftigte die DVU noch besonders durch einen aufgestellten Fahnenmast, an dem, neben der Brandenburg- und Parteifahne, auch eine Flagge des Königreichs Preussens hing. Dass das Thema Polen eine wichtige Rolle im DVU-Wahlkampf spielen wird, zeigt auch die Kampagne „Pawel bleib zu Hause“.[2] Diese zeigt einmal mehr die extrem ausländerfeindliche Haltung der DVU.

DVU-Bundesvorsitzender Matthias Faust beim filmen seiner Veranstaltung.

DVU-Bundesvorsitzender Matthias Faust beim filmen seiner Veranstaltung.

Die DVU, die sich mit der Bezeichnung „Neue Rechte“ als eine bürgerlich rechtskonservative Partei des Mittelstands präsentieren möchte, hat scheinbar, aller Bemühungen zum Trotz, kaum eine Chance, ein drittes Mal in den Landtag in Potsdam einzuziehen. Nach dem Bruch des „Deutschland-Pakts“ mit der NPD im Juni, der besagte, dass nur eine der beiden Parteien in einem Bundesland zur Landtagswahl antritt, verliert die Partei noch weitere Stimmen an die Konkurrenz. Die Aussichten der „Nationaldemokraten“ als dritter Landesverband in einem Landtag Platz zu nehmen sehen kaum besser aus, wenn gleich die NPD in Brandenburg besser struktiert scheint als die DVU.[3]

 Marcel Guse beim Versuch Flyer an Frankfurter Bürger_innen zu verteilen.

Marcel Guse beim Versuch Flyer an Frankfurter Bürger_innen zu verteilen.

Die nächsten Stationen der DVU-Wahlkampftour werden Eberswalde (29.August), Luckenwalde (5.September), Wittenberge (13.September) und am 20.September Potsdam sein. Ob sie in diesen Städten Erfolg mit ihrer menschenfeindlichen Propaganda haben werden, kann stark bezweifelt werden. Dennoch sollte die Partei, auch nach ihrem wahrscheinlichem Ausscheiden aus dem Brandenburger Landtag, weiterhin beobachtet werden.

Neben der DVU darf die NPD nicht aus dem Fokus der Betrachtungen geraten. Auch sie plant zu beiden Wahlen im September in Brandenburg anzutreten. Außer einem bundesweitem „Infostand-Aktionstag“ zur Bundestagswahl am 19. September und der Aufstellung von Direktkandidaten zur Landtagswahl, sind bis jetzt keine weitere Aktivitäten der Partei in diese Richtung in der Region Ostbrandenburg zu erkennen, ob gleich sie hier ihren stärksten Kreisverband im Oderland hat. Die nächsten Wochen werden weitere Entwicklungen zeigen. Die Recherchegruppe wird weiterhin wachsam bleiben.

Quellen

1 http://www.keine-stimme-den-nazis.org/index.php?option=com_content&task=view&id=1261&Itemid=34
2 http://pawel-bleib-zuhause.de/
3 http://npd-blog.info/2009/06/29/npd-und-dvu-streiten-nach-ende-des-pakts-lasst-uns-nicht-abwarten-bis-alles-in-die-hose-gefallen-ist/

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17th September
2008
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Zunächst ist positiv zu verzeichnen, dass in Frankfurt (Oder) weder NPD noch DVU zur Kommunalwahl auf den Wahlscheinen stehen. Im neuen Gewand der BVB/50Plus tritt allerdings eine Partei an, deren lokale Akteure weit am rechten Rand des Parteienspektrums zu verorten sind. Die „Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegung/50Plus“ ist ein Sammelsurium von knapp 51 Bürgerinitiativen. Dass Masse nicht gleich Klasse ist, zeigt sich z.B. in Bernau. Die Onlineausgabe der Berliner Zeitung berichtete über diverse hier bestehende Berührungspunkte zwischen BVB/50Plus und Aktivisten von DVU und NPD. Doch solche Punkte zu Rechtsextremen gibt es nicht nur dort, sondern auch in Frankfurt (Oder).

Federführend ist dabei der Fahrschullehrer Meinhard Gutowski, der scheinbar das Label seiner Partei wechselt wie andere ihre Unterwäsche. Zusammen mit Werner Voigt gründete er zunächst im Dezember 2002 den Stadtverband Frankfurt (Oder) der Partei Rechtsstaatliche Offensive (PRO). Beide waren bei den Kommunalwahlen 2003 für die rechtspopulistische Partei in das Frankfurter Stadtparlament eingezogen, hatten sich dann aber von der Partei gelöst und eine „Freie Fraktion“ gegründet. Berührungsängste mit der NPD gab es schon damals nicht. So hatten sie mit Rocco Fetting eine Person in ihre Reihen aufgenommenen, die 1999 auf der Landesliste der NPD zur Wahl zum Brandenburger Landtag antrat und ihrer Partei treu ergeben war. Fetting diente zu dieser Zeit, zu dieser Zeit an der Seite von Jörg Hähnel, nicht nur als Kontaktperson zur Koordination von Versammlungen der NPD, sondern auch als Organisator ihrer Demonstrationen. Später waren die ehemaligen PRO-Abgeordneten der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ beigetreten, einem Ableger der Kölner „Bürgerbewegung Pro Köln“ des rechtsextremen Publizisten Manfred Rouhs. Am 27. Januar 2006 organisierte Gutowski dann zusammen mit dem NPD-Kreisverband Oderland einen „Politischen Stammtisch“ im Frankfurter Hotel und Restaurant „Grünhof“.

Ex-Schillparteimitglied: Meinhard Gutowski

Ex-Schillparteimitglied: Meinhard Gutowski

Ebenfalls auf der Kandidatenliste steht Edeltraut Lademann. Von Beginn an hat sie keinen Hehl aus ihrer Einstellung und ihren guten Kontakten zu lokalen NPD- und Kameradschaftskadern gemacht. Sie ist ein oft gesehener Gast auf rechtsextremen Veranstaltungen und hat schon Mitte der 90er Jahre mit zahlreichen Leserbriefen in Lokalzeitungen ihre Position deutlich gemacht. Sie nahm z.B. an einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 in Halbe – dem sog. Heldengedenken, einer Neonaziveranstaltung mit bundesweiter Beteiligung – teil, gemeinsam mit Roland Weiß, der am 27.01.2007 auf der NPD-Demonstration in Frankfurt (Oder) als Redner fungierte und für den Bereich Frankfurt (Oder) als zuständiger NPD-Aktivist vorgestellt wurde. Mit ihm nahm Edeltraut Lademann mehrfach an Arbeitslosenfrühstücken im evangelischen Gemeindezentrum in Neuberesinchen teil.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Das lokale politische Programm der BVB/50Plus strotzt geradezu vor Populismus. Ein wenig auf „Die da oben“ schimpfen, strengere Gesetze einfordern, „Mehr Arbeit“ versprechen und strengste Haushaltsdiziplin beschwören. Allen Wählergruppen wird versucht, es möglichst recht zu machen, egal ob beim Thema Stadtumbau, Feuerwehr oder Jugendclubs. Dass sich diverse Vorhaben absolut konträr zum geforderten rigiden Sparkurs verhalten, ist für die Partei wohl nebensächlich. Die “Freie Fraktion“ unter Gutowski scheint immer noch nicht bereit für Realpolitik zu sein.

Kommentare deaktiviert für Bürgerbewegung agiert am rechten Rand
11th Juli
2008
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1| Rechter Unternehmer erleidet erneut Schiffbruch -> hier

2| Wer war nochmal… Rocco Kilz? -> hier

– download als PDF –

Kommentare deaktiviert für recherche output #4
22nd Juni
2008
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Nachdem wir diese Rubrik in unserer letzten Ausgabe mit dem schon in den 90er Jahren aktiven André Werner begonnen haben, setzen wir die Reihe nun mit einer Person fort, die ebenfalls schon lange und über die örtlichen Strukturen hinaus in der Neo-naziszene verankert ist: Rocco Kilz.Der im Sommer 1972 geborene, gelernte Forst-wirt gehörte Ende der 90er Jahre der Frankfurter Neonaziszene um Jörg Hähnel an. Rocco Kilz trat in die NPD ein und kandidierte 2003 bei den brandenburgischen Kommunalwahlen im Wahlkreis 4 (Landkreis Oder-Spree). Nur um wenige Stimmen verpasste er den Einzug in den dortigen Kreistag.
Nach der Niederlage bei der Kommunalparlament übernahm Rocco Kilz ab 2004 Ordnerfunktionen innerhalb der Partei. Wiederholt beteiligte er sich bei verschiedenen Veranstaltungen und Demonstrationen der NPD im Ordnerdienst, so zum Beispiel am 13. Juni 2004 bei der NPD-Demonstration gegen die EU-Osterweiterung im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Im Sommer 2004 ging Rocco Kilz nach Dresden,um dort als Personenschützer für die sächsische NPD-Landtagsfraktion tätig zu sein. Bei öffentlichen Auftritten konnte er mehrfach als persönlicher Bodyguard des Fraktionsvorsitzenden und Bundesvorstandsmitglieds Holger Apfel beobachtet werden. Ebenso wie Jörg Hähnel ist Rocco Kilz auch in der neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) aktiv.

Rocco Kilz (in türkis) als Personenschützer des NPD-Fraktionsvorsitzenden in Sachsen Holger Apfel (Mitte) zusammen mit NPD-Vize Peter Marx (rechts) am 15.08.2005 auf einer Kundgebung in Dresden.

Rocco Kilz (in türkis) als Personenschützer des NPD-Fraktionsvorsitzenden in Sachsen Holger Apfel (Mitte) zusammen mit NPD-Vize Peter Marx (rechts) am 15.08.2005 auf einer Kundgebung in Dresden.

Die HDJ gilt als eine der Nachfolgeorganisationen der 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“ und richtet sich vor allem an Familien und Jugendliche. Die Prinzipien der HDJ lauten „Ordnung, Disziplin, Treue und Kameradschaft“, als Ziele werden u. a. „Kampfgeist wecken, Glut schüren, Neues erschaffen und Traditionen pflegen“ definiert. Als sich die HDJ am 4. November 2006 mit über 200 Teilnehmer_innen im brandenburgischen Blankenfelde traf, war Rocco Kilz an einem gezielten Angriff mehrerer Neonazis auf die Journalistin Andrea Röpke beteiligt.
Röpke, die seit mehreren Jahren intensiv in der Neonaziszene recherchiert, wollte über das Treffen der HDJ in Blankenfelde berichten. Als sie am Rande der Veranstaltung erkannt wurde, wurde sie von den Neonazis, unter ihnen Rocco Kilz, bis in einen Supermarkt verfolgt und dort körperlich angegangen, zu Boden gestoßen und mit Fäusten in das Gesicht geschlagen.
Rocco Kilz ist bereits vor einiger Zeit in die Oderstadt zurückgekehrt. Er ist hier weiter politisch aktiv. Schon am 27. Januar 2007 konnte er als Teilnehmer der NPD-Demonstration in Frankfurt (Oder) festgestellt werden. Ihm gilt weiterhin unsere besondere Aufmerksamkeit.

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