Archive for August, 2010

22nd August
2010
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Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten fand am 16.August der Prozess gegen den jungen Frankfurter Neonazi Michael Hecke statt. Ihm wurde vorgeworfen am 1.Mai diesen Jahres einen Zivilpolizisten während eines Spontan-Aufzuges von rund 320 Neonazis auf dem Kurfürstendamm mit einer Fahnenstange geschlagen zu haben. Dabei erhielt der Geschädigte eine blutende Verletzung an der Unterlippe.
Ursprünglich waren die Neonazis unterwegs zur Bornholmer Strasse um an einem geplanten Aufmarsch teilzunehmen. Am S-Bahnhof Halensee verließen sie jedoch den Zug und waren unterwegs Richtung westlicher Innenstadt.

Michael Hecke (in schwarz) sowie weitere Neonazis (mit roten Bascaps) am 16. August vor dem Gerichtssaal.

Michael Hecke (in schwarz) sowie weitere Neonazis (mit roten Bascaps) am 16. August vor dem Gerichtssaal.

Vor dem Richter machte der zur Tatzeit 18-jährige keine Angaben zu den Geschehnissen. Vor dem Untersuchungsrichter während seiner U-Haft deutete er aber an, er wisse nicht genau ob er diese Tat begangen hätte und wenn ja, könne er sich daran nicht mehr erinnern. Diese nebulöse Aussage fand allerdings vor Gericht keine weitere Beachtung.
Der geschädigte Beamte konnte sich an den Täter ebenso nicht erinnern. Für ihn kam die Situation zu plötzlich.

Zur Klärung der Schuld des Frankfurters konnten schließlich nur die vorliegenden Foto- und Videoaufnahmen herangezogen werden. Auf diesen ist Michael Hecke, der zur Zeit bei einer Leiharbeitsfirma für die Solarfabrik „conergy“ tätig ist, deutlich an seiner markanten Kleidung zu erkennen. Er trug an diesem Tag ein Pali-Tuch, sowie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Todesstrafe für Kinderschänder“ und einen Eastpak-Rucksack. Zudem hielt er die Tatwaffe, eine zusammengerollte Fahne, in der Hand. All diese Gegenstände konnten bei der späteren Wohnungsdurchsuchung sichergestellt werden.
Obwohl sein Kleidungsstil nicht unüblich für die extrem rechte Szene ist, konnte auf den Videos und Fotos keine vergleichbar gekleidete Person erkannt werden. Somit stand für das Gericht und den Staatsanwalt die Schuld von Michael Hecke fest. Er wurde schließlich zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilt. Diese wurde zunächst für 4 Monate ausgesetzt. Nach dieser Zeit wird dann entschieden, ob der Frankfurter hinter Gitter muss oder sich bewähren darf.

Für diese Verurteilung wurde ein weiterer Fall mit einbezogen. So wurde Hecke bereits am 6.Mai 2009 wegen gemeinschaftlich schwerer Körperverletzung und Bedrohung vom Amtsgericht Eisenhüttenstadt zu einer Bewährungsstrafe von 1 ½ Jahren verurteilt. So habe er am 2.September 2008 mit einem Mittäter am Hauptbahnhof Frankfurt (Oder) grundlos eine Person zusammengeschlagen und schwer verletzt. Weitere drei Fälle aus den Jahren 2008 und 2009 sind bekannt.

Auch als Neonazi ist er kein Unbekannter. So fiel er schon des öfteren bei Fussbalspielen im Umkreis der FCV-Hooligans auf. Ausserdem beteiligte er sich zusammen mit anderen Neonazis aus der Region an rechten Aufmärschen.

Michael Hecke hinter dem Transpi der Kameradschaft NS/OS am 5. Dezember 2009 auf einer Nazi-Demo in Königs Wusterhausen.

Michael Hecke hinter dem Transpi der Kameradschaft NS/OS am 5. Dezember 2009 auf einer Nazi-Demo in Königs Wusterhausen.

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12th August
2010
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Die Kameradschaft „Märkisch-Oder-Barnim“ (KMOB) hatte für diesen Sommer ihre Kameraden zu einem großen Demomarathon quer durch mehrere Städte Nordost-Brandenburgs gerufen. Vom 29.Mai bis zum 10.Juli sollte an jedem Wochenende ein Aufmarsch stattfinden. Letztendlich konnten von den geplanten sieben Demonstrationen nur eine einzige stattfinden. Noch vor ihrem letzten Aufmarsch löste sich die KMOB auf. Denn es drohte ein mögliches Verbot durch das Brandenburger Innenminsiterium. Der Aufmarsch in Manschnow (10.Juli) wurde abgesagt.[1] Auslöser hierfür waren Hausdurchsuchungen in mehr als 20 Objekten in Berlin und Brandenburg am Morgen des 2.Juli bei denen Propagandamaterial und über 300 Waffen sichergestellt wurden.[2] Vorausgegangen waren zahlreiche Proteste des zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Brandenburg – Nazifrei“. In diesem haben sich zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen zusammengeschlossen und erfolgreich die Aufmärsche gestört und blockiert [3].

Michael Meißner am 29.Mai in Bernau.

Michael Meißner am 29.Mai in Bernau.

Interssant bei diesen eher kleinen Demonstrationen, die jediglich zwischen 70 bis 110 Faschist_innen auf die Strasse bringen konnten, war die Anwesenheit Oderländer Neonazis aus verschiedenen Störmungen innerhalb der extrem rechten Szene. Neben Einzelpersonen ohne feste Gruppenzugehörigkeit waren Personen aus dem Umfeld der FCV-Hooligans und der Kameradschaft „Freundeskreis NS/OS“ zu beobachten.

In Bernau bei Berlin, wo am 29.Mai der erste Aufmarsch der KMOB stattfinden sollte versammelten sich insgesamt rund 90 Neonazis.[4] Teilgenommen haben unter anderem fünf, als „Bahnhofs-Nazis“ bekannte Faschist_innen, die des öfteren am Hauptbahnhof von Frankfurt (Oder) anzutreffen sind. Dort fallen sie hauptsächlich durch Bier trinken und pöbeln auf, das nicht selten beim türkischen und asiatischen Imbiss. Auf Aufmärschen sind sie bislang noch nicht in Erscheinung getreten. In Strausberg nahm auch der mehrfach vorgestrafte Mario Schreiber (27) sowie mindestens eine aus dem FCV-Umfeld bekannte Person teil.

Stefan Schulz (mitte, mit Bauchtasche; am 29. Mai 2010 auf einer Neonazidemonstration in Bernau b. Berlin).

Stefan Schulz (mitte, mit Bauchtasche; am 29. Mai 2010 auf einer Neonazidemonstration in Bernau b. Berlin).

Mario Schreiber (rechts) zusammen mit einem bekannten Hooilgan des FCV (mit Sonnenbrille) in Strausberg am 12.Juni.

Mario Schreiber (rechts) zusammen mit einem bekannten Hooilgan des FCV (mit Sonnenbrille) in Strausberg am 12.Juni.

Neben diesen, in beiden Städten als Einzelpersonen ohne Gruppenzugehörigkeit angereisten Personen nahm eine, in der letzten Zeit häufiger in den Fokus der Recherchegruppe geratenen Gruppe teil. Es handelt sich um die aus dem Raum Eisenhüttenstadt/Frankfurt stammende Kameradschaft „Freundeskreis NS/OS“, die schon seit einiger Zeit auf Aufmärschen in ganz Ostdeutschland mit ihren Transparenten anzutreffen ist. Wie auch viele andere Kameradschaften geben sie sich betont militant und bezeichnen sich selbst als sogenannte „Autonome Nationalisten“ bzw. „Nationale Sozialisten“.

Auch in Strausberg eine Enttäuschung erlebt: Marten Erlebach.

Auch in Strausberg eine Enttäuschung erlebt: Marten Erlebach.

In Bernau, Bad Freienwalde (12.Juni) aber auch in Strausberg am 19.Juni beteiligten sie sich an den Aufmärschen. Bei der kurzfristig abgesagten Demo die in Eberswalde am 6.Juni stattfinden sollte, reisten sie stattdessen nach Hildesheim.
Zu den wichtigsten Protagonisten dieser Kameradschaft zählen Michael Meißner (23) aus Eisenhüttenstadt und der 20jährige Marten Erlebach aus Frankfurt. Letzterer scheint ebenfalls Kontakte zur NPD zu besitzen. So hängte er zusammen unter anderen mit Lars Beyer und Frank Odoy von der NPD Oderland im vergangenen Jahr Wahlplakate in der Oderstadt auf [5] oder besuchte mit der Vorsitzenden der NPD Oderland Manuela Kokott die Kameradschaftsdemo in Berlin am 10.Oktober 2009.

Über den „Freundeskreis NS/OS“ sowie die sogenannten „Autonomen Nationalisten“ in der Region werden wir in Zukunft noch einamal ausführlicher berichten. Denn auch in Frankfurt (Oder) konnten in den letzten Monaten vermehrt Aktivitäten beobachtet werden.

Quellen

1 http://www.inforiot.de/artikel/kmob-loest-sich-auf
2 http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/mehr-als-300-waffen-bei-neonazis-gefunden/1873596.html;jsessionid=4BE82079C2B5CB0DAD26F9BA7743DD34?
3 http://www.brandenburg-nazifrei.de
4 http://inforiot.de/artikel/bernau-bleibt-nazifrei
5 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2009/09/15/npd-haengte-wahlwerbung-in-frankfurt/

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1st August
2010
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Recherchegruppe berichtet weiterhin, aber unter neuer Adresse

Dass Neonazis immer wieder versuchen, mit Hilfe von Rechtsanwält_innen objektive Berichterstattung zu unterbinden, ist nicht neu. Im März und April hatte es auch die Recherchegruppe getroffen. Patrick Dorn, Sven Freimuth und Christian Brendel, über deren Aktivitäten wir ausgiebig berichtet hatten, gefiel es offenbar gar nicht, dass eine Personenrecherche im Internet in den ersten Positionen direkt auf unsere Seiten und somit auf deren Gesinnung und gewalttätige Aktivitäten verwies.

Zunächst meldete sich Anfang März ein (vermeintlicher) Rechtsanwalt telefonisch bei unserem Provider und verlangte die Löschung des Bildes und des Namens von Patrick Dorn aus einem Beitrag, in dem wir über seine Beteiligung an einem Angriff auf die Räume des Utopia e.V. am 8. November 2008 berichteten.[1] Hierbei kam es zu Sachbeschädigungen und körperlichen Auseinandersetzungen mit Gästen des Vereins und Bewohner_innen des Hauses, in dem sich die Räumlichkeiten des Vereins befinden. Die Beteiligung Dorns an dem Angriff steht außer Zweifel. Er konnte damals von Zeugen eindeutig identifiziert werden. Die Recherchegruppe wird Anfang September erneut über das Geschehen berichten, da am 25. und 31. August 2010 am Amtsgericht Frankfurt (Oder) die Anklage in dieser Sache gegen Patrick Dorn und weitere Personen verhandelt wird.

Wenige Wochen später meldete sich dann Christian Brendel bei unserem Hoster und forderte ebenfalls die Löschung seiner Bilder und seines Namens aus unseren Berichten. Zwischenzeitlich traf unter der Kontaktadresse der Recherchegruppe auch ein Schreiben einer Rechtsanwältin ein, die sich für Sven Freimuth mit gleichem Ansinnen meldete.

Da die juristischen Konsequenzen in erster Linie unseren Hoster getroffen hätten, beschloss die Recherchegruppe in Absprache mit blogsport, die Seite vorerst vom Netz zu nehmen. Zwischenzeitlich sind wir zu einem neuen Anbieter gewechselt und werden zukünftig weiter in gewohnter Qualität von neonazistischen Aktivitäten aus der Region Frankfurt (Oder) berichten.

Unser Anliegen ist es, ausführlich über die extreme Rechte zu berichten, um ihr somit die Rückzugsräume zu nehmen. Versuche, unsere Arbeit zu unterbinden, zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Neonazis haben auch in Zukunft Namen und Gesichter.

Quelle

1 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2008/11/20/erneuter-angriff-auf-kulturverein/

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