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26th Mai
2014
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Was will die virtuelle “Bürgerwehr Eisenhüttenstadt”?

Das Logo der Bürgerwehr. (screenshot: facebook)

Das Logo der Bürgerwehr. (screenshot: facebook)

Seit März 2014 existiert eine Facebook-Initiative [1], die sich zum Ziel gesetzt hat, als “Bürgerwehr” in der Stadt anerkannt zu werden, um selbst gegen ihrer Meinung nach Kriminelle vorzugehen. Wer jedoch kriminell ist, zeigt sich in zahlreichen Kommentaren und Posts auf der Seite und offenbart die rassistische Motivation hinter der Initiative. Kaum verwunderlich dass auch zahlreiche Neonazis die Initiative unterstützen.

Unterstützt die Stadt bald gewaltbereite Rassist*innen?

Laut “Zeit.de” verhandeln die Initiatoren der Seite, der mittlweile 475 Mitglieder angehören, bereits mit der Bürgermeisterin und der Polizei darüber, ob 50 Ausgewählte durch die Straßen im Rahmen einer sogenannten “Sicherheitspatenschaft” patroullieren dürfen. [2] Offiziell versuchen sich die Admin’s derweil von “menschenfeindlichen Äußerungen” zu distanzieren, dabei geht es jedoch weniger um eine wirkliche Distanzierung von etwa rassistischen Äußerungen und damit verbundenen Gewaltfanatsien. Aus zahlreichen akzeptierten Kommentaren und Posts geht eindeutig hervor, wer laut den Mitgliedern zu den potenziellen Verdächtigen gehört. Dies sind wahlweise “Ausländer”, “Asylanten”, “Drogenabhängige, “Alkoholiker”, “Zigeuner” oder “Rumänen”. Auch die von Mitgliedern vorgeschlagenen Methoden scheinen alles andere als menschenfreundlich. So zieht der Nutzer und Mitinitiator “Don Szett” den Gebrauch von Schusswaffen in Erwägung. Die Nutzerin “Jessica Held” hat Angst vor “Ghettos in Form von Zigeunercamps”. Der stadtbekannte Neonazi Oliver Stöhsel wünscht sich indirekt eine nächtliche Ausgangssperre für Bewohner*innen der ZAST. Desweiteren legitimiert er rassistische Äußerungen im Zusammenhang mit der Kriminalitätslage und sagt es sei “ganz normal, dass Fremdenhass entsteht…”

Auszüge aus dem Kommentarbereich der Facebook-Gruppe “Bürgerwehr Eisenhüttenstadt”. Von rassistischen Ängsten bis … (screenshot: facebook)

Auszüge aus dem Kommentarbereich der Facebook-Gruppe “Bürgerwehr Eisenhüttenstadt”. Von rassistischen Ängsten bis … (screenshot: facebook)

… zu Gewaltphantasien. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. (screenshot: facebook)

… zu Gewaltphantasien. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. (screenshot: facebook)

Der ganz normale Wahnsinn: Neonazis in der Mitte der Gesellschaft

Neben Oliver Stöhsel, der zum Umfeld der aufgelösten “Autonomen Nationalisten – Oder Spree” [3] gehörte, findet die Gruppe konsequenterweise auch bei weiteren Neonazis hohen Anklang. Darunter zum Beispiel Michael Meißner – ehemalige Fürhungsfigur der “AN-OS”, sowie Martin Schlechte, ebenfalls ehemaliger “AN-OS’ler” und NPD-Unterstützer. Jüngst bei einer Kundgebung am 1.Mai in direkter Nähe zur ZAST verteilte er NPD-Material an Anwohner*Innen. Weitere in der Gruppe aktive Neonazis sind unter anderem Henry Benske und Christian Schönfeld. Einer der Mitinitiatoren, der Nutzer “Don Szett”, posiert auf seinem Facebook-Profil mit einem “final solution” (engl.: Endlösung) Tatoo auf seinem Rücken. Auch Sympathisant*Innen der neurechten Bewegung “die Identitären” befinden sich in der Gruppe. Desweiteren wird die Gruppe von Anwohner*Innen unterstützt, die in der Nähe der zentralen Erstaufnahmestelle wohnen und keinen Hehl aus ihrer Sympathie für die NPD machen.

Der facebook-User “Don Szett” trägt gerne offen einen menschenverachtendes Weltbild zur Schau. (screenshot: facebook)

Der facebook-User “Don Szett” trägt gerne offen einen menschenverachtendes Weltbild zur Schau. (screenshot: facebook)

Seit 2013 mobilisieren Neonazis Hand in Hand mit rassistischen Anwohner*innen bundesweit gegen Geflüchtete. Ausgang dafür waren oft als “Bürger*inneninitiativen” getarnte Facebook-Gruppen, die von organisierten Neonazis – meistens der NPD, losgetreten wurden. Doch anders als in den meisten Fällen stehen hinter der virtuellen “Bürgerwehr Eisenhüttenstadt” keine organsierten Neonazis bzw. NPD-Kader*innen. Trotzdem scheint die NPD-Oderland Interesse an der rassistischen Mobilmachung gefunden zu haben, nicht zuletzt die beiden NPD-Kundgebungsversuche vor der ZAST im August vergangenen Jahres und am 1.Mai diesen Jahres beweisen dies. [4]

Martin Schlechte (rechts) beim Verteilen von Flyern am Rande einer NPD-Kundgebung am 1. Mai in Eisenhüttenstadt. (Quelle: pressedienst frankfurt (oder))

Martin Schlechte (rechts) beim Verteilen von Flyern am Rande einer NPD-Kundgebung am 1. Mai in Eisenhüttenstadt. (Quelle: pressedienst frankfurt (oder))

Lokalpolitiker geben “Bürgerwehr” Rückenwind

Unter den Mitgliedern der “Bürgerwehr” befinden sich auch Lokalpolitiker. So der in Neißemünde wohnhafte CDU’ler Michael Werner Nickel. In zahlreichen Kommentaren spricht er den Mitgliedern der Bürgerwehr seine Anerkennung aus. Er selbst ist Fan von zahlreichen Burschenschaften, Thilo Sarrazin, sowie einer “nationalen Taskforce gegen Homosexualität in Uganda”. Überraschenderweise gehört auch der Brieskow-Finkenheerder SPD-Lokalpolitiker Lars Wendland zu den Unterstützern der Facebook Gruppe.

Ob und wie Mitglieder der Gruppe ihre Vorhaben bereits in die Tat umgesetzt haben ist derzeit noch unklar. Laut den Admin’s ist in naher Zukunft eine Informationsveranstaltung in der Stadt geplant. Wohin solche Formen von Seblstjustiz hinführen, zeigt beispielhaft ein Vorfall in Kremmen im Mai 2013. Dort verdächtigten Anwohner*innen polnische Erntehelfer*innen des Diebstahls, entführten und fesselten diese für einige Stunden in einer Scheune. [5] Es bleibt zumindestens zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen von Stadt und Polizei in Eisenhüttenstadt nicht auf eine Zusammenarbeit mit einer selbsternannten “Bürgerwehr” einlassen.

Quellen:

[1] Vgl. https://www.facebook.com/groups/1470096739874882/.
[2] Vgl. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-05/buergerwehr-in-deutschland/seite-2.
[3] Vgl. https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2012/11/05/anos-am-ende/.
[4] Vgl. https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2014/05/21/die-npd-am-1-mai-in-brandenburg-gewaltbereit-in-den-wahlkampf/.
[5] Vgl. http://www.bz-berlin.de/archiv/selbstjustiz-erntehelfer-entfuehrt-article1680774.html.

Kommentare deaktiviert für “ist wohl ganz normal, dass Fremdenhass entsteht…”
5th November
2012
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„Autonome Nationalisten Oder-Spree“ geben ihre Auflösung bekannt / Scheinbare „Spreelichter“-Aktion von Neonazis im Frankfurter Stadtzentrum

„Wir die Autonomen Nationalisten-Oder Spree lösen uns auf […]“, so steht es seit dem 3. Oktober auf einer Unterseite des Internetauftritts der AN-OS geschrieben. Schon lange war es ruhig geworden um die einst so ambitionierte Neonazigruppierung aus dem Raum Eisenhüttenstadt – Frankfurt (Oder). Nun wurde offiziell, was eigentlich schon lange klar war: Die AN-OS haben sich aufgelöst und ihre Aktivitäten eingestellt. Wir als antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder) werten dies als Erfolg unser konsequenten Berichterstattung. An dieser Stelle wollen wir trotzdem noch einmal einen Einblick in die rechten Lebenswelten der gescheiterten AN’s geben. Genauere Informationen über die Autonomen Nationalisten Oder-Spree können der vorherigen fünften Ausgabe des recherche output entnommen werden.[1]
Aktuell machen hingegen Neonazis in Frankfurt von sich reden, weil sie am 08. und am 09. Oktober mit weißen Masken verkleidet durch die Frankfurter Innenstadt liefen.

Von rechten Fussballfans zu Autonomen Nationalisten

Bei näherer Betrachtung der AN-OS wird schnell deutlich, dass eine gewisse Nähe zum Fussball- bzw. Hooliganmilieu grundleger Bestandteil der Gruppe war. So sind viele AnhängerInnen der AN-OS schon vor deren Gründung in rechten Fussball-Lebenswelten unterwegs gewesen. Ramon Wellemsen und Danny Zink haben sich dem Eisenhüttenstädter FC Stahl verschrieben und sind Anhänger des BFC Dynamo, der für seine rechtsoffene AnhängerInnenschaft bekannt ist. In Frankfurt (Oder) machen die FCV-Hooligans schon seit geraumer Zeit durch ihre rechten Umtriebe von sich reden. Bei der Unterstützung des Frankfurter Fussballvereins traten Marten Erlebach und Robert Krause schon des Öfteren in Erscheinung. Auch pflegen die Frankfurter Hools gute Kontakte zu den rechtsoffenen Fans von “Inferno Cottbus”[2] und “Crimark”.[3] Es wundert also wenig, wenn entlang der Autobahn oder an Landstraßen in der Region die Kürzel wie „FCV-Zone“ und „AN-OS Zone“ nebeneinander gesprüht wurden. Auch der Militanz-Gestus und die Reisefreudigkeit, ob zu Auswärtsspielen oder Demonstrationen, ist bezeichnend für die Überschneidungen der männlichen Erlebniswelten „Fussball“ und „Autonome Nationalisten“.

Michael Meißner hat mit Repression zu kämpfen und verliert seinen Arbeitsplatz

Einzig Michael Meißner stach durch seine Querfront-Ideologie aus der sonst eher inhaltsleeren Gruppe heraus. Der Eisenhüttenstädter, der im März diesen Jahres seinen Ausstieg verlautbaren ließ,[4] musste sich mittlerweile zwei Mal wegen verschiedener Delikte vor Gericht verantworten. Weil er im März 2011 bei einer NPD-Demonstration im mecklenburgischen Teterow ein Kamerateam des NDR angriff, wurde er ein Jahr später zu einer Geldstrafe von 450 € verurteilt.[5] Des weiteren musste der gelernte Metallbauer sich Mitte Juni diesen Jahres wegen dem Sprühen von „AN-OS“-Parolen verantworten. Diesmal wurde er zu drei Monaten Bewährung verurteilt. In beiden Verhandlungen beteuerte er, aus der Gruppe ausgestiegen zu sein, und erhoffte sich so ein milderes Strafmaß. Einen weiteren „Ausstiegsgrund“ offenbarte er bei der Anhörung im Juli. Auf Druck seiner Freundin hin hab er sich von seinen Eisenhüttenstädter Kameraden Martin Schlechte, Danny Zink, Jeffrey Windolf und Ramon Wellemsen verabschiedet. Doch der eigentliche Auslöser für seinen Rückzieher war wohl der, dass Meißner seine Arbeit als Gerüstbauer bei einer Tochterfirma von ArcelorMittal, dem größten Arbeitgeber der Region, verlor. Die recherchegruppe machte Meißners Arbeitgeber auf seine rechten Umtriebe aufmerksam, und dieser zog dann die Konsequenzen aus den außerbetrieblichen Aktivitäten seines Mitarbeiters. Zu seinem vermeintlichen Ausstieg ist zu sagen, dieser mehr als unglaubwürdig erscheint. Weder distanzierte er sich von seiner rechten Ideologie, noch legte er die Strukturen der AN-OS offen. Außerdem war noch Monate danach der Domaininhaber der Internetseite der AN-OS.

Perspektive

Die Auflösung der Autonomen Nationalisten Oder Spree bedeutet für uns keinesfalls, dass deren AnhängerInnen und das neonazistische Umfeld sich von ihrer rechten Ideologie und Praxis verabschieden werden. Wir werden die AN’s weiterhin aufmerksam beobachten.

Neonazis kopieren „Spreelichter“ – Aktion in der Frankfurter Innenstadt

Am 8. und 9. Oktober liefen bis zu sieben Neonazis durch die Karl-Marx Straße. Dabei trugen sie Masken, die eigentlich aus den Aktionen des Internet-Phänomens „anonymous“, sowie aus dem Film „V wie Vendetta“ bekannt sind. Als eigentliches Vorbild dienen aber eher die Aktionen der sogenannten „Spreelichter“, bzw. der „Unsterblichen“. Unter dem Motto „Damit die Nachwelt nicht vergisst, dass du Deutscher gewesen bist.“ veranstaltete die in Südbrandenburg beheimatete Neonazigruppierung mehrere nächtliche Aufmärsche mit bis zu 250 TeilnehmerInnen. Dabei trugen alle beteiligten Neonazis weiße Masken und meist auch Fackeln mit sich. Diese Aktionsform erfreute sich im ganzen Bundesgebiet hoher Beliebtheit, bot sie vermeintlichen Schutz vor Repression, sorgte für Mystifizierung und inneren Zusammenhalt der Gruppe, und es wurde der Gefahr, dass der Aufmarsch blockiert wird, aus dem Weg gegangen. Zwar wurden die Spreelichter im Juni diesen Jahres verboten, doch finden weiterhin ähnliche Aktion statt, so offenbar auch in Frankfurt. Das Ziel der Aktion, welche am darauffolgenden Tag wiederholt wurde, bleibt jedoch unklar. Und Glück hatten die maskierten Neonazis bei ihrer Premiere auch nicht und konnten ihre erhoffte Anonymität nicht wahren. Die Polizei nahm die Personalien der Neonazis auf, und sie sehen nun einer Anzeige wegen des Verstosses gegen das Versammlungsgesetzt entgegen.[6] Einige der beteiligten Neonazis werden dem Umfeld der FCV-Hooligans zugerechnet.

[1] https://recherchegruppe.wordpress.com/2012/05/10/zwischen-fcv-hools-und-an-poltereien/
[2] http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Verantwortung-bis-zum-Stadionzaun;art1065,3922390
[3] http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/#more-380
[4] https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2012/03/09/an-os-nun-ohne-michael-meissner/
[5] http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=7046:angriff&Itemid=410&tmpl=component&print=1
[6] http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=11245571

Kommentare deaktiviert für ANOS am Ende!
16th September
2012
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In der Nacht vom Samstag, den 01.09., auf Sonntag den 02.09., griffen 5-6 Neonazis das Hoffest des Utopia e.V.1 in der Berliner Straße 24 in Frankfurt (Oder) an. Die Angreifer werden teilweise der Anhängerschaft der rechten FCV-Hooligans zugeordnet. Grund genug, mal wieder einen genaueren Blick auf die jüngsten Entwicklungen der organisierten Naziszene in Frankfurt (Oder) und Umgebung zu werfen.

Nachdem es monatelang ruhig um die rechte Anhängerschaft des 1.FC Frankfurt Eintracht/Viktoria[2] geworden war, versuchten sie nun am ersten September-Wochenende gezielt Gäste des jährlich stattfindenden Hoffestes des linksalternativen Vereins Utopia e.V. anzugreifen. Gegen 3 Uhr nachts erschienen 5-6 schwarz gekleidete und vermummte Personen vor dem Hinterhof der Berliner Straße 24. Sie riefen rechte Parolen und warfen mehrere Flaschen in die Richtung der Konzertbesucher*innen. Verletzt wurde niemand. Von Erfolg gekrönt war die Aktion der Neonazis sicherlich nicht. Denn wie die Polizei berichtete3, wurden kurze Zeit später fünf Männer im Alter von 16 – 30 Jahren in der Nähe des Tatortes aufgegriffen, die als die Angreifer gelten. Gegen sie wird jetzt wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung ermittelt.

Seit 2009 war nur noch wenig von den rechten Umtrieben der Hooligans zu hören. Einige standen mit einem Bein im Knast und andere hatten aufgrund ihrer rechten Aktivitäten Probleme mit ihrem Arbeitgeber. Auch die Berichterstattung der Recherchegruppe hatte eine großen Anteil daran. Eine ausführliche Dokumentation der vergangenen Aktivitäten der FCV-Hooligans kann den bereits erschienen recherche outputs4 entnommen werden.

Doch Ende vergangenen Jahres machten die FCV-Hools wieder von sich reden. Am 11. November, beim Pokalspiel zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FC Viktoria Frankfurt, riefen sie mehrfach antisemitische und antiziganistische Parolen5 in Richtung der als antifaschistisch geltenden Gästefans. Mit dabei waren auch angereiste Neonazis aus Cottbus und Berlin, die der Anhängerschaft von FC Energie und dem 1. FC Union zuzurechnen sind. Knapp einen Monat später, am 27. Dezember, griffen sie die mitgereiste Anhängerschaft und die Mannschaft von Tennis Borussia Berlin bei einem Hallenturnier in Frankfurt (Oder) mit Flaschen und Steinen an6. Das (nicht-)Verhalten der Polizei und des örtlichen Sicherheitsdienstes markierte den zweiten Skandal an diesem Tag.

Die Hooligan-Gruppen CM (Crimark) und FCV vereint die Liebe zum Fussball und zum Neonazismus. Kelten- und Hakenkreuze in der Frankfurter Innenstadt.

Die Hooligan-Gruppen CM (Crimark) und FCV vereint die Liebe zum Fussball und zum Neonazismus. Kelten- und Hakenkreuze in der Frankfurter Innenstadt.

Weiterhin werden Kontakte zu befreundeten, rechten Fangruppierungen anderer Mannschaften gepflegt. Zum einen steigt die Präsenz der rechten Hooligangruppierung „Crimark“. Diese steht dem 1.FC Union Berlin nahe und macht keinen Hehl aus ihrer neonazistischen Gesinnung7. „Crimark“ fungiert zudem als Sammelbecken rechtsoffener Hooligans in Brandenburg. Desweiteren gibt es schon lange gute Kontakte zwischen Frankfurter und Cottbuser Hooligans. Die seit 1999 existierende Ultra-Gruppierung „Inferno Cottbus“ steht ebenso für ihre neonazistische Gesinnung in der Öffentlichkeit. Ende Juli organisierten sie ein „Sommerturnier“, an dem auch ca. 15 FCV-Hools teilnahmen. Die Lausitzer Rundschau berichtete erst vor kurzem über die rechten Umtriebe der Cottbusser Hooligan-Gruppierung.8

FCV-Hooligans mit Transpi und Pyrotechnik beim Sommerturnier der neonazistischen Fangruppierung Inferno Cottbus Ende Juli. (Faksimile von der facebook-Seite von Inferno Cottbus)

FCV-Hooligans mit Transpi und Pyrotechnik beim Sommerturnier der neonazistischen Fangruppierung Inferno Cottbus Ende Juli. (Faksimile von der facebook-Seite von Inferno Cottbus)

Liebe, Treue, Heimat verbindet uns mit Dir – Mannschaftsshirts der FCV-Hools beim Sommerturnier von Inferno Cottbus. (Faksimile von der facebook-Seite von Inferno Cottbus)

Liebe, Treue, Heimat verbindet uns mit Dir – Mannschaftsshirts der FCV-Hools beim Sommerturnier von Inferno Cottbus. (Faksimile von der facebook-Seite von Inferno Cottbus)

Und was machen eigentlich die „Autonomen Nationalisten“? Am 1. September protestierten Neonazis in Velten/Oberhavel gegen das Verbot eines von JN’lern organisierten Fussballturniers.9 Mit dabei waren auch zwei Anhänger der „AN-OS“, jedoch nicht aus dem Raum Frankfurt (Oder) – Eisenhüttenstadt, sondern es handelte sich dabei um Tim Wendt und einen weiteren Neonazi aus dem Raum Erkner/Schöneiche. Am letzten Wochenende versuchte die NPD erfolglos gegen den Euro zu demonstrieren.10 Waren sonst Anhänger*innen der „AN-OS“ bei nahezu jeder NPD-Demonstrationen in ganz Brandenburg präsent, blieben sie der Landeshauptstadt komplett fern. Lediglich vier nicht als „AN´s“ organisierte Frankfurter Neonazis, u. a. Mario Schreiber und Eric Hempel kamen. Was ist los mit den sonst so reisefreudigen „AN´s“? Der Eisenhüttenstädter Michael Meißner, der im März diesen Jahres seinen Ausstieg11 verlautbaren ließ, musste sich mittlerweile zwei Mal wegen verschiedener Delikte vor Gericht verantworten. Weil er im März 2011 bei einer NPD-Demonstration in Teterow ein Kamerateam des NDR angriff, wurde er ein Jahr später zu einer Geldstrafe von 450 € verurteilt12. Des weiteren musste der gelernte Metallbauer sich Mitte Juni diesen Jahres wegen dem Sprühen von „AN-OS“-Parolen verantworten. Diesmal wurde er zu drei Monaten Bewährung verurteilt. In beiden Verhandlungen beteuerte er, aus der Gruppe ausgestiegen zu sein und erhoffte sich so ein milderes Strafmaß. Einen weiteren „Ausstiegsgrund“ offenbarte er bei der Anhörung im Juli. Auf Druck seiner Freundin hab er sich von seinen Eisenhüttenstädter Kameraden Martin Schlechte, Danny Zink, Jeffrey Windolf und Ramon Wellemsen verabschiedet. Der eigentliche Auslöser für seinen Rückzieher lässt sich jedoch wahrscheinlicher darauf zurückführen, dass Meißner seine Arbeit als Gerüstbauer bei einer Tochterfirma von ArcelorMittal, dem größten Arbeitgeber der Region, verlor. Die Recherchegruppe machte Meißner’s Arbeitgeber auf seine rechten Umtriebe aufmerksam und dieser zog dann die Konsequenzen aus den außerbetrieblichen Aktivitäten seines Mitarbeiters.

Am 1. September waren Tim Wendt und ein weiterer Kamerad samt Transpi die einzigen Vertreter der “AN-OS” in Velten/Oberhavel. (photo: sören kohlhuber)

Am 1. September waren Tim Wendt und ein weiterer Kamerad samt Transpi die einzigen Vertreter der “AN-OS” in Velten/Oberhavel. (photo: sören kohlhuber)

Zwar sind mit dem Ausstieg der Führungsfigur Michael Meißner auch Sprühereien und Sticker der „AN-OS“ aus dem Stadtbild von Frankfurt, Eisenhüttenstadt und Umgebung verschwunden, doch die Internetadresse der Gruppe ist weiterhin auf Meißner’s Namen angemeldet, Inhalte aber nicht mehr abrufbar. Auf Demonstrationen ließ sich der Eisenhüttenstädter jedoch nicht mehr blicken. Allein der Frankfurter Robert Krause tritt noch regelmäßig auf Neonaziveranstaltungen in Erscheinung. So nahm der 18-Jährige am 31.03. in Brandenburg/Havel13 und am 02. Juni in Hamburg an Demonstrationen teil und trat am 04. August bei NPD-Infoständen in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) in Erscheinung14. Mittlerweile soll er jedoch über einen Wegzug Richtung Wittstock nachdenken. Dorthin pflegt er gute Kontakte zu den Nazis der „Freien Kräfte Ost“. Und was macht Marten Erlebach? Er scheint sich von den AN-OS zurückgezogen zu haben, da er schon seit Januar nicht mehr auf Naziveranstaltungen in Erscheinung getreten ist. Ein Blick auf sein Facebook-Profil vermittelt eher den Eindruck, er hätte wieder zu seiner rechten Hooligan Lebenswelt zurückgefunden. So favorisiert er unter anderem den „FC Vorwärts Frankfurt (Oder)“, „Inferno Cottbus 99“ sowie einschlägige Ultra-Magazine und Bekleidungsmarken.

Mit Brandenburg-Fahne: Robert Krause als einziger “AN-OS”ler bei einem Nazi-Aufmarsch am 2. Juni in Hamburg. (photo: recherche nord)

Mit Brandenburg-Fahne: Robert Krause als einziger “AN-OS”ler bei einem Nazi-Aufmarsch am 2. Juni in Hamburg. (photo: recherche nord)

Es bleibt abzuwarten, ob wirklich eine Reorganisierung der Frankfurter Nazi- bzw. Hooliganszene bevorsteht. Aufschluss darüber könnte eine mögliche Teilnahme lokaler Nazis an der geplanten NPD-Demonstration am 10. November in Frankfurt (Oder) geben. Das lokale Bündnis „Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)“ kündigte bereits an, den Aufmarsch zu blockieren.15

Quellen

1 http://www.inforiot.de/artikel/utopia-ev-begeht-14-geburtstag
2 Der Frankfurter FC Viktoria, Heimat der rechten FCV-Hooligans, fusionierte im Juli diesen Jahres mit dem MSV Eintracht Frankfurt und heißt nun 1.FC Frankfurt Eintracht/Viktoria
3 http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=11189756
4 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/category/recherche-output/
5 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2011/11/18/es-hat-sich-nichts-geaendert-landespokalspiel-sv-babelsberg-03-vs-ffc-viktoria/
6 http://www.lila-kanal.de/journal/?p=2785
7 http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/#more-380
8 http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Verantwortung-bis-zum-Stadionzaun;art1065,3922390
9 http://antifagruppeoranienburg.blogsport.de/2012/09/02/ofenstadt-velten-wehrt-sich-gegen-neonazis
10 http://inforiot.de/artikel/kleeblatt-gerupft
11 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2012/03/09/an-os-nun-ohne-michael-meissner/
12 http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=7046:angriff&Itemid=410&tmpl=component&print=1
13 http://afn.blogsport.de/2012/04/12/brandenburg-an-der-havel-und-der-npd-aufmarsch-2/
14 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2012/08/05/npd-oderland-hetzt-weiter-gegen-polen-infotour-in-frankfurt-oder-massiv-gestoert/
15 http://kein-ort-fuer-nazis.de/de/node/93

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19th Mai
2012
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Nun ist auch die neuste Entwicklung der Neonaziszene in der Region angekommen. Seit knapp drei Jahren organisieren sich Neonazis als „Autonome Nationalisten“.

In der Nacht vom 28. zum 29.August 2009 wurden in Eisenhüttenstadt Parolen gesprüht, die eindeutig dem Repertoire der autonomen Nationalisten zuzuordnen sind. „Nationaler Sozialismus Jetzt!“, „NS Revolution“ und „Gegen Kapitalismus!“ war auf Häuserwänden und Werbetafeln zu lesen. Diese galten sicherlich auch den ca. 70 Teilnehmer*innen 1 der antirassistischen Demonstration, die am 29. August 2009 durch Eisenhüttenstadt zog, um auf den institutionellen Rassismus in der Stadt mit Abschiebegefängnis und Zentraler Erstaufnahmestelle für Asylbewerber*innen aufmerksam zu machen.2 Am Rande der Demonstration tauchten des öfteren Personen auf, die zum Teil schwarze Kapuzenpullover und Basecaps trugen oder ein T-Shirt mit der Aufschrift „Fuck America“. Es handelte sich dabei unter anderem um Michael Meißner, Martin Schlechte, David Schulz und Jeffrey Windolf. Obwohl schon lange der rechten Szene zugehörig, sind sie vorher nie besonders in Erscheinung getreten. Heute sind sie Aktive der Gruppierung „Autonome Nationalisten Oder-Spree“.

David Schulz, Michael Meißner und Jeffrey Windolf (von l. nach r.) beobachten am 29. August 2009 eine Antirassistische Demonstration in Eisenhüttenstadt.

David Schulz, Michael Meißner und Jeffrey Windolf (von l. nach r.) beobachten am 29. August 2009 eine Antirassistische Demonstration in Eisenhüttenstadt.

Doch wie kommt es, dass sich Neonazis vermeintlich linker Parolen wie „Gegen Kapitalismus“ bedienen, mit Sprühschablonen hantieren und kein Problem damit haben, englische Slogans zu verwenden? Es ist auf den ersten Blick äußerst verwunderlich, dass sich Neonazis zu einer traditionell linken Aktionsform – die der „Autonomen“ – hingezogen fühlen. Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, auf den Wandel der Neonaziszene einzugehen.

„Autonom, Militant, Nationaler Widerstand!“
Zur Entstehung der „Autonomen Nationalisten“

Schon immer gab es unter jungen Neonazis ein Abgrenzungsbedürfnis gegenüber vermeintlich bürgerlichen und etablierten Kräften. Somit ist auch die Entstehung der „Freien Kameradschaften“ Anfang der 1990er Jahre zu erklären. Der Beitritt der DDR zur BRD und der damit wiedergefundene gesamtdeutsche Nationalstolz verschaffte dem neonazistischen Spektrum einen ungeahnten Aufschwung und gab der Bewegung ein Selbstbewusstsein, was sich in den Pogromen unter anderem in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda sowie auch in Eisenhüttenstadt im Jahre 1993 gewalttätig äußerte. Dem folgte eine Reihe von Verboten neonazistischer Organisationen. Lose Zusammenhänge ohne feste Struktur boten einen größeren Schutz vor Repression.
Außerdem war die Stammtischpolitik von NPD, DVU, REP und anderen rechten Parteien und Organisationen in den Hinterzimmern der Dorfkneipen vielen jungen, aktionsorientierten und gewaltbereiten Neonazis schnell zu bieder und widersprach dem Verlangen, auch außerhalb dieser für die Sache aktiv zu werden. Der Nazikader und erfahrene Neonazi-Aktivist Christian Worch versuchte 1996, erstmals das Label „Autonome Rechte“ in Abgrenzung zur NPD und dessen Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) zu etablieren. „Bevor ich das Rad neu erfinde, schaue ich mir an, ob irgendwo ein Rad läuft; dann schaue ich mir das Rad an und überlege, ob es für unsere Zwecke geeignet ist. […] Und weil der militante Teil der Linken (einschließlich der Antifaschistischen) sich damals autonom nannte bzw. einfach unter dem Namen‚ die Autonomen„ bekannt war, lag auf der Hand, den Begriff zu übernehmen und für uns zu variieren.“ 3
Die Bezeichnungen „Freie Kameradschaften“ und „Freie Nationalisten“ setzten sich letztendlich durch.
In den nächsten Jahren entstanden solche Gruppierungen flächendeckend im ganzen Bundesgebiet und waren neben den Parteistrukturen die treibende Kraft in der neonazistischen Szene.

Wie sich die Autonomen Nationalisten gerne geben: Militant und Kämpferisch. Unbekannt, Jan/Perleberg, Michael Meißner, Johannes/Beeskow, Marten Erlebach, Jeffrey Windolf und Danny Zink (von l. nach r., Screenshot von einem Jappy-Profil).

Wie sich die Autonomen Nationalisten gerne geben: Militant und Kämpferisch. Unbekannt,
Jan/Perleberg, Michael Meißner, Johannes/Beeskow, Marten Erlebach, Jeffrey Windolf und Danny Zink (von l. nach r., Screenshot von einem Jappy-Profil).

Im Jahre 2000 entwickelten sich Strukturen, welche die heute szenetypischen Merkmale erstmals aufwiesen. Im Ruhrgebiet wurde mit der Verwendung von Sprühschablonen versucht, Anschluss an Jugendkulturen zu gewinnen. In Berlin rief die „Kameradschaft Tor“, die auch im linksalternativen Kiez Berlin-Friedrichshain aktiv war, im Rahmen einer Demonstration erstmals zu einem „nationalen schwarzen Block“ mit zwar nur einigen Dutzenden Teilnehmer*innen auf, adaptierte aber damit eine Aktionsform, die sonst nur auf linken Demonstrationen vorzufinden ist und ihnen auch aus Berlin bekannt war. Damit befand sich die Szene des Kameradschaftsspektrums im Wandel – weg vom Outfit des typischen Skinheads mit Glatze und Springerstiefeln, hin zu Baseballcaps und schwarzen Kapuzenpullovern. Die Verwendung von Anglizismen, die höchst umstritten in der neonazistischen Szene ist, fand genauso Eingang wie die Verwendung von vermeintlich linken Parolen gegen Globalisierung, Kapitalismus oder Atomkraft. Dies sorgte innerhalb der etablierten rechten Kräfte für Unbehagen. Es folgte ein wieder größer werdendes Abgrenzungsbedürfnis der „Freien Kräfte“ und eine nach außen hin konsequentere Haltung gegenüber den bestehenden Verhältnissen. Trotzdem dauerte es einige Jahre, bis sich die Aktionsform des „nationalen schwarzen Blocks“ durchsetze. Am 1.Mai 2004 rief die „Kameradschaft Tor“ wieder zu einem „nationalen schwarzen Block“ auf, und schaffte es immerhin, 150 Leute zu mobilisieren. Die Attraktivität um das Eventversprechen, welches von dem Aufruf der „Kameradschaft Tor“ damals ausging, war für viele, gerade jüngere Neonazis so attraktiv, dass sich die Bezeichnung „Autonome Nationalisten“ bis 2006 im ganzen Bundesgebiet durchsetzte und heute einen wichtigen Teil des Kameradschaftsspektrums ausmacht. Mittlerweile gibt es in fast jedem größerem Staat in Europa Neonaziszenen, die sich der Bezeichnung „Autonome Nationalisten“ angenommen haben.

wird-am-01-mai-2009-nach-dem-gescheiterten-aufmarschversuch-in-berlin-charlottenburg-von-der-polizei-abgefhrt-danny-zink2

Danny Zink wird am 01. Mai 2010 nach dem gescheiterten Aufmarschversuch in Berlin-Charlottenburg von der Polizei abgeführt.

Die noch junge Gruppierung der „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ hat verschiedene Ursprünge. Zum Einen konzentriert sich ein Großteil der Gruppe auf Eisenhüttenstadt, wo auch Michael Meißner wohnt, der den Aufbau der Gruppe maßgeblich forcierte. Nachdem es in den Jahren davor ruhig geworden war um die organisierten Neonazis in Eisenhüttenstadt, die noch Ende der 1990er und Anfang der 2000er durch rassistische Übergriffe und Anschläge auf den alternativen Jugendclub „Cafe Olé“ auf sich aufmerksam machten, tauchte die Beizeichnung „FK/NS-OS“ („Freundeskreis Nationale Sozialisten Oder Spree“) erstmals im Mai 2009 im Internet auf. Aufkleber aus dem Spektrum der „Freien Nationalisten“ wurden schon im Sommer 2007 in der Stadt verklebt. Der 25jährige Michael Meißner war am 26. Oktober 2006 auf einer Demonstration in Berlin zu sehen. Diese setzte sich für die Freilassung von Michael Regner alias „Lunikoff“, dem Frontsänger der als kriminellen Vereinigung verbotenen Neonaziband Landser, ein. Jedoch gehörte Michael Meißner damals noch nicht dem Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ an. Der erste Neonazi, der öffentlich im Stil der „Autonomen Nationalisten“ mit schwarzem Windbreaker und sorgfältig aneinandergereihten Buttons am Basecap in der Stadt auftrat, war Danny Zink, der schon des öfteren durch Pöbeleien gegen alternative Jugendliche aufgefallen war. Dieser tauchte am 27. September 2008 in Königs Wusterhausen am Rande einer Antifademo in einer Gruppe von Neonazis auf, die dem Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ zuzuordnen war. Am 17. Oktober 2009 nahm die Gruppe „Freundeskreis NS/OS“ erstmals geschlossen mit einem selbst gestaltetem Transparent an einer Demonstration in Leipzig teil. Mit dabei waren unter anderem Michael Meißner und Martin Schlechte aus Eisenhüttenstadt, sowie Marten Erlebach aus Frankfurt (Oder). Der 21jährige Marten Erlebach, welcher der rechten Hooligan-Gruppierung „FCV-Ultras“ nahe steht, trat das erste Mal am 13. September 2009 in Frankfurt (Oder) in Erscheinung. Zusammen mit Mitgliedern des NPD-Kreisverbandes Oderland hängte er Plakate für die damals anstehenden Landtagswahlen auf.4 Ein weiterer Akteur aus dem Spektrum der „FCV-Ultras“ ist der 20jährige, schon mehrmals vorbestrafte, Michael Hecke. In Brieskow-Finkenheerd aufgewachsen, trat er zunächst durch regelmäßiges Aufkleber-Verkleben in Erscheinung und stand schließlich wegen einer Attacke auf einen Polizisten während eines Demonstrationsversuches am 1. Mai 2010 vor Gericht.5 Mittlerweile wohnt dieser in Frankfurt (Oder). Im Stile der „Autonomen Nationalisten“ fiel er das erste Mal am 5. Dezember 2009 auf einer Demonstration in Königs Wusterhausen auf.
Allgemein ist es nicht verwunderlich, dass sich einige der FCV-Hooligans den „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ hingezogen fühlen. Es gibt viele Angebote, die auch für gewaltbereite, rechtsoffene Hooligans eine gewisse Attraktivität ausstrahlen, da sie einen ähnlichen Eventcharakter besitzen, wie es für das Verhalten der FCV-Hooligans üblich ist. Sei es der Demotourismus oder die Fahrt zum nächsten Auswärtsspiel, Reviermarkierung mit Parolen wie „Zona Nationalista“ oder „FCV Zone“ sowie die Äußerung des selbstverständlichen Gewaltethos und das dazugehörige Gefühl, einen „Kampf um die Straßen“ in der ostdeutschen Provinz zu dominieren.

,,Aktionen brauchen Leute, und Leute führen Aktionen durch! WERDE AKTIV in deiner Region!“:
Selbstinszenierung und Selbstdarstellung auf der Straße und im Internet

Ein weiteres Kennzeichen für den Wandel der rechten Szene ist die Form der Selbstdarstellung und Selbstinszenierung. Die Verwendung des Internets spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Präsenz auf der Straße. So verfügen die „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ über zahlreiche Auftritte in sogenannten „social communities“. Sie sind auf den bekannten Seiten wie Myspace und Youtube vertreten, besaßen aber auch einen Account auf Facebook. Dort wurden Kontakte zu „Kamerad*innen“ und befreundeten Gruppen gepflegt und Musikinteressen ausgetauscht. Außerdem bieten diese Medien eine einfache und unkomplizierte Möglichkeit der Selbstdarstellung. Meist geht es über leicht verständliche Parolen nicht hinaus: Die Entschlossenheit und das Dagegensein stehen im Vordergrund, und wenn mal längere Texte auf der Internetseite veröffentlicht oder verlinkt wurden, dann unkommentiert – was von mangelndem Interesse an den Pamphleten zeugt. Glücklicherweise konnte im Juli 2010 die Internetseite sowie der Facebook-Account der „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ von Aktivist*innen der Datenantifa gehackt werden. Es stellte sich heraus, dass Michael Meißner die Domain „www.an-os.info“ unter seinem Namen registrierte und wohl auch die dazugehörigen Berichte von Demonstrationen verfasste.

Um jeden Preis präsent sein: Michael Meißner (links) posiert vor einem gerade von ihm gesprühten Graffiti.

Um jeden Preis präsent sein: Michael Meißner (links) posiert vor einem gerade von ihm gesprühten Graffiti.

Auf dem Youtube-Channel der Gruppe erschien im Mai 2010 ein „Aktionsvideo der AN-OS“. Dort präsentierten sie, mit kämpferischen Rechtsrock im Hintergrund, stolz ihre letzten Aktionen, die sie hauptsächlich in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) durchführten. Es sind Aufnahmen von verschiedensten Aktionsformen zu sehen, die beispielhaft für den Aktionismus der Gruppe sind. Parolen werden massiv mithilfe von Spraydosen und Schablonen verbreitet, Plakate und Sticker verklebt, Schnipsel mit kurzen Losungen durch die Gegend geworfen, auch mit Kreide wird hantiert. Sprüche wie „Werde aktiv!“, „BRDigung stoppen!“ oder „NS-Jetzt!“ zählen zu den meistverbreiteten Slogans der Gruppe, wobei diese des Öfteren mit Rechtschreibfehlern gespickt sind. Im Mai 2011 tauchten dann auch entlang der Bundesstraße 112 zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) vermehrt die Kürzel der Gruppe („AN-OS“), sowie Sprüche, die sich gegen Antifa und Atomkraft richten sollten, auf. Einzelne Sprühereien gab es unter anderem noch in Erkner, Fürstenwalde, Beeskow, Storkow und sogar an Ausfahrtsschildern entlang der Autobahn 12. Diese Form von Reviermarkierung ist wichtiger Bestandteil des Aktionismus der Gruppe. Inhalte sind hintergründig, wichtig ist es, den Eindruck von Präsenz und größtmöglichen Einflussgebiet zu vermitteln.

Ein weiterer Bestandteil des Aktionismus ist die Beteiligung der Gruppe an nahezu allen regionalen und bedeutenden überregionalen Aufmärschen. Hierbei steht der Erlebnis- und Eventcharakter der Ausflüge im Vordergrund. Zum Beispiel wollte die Gruppe am 16. Oktober 2010 an einen von „Autonomen Nationalisten“ organisierten Sternmarsch in Leipzig teilnehmen. Aufgrund des Verbots der Veranstaltung und der entschlossenen Blockade des Aufmarschortes blieb den angereisten Neonazis aus Brandenburg nichts anderes übrig, als „spontan“ in einem Vorort von Leipzig aufzumarschieren. Auf der Internetseite der „AN-OS“ folgte schon am nächsten Tag ein ausführlicher Bericht der vorangegangen Erlebnisse. Mit jugendlicher Begeisterung wurde von den Auseinandersetzungen mit der Polizei berichtet, dem Zusammenhalt unter den ca. 200 Kamerad*innen im schwarzen Block und dem erfolgreichen Aufmarschieren in einem Wohngebiet von Geithain (Sachsen). Das eigentliche Ziel, einen Sternmarsch mit vier Demonstrationszügen im Zentrum von Leipzig durchzuführen, wurde nur am Rande erwähnt. Im Vordergrund stand das Abenteuer „Spontandemo“ und das scheinbar befriedigende Gefühl, einen erfolgreichen Tag für die Durchsetzung des „nationalen Sozialismus“ durchlebt zu haben. Genau dieses Angebot machen die identitätsstiftenden Aufmärsche der „Autonomen Nationalisten“ gerade für junge, männliche Neonazis so attraktiv. Es ist allerdings zweifelhaft, dass ein Mob von 200 schwarz vermummten, militant auftretenden Personen eine gewisse „Volksnähe“ in einer Kleinstadt ausübt und damit auf den angeblich anstehenden „Volkstod“ aufmerksam machen könnte.

Popkultur vs. NS-Nostalgie

Der Gebrauch von pop- und jugendkulturellen Elementen in den Selbstdarstellungen der „Autonomen Nationalisten“ markiert einen weiteren Bruch mit den etablierten Formen der neuen Rechten. Es benötigt nicht ausschließlich einer Rückbesinnung auf den historischen Nationalsozialismus, um sich im „nationalen Widerstand“ zu organisieren. Wenn Aufkleber mit Neonfarben, Sternen und englischen Slogans entworfen werden, sollte klar sein, dass „Autonome Nationalisten“ einen positiven Bezug zum Hier und Jetzt besitzen und keinen Führerkult pflegen müssen. Selbstbestimmung, Individualität und Beliebigkeit stehen der Vorstellung einer einheitlichen, disziplinierten und autoritären Gemeinschaft gegenüber. Verbunden werden diese Gegensätze zum Beispiel im „Straight Edge“-Gedanken. „Straight Edge“ entstand Anfang der 1980er in den USA. In Ablehnung zu einem selbstzerstörerischen und unkontrollierten Lebensstil innerhalb der Punk- und Hardcore-Subkultur entstand das Ideal eines Lebens ohne Drogen und Alkohol, tierische Produkte und häufig wechselnden Sexualpartner*innen. Marten Erlebach und Michael Meißner sind selbst von der Lebensweise des „Straight Edge“ überzeugt. So tauchte beispielsweise in Frankfurt (Oder) der Schriftzug „No Drugs – No Antifa“ auf. Im Vordergrund steht hier der Gedanke des „reinen“ Volkskörpers, der sich weder durch Drogen, Alkohol oder Medikamente zersetzen lässt, noch einer unkontrollierten Vermehrung ausgesetzt ist.
Hardcore- bzw. Punkmusik erfreut sich schon seit einigen Jahren großer Beliebtheit unter jungen Neonazis, so dass sie sich auch vom äußeren Auftreten kaum von anderen Jugendlichen unterscheiden lassen. Ein Irokesenschnitt ist genauso akzeptiert wie Piercings, Tattoos, zerrissene Hosen oder andere diverse jugendkulturelle Elemente. Das verbindende Element über alle Möglichkeiten der subkulturellen Ausdifferenzierung hinweg bleibt der völkisch-rassistische Nationalismus.

Jeffrey Windolf (links) und Martin Schlechte wissen am 24.März 2012 noch nicht, dass ihre Demonstration in Frankfurt (Oder) nicht weit kommen wird.

Jeffrey Windolf (links) und Martin Schlechte wissen am 24.März 2012 noch nicht, dass ihre Demonstration in Frankfurt (Oder) nicht weit kommen wird.

Querfrontstrategien und Widersprüche
Über den Versuch der „AN-OS“, sich innerhalb und außerhalb der rechten Szene zu verorten

Anders als die meisten Zusammenhänge von „Autonomen Nationalisten“ versuchen die „AN-OS“, sich an einem Diskurs über die Sinnhaftigkeit und Bedeutung des „nationalen Widerstands“ zu beteiligen. Hierbei lässt sich feststellen, dass sie selbst kaum imstande sind, eigene Positionen zu äußern, sondern sich eher auf Stellungnahmen und Beiträge anderer Gruppen beziehen. Außerdem wird ersichtlich, dass die „AN-OS“ ideologisch nicht eindeutig einordenbar sind. Eher wird eine Strategie der sogenannten „Querfront“ aufgegriffen, die sich Ideen des Nationalsozialismus, nationalen Sozialismus, sowie verschiedener linker Ideen bedient. Hierbei tun sich jedoch große Widersprüche auf.
Auf der aktuellen Internetseite erscheinen regelmäßig verschiedenste Beiträge zu einer Vielzahl von Themen. Dazu gehören Artikel der Zeitung „Fahnenträger“, welche sich selbst als „Diskussionsforum für nationalrevolutionäre und sozialistische Politik“ bezeichnet. In verschwörungstheoretischer Manier wird versucht, sich dem Thema „Antikapitalismus“ zu widmen, was sich in Vorstellungen von der Existenz einer „Koffeinmafia“ oder der antisemitischen Vorstellung einer „Knechtschaft des Zinseszins“ äußert. Oder es wird vor dem Verlust der „deutschen Souveränität“ in Anbetracht der Finanzkrise der Europäischen Union gewarnt. Weiterhin werden Solidaritätsbekundungen mit Neonazis in Tschechien geäußert, welche aktuell durch massive Angriffe auf Wohnorte von Sinti und Roma auf sich aufmerksam machen. Der Befreiung Libyens werden völkische Argumente entgegengesetzt, die in dem Diktator Gaddafis einen legitimen Führer der herbeihalluzinierten „libyschen Volksgemeinschaft“ sehen.
Anknüpfungspunkte an lokale Themen gibt es nur wenige, dazu gehört etwa der Versuch, Anschluss an die Anti-CO2 Bewegung zu gewinnen. Zwar gibt es keine inhaltliche Bezugnahme auf das Thema, jedoch herrscht die Vorstellung, selbst eine Deutungshoheit über dieses Thema innerhalb der Bewegung zu besitzen. Daraus resultieren Machtphantasien, die sich wie folgt äußern: „[…] aber Spenden die in ihre eigenen Taschen fallen sollten, werden wir als Verrat an den Protest sehen, und ihr werdet mit RWE und Vattenfall auf ein und die selbe Stufe gestellt“. 6 Danach wird gewohnt verbalradikal suggeriert, bei der Kritik der „AN-OS“ handele es sich um Antikapitalismus, der sich jedoch vollkommen verkürzt und beschränkt im Anprangern von Großkonzernen äußert. Auch für das Thema Atompolitik scheinen sich die Neonazis zu interessieren, doch hapert es an der öffentlichkeitswirksamen Umsetzung. Als nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima die Abschaltung aller Atomkraftwerke im Bundestag beschlossen wurde, tauchte wenig später ein Graffiti im Ortseingangsbereich von Eisenhüttenstadt auf. Dort war zu lesen: „AN-OS fordert: alle AKW’s abschalten!“.
Auf die geplante Neonazidemonstration am 24. September 2011 in Frankfurt (Oder), welche aus dem rechtsterroristischen „Blood and Honour“-Umfeld vorbereitet wurde, reagierte man auf der Internetseite mit eindeutiger Ablehnung.7 Es wurde zur nicht-Teilnahme an der Veranstaltung aufgefordert, da die Veranstaltenden ideologisch nicht tragbar seien. Die positive Bezugnahme auf die rechten Attentate in Norwegen sowie der veraltete Gestus in Form von deutschen Grüßen und „Ausländerhass“ wurde verurteilt. Gleichzeitig propagieren sie ständig einen völkisch-rassistischen Nationalstaat. Statt zu der Demonstration in Frankfurt, riefen sie zur Teilnahme an einer Demonstration in Neuruppin am selben Tag auf, welcher sie letztendlich nicht beiwohnten. Am 24.09. wurden im Stadtzentrum Frankfurts und in der Nähe des Bahnhofs vermehrt Neonazis der „AN-OS“ gesichtet. Andere Texte gehen auf die „Verwahrlosung“ der rechten Szene, u.a. durch Alkohol, Konsum- und Spaßgesellschaft und unkontrolliertes Sexualleben ein. Stattdessen soll sich auf den Kampf für die nationale Revolution konzentriert und vorbereitet werden. Es wird dazu aufgefordert, sich zu „bilden“ und sich körperlich zu ertüchtigen, einhergehend mit der Betonung der Wichtigkeit und Besonderheit des Einzelnen für das deutsche Volk. Michael Meißner bezeichnet diesen Vorgang auf seinem Youtube-Channel als „geistige Revolution“. Trotzdem tun sich Widersprüche auf, da auch fest eingebundene Personen regelmäßig Konzerte besuchen, dort mit anderen Kamerad*innen trinken oder selbst Feiern organisieren, bei denen sie dem auf der Internetseite vermittelten Selbstbild widersprechen. Ein anderer selbstgeschriebener Beitrag beschäftigt sich mit der Bedeutung der Neonazi-Kleidungsmarke Thor Steinar. Immer noch erfreut diese sich hoher Beliebtheit, gerade als einfaches Identifikationssymbol für nicht organisierte Neonazis. Jedoch wird in diesem Beitrag dazu aufgerufen, die Kleidungsmarke zu boykottieren, da sie in ihrem Augen ein kapitalistisches Großunternehmen darstellt, welches Kamerad*innen und Aktivist*innen ausnutzt, um sich selbst zu bereichern. Die geäußerte Kritik lässt sich jedoch nur bedingt auf die „AN-OS“ anwenden, da auch einige Anhänger*innen sich mit Kleidung der Marke Thor Steinar im Internet und auf der Straße selbst profilieren.
Bei Sprühereien, auf Aufklebern und Online-Veröffentlichungen der AN-OS wird oft mit dem Begriff „Volkstod“ gespielt. Neonazis bezeichnen damit „das Aussterben der deutschen Volksgemeinschaft […] durch Umvolkung, Abtreibung, „Emanzipation“, Homosexualisierung usw…“. 8 Dahinter stehen also völkische, rassistische, sexistische und homophobe Einstellungen. Die Neonazigruppierung „Spreelichter“ aus Südbrandenburg prägte die Parole „Die Demokraten bringen uns den Volkstod!“. In Anlehnung an rassenbiologische Ideen aus dem Nationalsozialismus wird gegen eine vermeintliche „Überfremdung des deutschen Volkes“ gewarnt. Bei anderen Neonazigruppierungen und auch unter „Autonomen Nationalisten“ erfreut sich diese Art der Argumentation hoher Beliebtheit.

Auf allen großen Events der rechten Szene dabei: Marten Erlebach, Tim Wendt/Schöneiche, Danny Zink und Robert Krause (von links nach rechts) am 14. Januar 2012 auf einer nationalen Gedenkdemonstration in Magdeburg.

Auf allen großen Events der rechten Szene dabei: Marten Erlebach, Tim Wendt/Schöneiche, Danny Zink und Robert Krause (von links nach rechts) am 14. Januar 2012 auf einer nationalen Gedenkdemonstration in Magdeburg.

Auch Neonazis wollen mal Feiern: Tim Wendt (links) auf einer Party im Herbst 2011.

Auch Neonazis wollen mal Feiern: Tim Wendt (links) auf einer Party im Herbst 2011.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Ideologie der „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ – wenn man es als solche bezeichnen kann – eine in sich widersprüchliche und irrationale ist. Zumal die Vermutung nahe liegt, dass es sich um Einzelpersonen handelt, die sich um die Internetpräsenz der Gruppe kümmern, und nicht um eine in der Gruppe gereifte Meinung. Dazu kommt, dass die scheinbare thematische Offenheit und Vielseitigkeit es Sympathisant*innen und anderen Rechten in der Region einfach macht, Anschluss an die Gruppe zu finden.

David Schulz (links) und Jeffrey Windolf in Boxershorts und verbotenem Kühnen-Gruß.

David Schulz (links) und Jeffrey Windolf in Boxershorts und verbotenem Kühnen-Gruß.

Verbindungen zu anderen rechten Strukturen

Das Zusammenwirken von „Freien Kameradschaften“ und Parteistrukturen wie der NPD oder der DVU war schon immer wichtig für eine funktionierende und arbeitsfähige regionale Neonazistruktur. Allein schon aus personellen Gründen ist es den Parteien wichtig, einen guten Draht zu jungen Neonazis und deren Strukturen zu besitzen. Doch auch hier gibt es Widersprüche, die sich durch das Erscheinen der „Autonomen Nationalisten“ mehr denn je auftun. Die Gegensätze sind groß: Ein militant auftretender schwarzer Block passt nicht so recht zu der Bürgernähe, mit der sich die NPD verspricht, neue Wähler*innen zu gewinnen. Trotzdem nehmen sie gerade für unerfahrene Gruppen eine wichtige Position ein und sind oft Anlaufstelle, wenn es um Infrastruktur oder finanzielle Unterstützung geht. Auch die Jugendorganisation der NPD, die JN, hat es in einigen Gebieten erfolgreich geschafft, an den Stil der „Autonomen Nationalisten“ anzuknüpfen und ist Bestandteil der lokalen Gruppen geworden. In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten „Autonome Nationalisten“, Freie Kameradschaften und die NPD, die seit 2006 im Schweriner Landtag sitzt, seit Jahren zusammen und erhalten so eine stabile, einflussreiche Neonaziszene aufrecht. In Südbrandenburg dagegen sind die Strukturen gespalten. Die „Spreelichter“, eine zum Teil dem Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ zuzuordnende Gruppe, bezeichnet sich selbst als „antidemokratisch“ und hat kein Interesse mehr, mit den lokalen NPD-Strukturen zusammenzuarbeiten. Im Raum Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) kann man von einer Zusammenarbeit zwischen NPD und den „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ nur schwerlich ausgehen, da schlichtweg keine funktionierenden NPD-Strukturen existieren. Festzuhalten bleibt aber, dass es bei sich bietenden Gelegenheiten durchaus Bereitschaft seitens der „AN-OS“ gibt, die NPD zu unterstützen. So hängte der Frankfurter Marten Erlebach am 13. September 2009 zusammen mit Mitgliedern des NPD-Kreisverbandes Oderland Plakate für die anstehenden Landtagswahlen auf. Am 27. November 2010 ließen sich die Eisenhüttenstädter Michael Meißner und Martin Schlechte auf einer NPD Kundgebung in Schöneiche blicken. Vermutlich aber auch, um ihrem Gebietsanspruch im Landkreis Oder-Spree gerecht zu werden. Erwähnenswert ist auch das Auftreten der Kreistagsabgeordneten und Vorsitzenden des Kreisverbandes Oderland der NPD, Manuela Kokott. Die 43jährige, die auch den Posten der Schatzmeisterin im Landesverband und Vorsitzenden des Kreisverbandes Oderland der NPD inne hat, zeigte sich schon öfters mit schwarzem Windbreaker auf Demonstrationen. Scheinbar sucht sie die Nähe zu Mitgliedern der „AN-OS“; so ist sie auch schon des Öfteren mit Michael Meißner oder Marten Erlebach auf Veranstaltungen, unter anderem am 19. Februar 2011 in Dresden, unterwegs gewesen.
Des Weiteren pflegen die „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ zu anderen rechten Strukturen gute Kontakte. Dazu zählen Neonazis aus Berlin, die sich im Umfeld des „Nationalen Widerstandes“ Berlin befinden.
Außerdem versuchten am 22. Januar 2011 die Eisenhüttenstädter Michael Meißner, Martin Schlechte sowie der Frankfurter Marten Erlebach, an einer Anti-Gentech-Demonstration in Berlin, zusammen mit ortsansässigen Neonazis, teilzunehmen. In diesem Jahr war der 18jährige Frankfurter Neonazi Robert Krause zusammen mit Aktiven des „Nationalen Widerstandes „Berlin an einem erneuten Versuch beteiligt, an der Anti-Gentech-Demonstration teilzunehmen. Beide Male konnte deren Teilnahme durch engagierte Antifaschist*innen verhindert werden.
Am 01. Mai 2010 kam es zu einem Versuch einer Spontandemonstration von ca. 300 Neonazis auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Die Teilnahme von Danny Zink, David Schlegel, Michael Meißner sowie Michael Hecke zeugt erneut von einem gewissen Vernetzungsgrad mit den der militanten Neonazistruktur „Nationaler Widerstand“ aus Berlin.
Des weiteren gibt es gute Kontakte zu der Neonazigruppierung „Freie Kräfte Neuruppin“. Bei einer Demonstration am 27. März 2010 fungierten Marten Erlebach und Michael Meißner als Ordner. Die beiden Gruppierungen scheinen sich in der Organisation ihrer Aktivitäten zu unterstützen. Freundschaften pflegen einige Mitglieder der „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ auch zu Neonazis aus Perleberg. Beide Gruppen warben auf ihren Internetseiten für einander. Außerdem ist mindestens ein Neonazi aus Perleberg des Öfteren in Eisenhüttenstadt anzutreffen. Am 30. Mai 2009 wurde eine nicht angemeldete Demonstration von der Polizei aufgelöst. Dabei wurden Fahnen mit der Aufschrift „Eisenhüttenstadt“ sowie „AG Wiking Perleberg“ beschlagnahmt. 9

Robert Krause (mitte) als einziger Vertreter der AN-OS bei einer NPD-Demonstration am 31. März 2012 in Brandenburg/Havel.

Robert Krause (mitte) als einziger Vertreter der AN-OS bei einer NPD-Demonstration am 31. März 2012 in Brandenburg/Havel.

Die Gruppierung „Autonome Nationalisten Oder-Spree“ stellt eine neue Qualität von neonazistischer Jugendkultur in Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt dar. Ein hoher Aktionismus und ein jugendkultureller Gestus machen sie prinzipiell zu einer interessanten Anlaufstelle für gewaltbereite, rechtsoffene Jugendliche. Jedoch hat sich die Gruppierung weder inhaltlich entwickelt, noch personell merklich verstärkt. Ihr Aktivismus beschränkt sich lediglich auf Propagandaaktionen und Ausflügen zu Neonaziaufmärschen. Außerdem erschweren fehlende lokale NPD-Strukturen den Aufbau.
Jedoch ist in letzter Zeit eine erhöhte Präsenz in den Straßenbildern anderer Städte im Landkreis Oder-Spree zu vernehmen. In Storkow, Beeskow oder Erkner tauchten immer wieder Sprühereien mit rechtem Inhalt, unterschrieben mit „AN-OS“ auf. Wahrscheinlich handelt es sich dabei eher um eine Form von „Reviermarkierung“, um den Anspruch einer regional aktiven Gruppierung im Raum Oder-Spree gerecht zu werden. Es wird weiterhin notwendig sein, die Aktivitäten der „AN-OS“ aufmerksam zu beobachten.

Nachtrag: Am 9. März 2012 berichtete die Recherchegruppe über Michael Meißners vermeintlichen Ausstieg aus den „AN-OS“. Private Gründe, Probleme mit der Antifa und inhaltliche Differenzen mit dem „Nationalen Widerstand“ zwingen den Eisenhüttenstädter, seine Tätigkeiten aufzugeben. Ob er sich wirklich aus der Gruppierung zurückzieht, ist äußerst fraglich. Einen ausführlichen Bericht der Recherchegruppe gibt es unter: https://recherchegruppe.wordpress.com/2012/03/09/an-os-nun-ohne-michael-meisner/

1 Die *Gender Gap* wird im Folgenden verwendet; sie dient der Aufhebung geschlechtsspezifischer Zuordnungen. So werden auf sprachlicher Ebene alle sozialen Geschlechter berücksichtigt.
2 http://de.indymedia.org/2009/08/259525.shtml” title=”http://de.indymedia.org/2009/08/259525.shtml
3 http://www.widerstand.info/689/ueber-freien-und-autonomen-nationalismus (abgerufen am 07. April 2012).
4 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2009/09/15/npd-haengte-wahlwerbung-in-frankfurt/
5 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2010/08/22/frankfurter-neonazi-in-berlin-verurteilt/https://recherchegruppe.wordpress.com/2010/08/22/frankfurter-neonazi-in-berlin-verurteilt/
6 Internetseite der AN-OS.
7 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2011/08/15/zeitreise-blood-honour-demo-am-24-september-in-frankfurt-oder/
8 „metapedia – eine internationale Enzyklopädie von und für Neonazis“.
9 Vgl. Bericht im neonazistischen Forum „Thiazi“.

Kommentare deaktiviert für Neonazistische Jugendkultur im Wandel am Beispiel der “Autonomen Nationalisten Oder-Spree”
10th Mai
2012
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Lange Zeit war es ruhig in Frankfurt (Oder), was die lokale und regionale Neonaziszene anbetrifft. Von Übergriffen oder Propagandaaktionen wurde in den Medien nur selten berichtet. Die sogenannten FCV-Hooligans machten kaum noch von sich reden. Die NPD-Ortsgruppe ist weiterhin nicht mehr als ein Briefkasten. Kurzum: organisierte rechte Strukturen konnten in Frankfurt kaum ausgemacht werden. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig. Es fehlen charismatische Führungskräfte, die zu einer Etablierung neonazistischer Strukturen hätten beitragen können. So blieben die Nazis versprengt und unorganisiert. Einige der Aktivsten aus dem Umfeld der FCV-Hooligans stehen mit einem Bein im Gefängnis oder sind weggezogen.

Nicht zuletzt hat antifaschistische Aufklärungsarbeit, wie sie auch die antifaschistische Recherchegruppe Frankfurt (Oder) betreibt, einen Anteil daran, dass es ruhiger wurde um Frankfurts Neonazis. Dies scheint sich nun wieder geändert zu haben. Anlass genug, ein neues Recherche Output zu veröffentlichen.

Aus dem Spektrum der „Autonomen Nationalisten“ heraus etabliert sich zunehmend auch in Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt eine solche Struktur. Den „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ (AN-OS) ist daher ein Großteil dieser Ausgabe gewidmet. Auch die Nazis aus dem Umfeld der FCV-Hooligans wurden wieder aktiver. So traten sie bei sogenannten „Risikospielen“ beispielsweise gegen SV Babelsberg 03 wieder durch rassistische und antisemitische Sprechchöre in Erscheinung. Beim 2. Krombacher Hallenturnier attackierten sie die als linksalternativ geltenden Fans von Tennis Borussia Berlin.

Anstelle der bisherigen Rubrik „Wer war nochmal…?“ findet sich in dieser Ausgabe des Recherche Outputs an selber Stelle eine allgemeine Einschätzung zu der Lage in Frankfurt und Umgebung. Eine Chronik ist auch dieses Mal vorzufinden; sie umfasst uns bekannt gewordene Übergriffe und Propagandaakte der letzten 1 1/2 Jahre.

Eine ausführliche Erfassung ist hier zu finden.

Und als wir mit der Fertigstellung dieser Ausgabe in den letzten Züge waren, versuchten Nazis seit vielen Jahren, mal wieder durch Frankfurt zu marschieren. Daher natürlich auch von uns, ein Bericht über die Demonstration vom 24.03.2012. Zwei Wochen nach der verhinderten Demonstration tauchte eine ausführliche Übersicht anwesender Neonazis im Internet auf.

Eine Online Version des Rechercheoutput #5 kann direkt hier heruntergeladen (PDF-Datei) werden.

Kommentare deaktiviert für Zwischen FCV-Hools und AN-Poltereien
15th März
2012
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1| Neonazistische Jugendkultur im Wandel am Beispiel der „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ -> hier

2| Kein schöner Land -> hier

3| Das war wohl nichts -> hier

– download als PDF –

Kommentare deaktiviert für recherche output #5
9th März
2012
written by

Am Montag, dem 5. März, ließ der Eisenhüttenstädter Neonazi auf seiner Facebook Seite, sowie auf der Internetpräsenz der „Autonomen Nationalisten Oder Spree“, kurz: AN-OS, seinen vermeintlichen Ausstieg aus der Neonazigruppierung verlautbaren. Private Gründe, Probleme mit der Antifa, sowie inhaltliche Differenzen mit dem „Nationalen Widerstand“ zwingen ihn angeblich dazu, seine Aktivitäten in der Gruppe einzustellen.

Jedoch ist sein „Ausstieg“ mehr als unglaubwürdig. Er distanzierte sich weder von seinen Aktivitäten im Zusammenhang mit den „AN-OS“ noch von deren Ideologie. Die seit ca. drei Jahren im Raum Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt aktive Neonazigruppierung propagiert ganz offen einen „nationalen Sozialismus“ und beteiligte sich in der Vergangenheit an zahlreichen neonazistischen Aufmärschen in Brandenburg und darüber hinaus. Außerdem fällt sie stetig durch Propagandadelikte im Raum Oder-Spree auf und griff vor kurzem erst die Räumlichkeiten des linksalternativen Vereins Utopia e.V. in Frankfurt (Oder) an.[1] Dazu kommt, dass Michael Meißner weiterhin der Domaininhaber der Internetseite der „AN-OS“ ist.

Eine Domainabfrage auf http://www.whois.de zur Internetseite der AN-OS (www.an-os-bna.com) am 9. März ergab folgendes Ergebnis:

internetseite

Es bleibt abzuwarten, ob der 25-Jährige seine Aktivitäten innerhalb der „AN-OS“ wirklich einstellt. Fakt ist, Michael Meißner war und ist ein überzeugter Neonazi.

Im Folgenden dokumentieren wir ausgewählte Ereignisse, bei denen Michael Meißner in der Vergangenheit im Zusammenhang mit den „Autonomen Nationalisten Oder Spree“ in Erscheinung trat.

Michael Meißner, im Vordergrund mit weißem Pullover und weißer Armbinde, als Ordner bei einem Neonaziaufmarsch am 27. März 2010 in Neuruppin.

Michael Meißner, im Vordergrund mit weißem Pullover und weißer Armbinde, als Ordner bei einem Neonaziaufmarsch am 27. März 2010 in Neuruppin.

Am 9. Juli 2011 versuchte Michael Meißner am Rande eines Neonaziaufmarschs in Neuruppin einen Fotografen anzugreifen. Links von ihm Marten Erlebach aus Frankfurt (Oder).

Am 9. Juli 2011 versuchte Michael Meißner am Rande eines Neonaziaufmarschs in Neuruppin einen Fotografen anzugreifen. Links von ihm Marten Erlebach aus Frankfurt (Oder).

In Teterow attackierte er am 05. März 2011 bei einem NPD Aufmarsch einen Kameramann des NDR. (Screenshot aus dem Video vom 5. März 2011 vom NDR-Magazin)

In Teterow attackierte er am 05. März 2011 bei einem NPD Aufmarsch einen Kameramann des NDR. (Screenshot aus dem Video vom 5. März 2011 vom NDR-Magazin)

Am roten Transpi: Michael Meißner (mitte) zusammen mit Marten Erlebach (links) und Martin Schlechte aus Eisenhüttenstadt (rechts), auf einer NPD Demonstration am 08. Mai 2010 in Brandenburg an der Havel. Die Vorgängerstruktur der „Autonomen Nationalisten Oder Spree“ hieß damals noch „Freundeskreis NS/OS“, setzte sich aber aus demselben Personenkreis zusammen.

Am roten Transpi: Michael Meißner (mitte) zusammen mit Marten Erlebach (links) und Martin Schlechte aus Eisenhüttenstadt (rechts), auf einer NPD Demonstration am 08. Mai 2010 in Brandenburg an der Havel. Die Vorgängerstruktur der „Autonomen Nationalisten Oder Spree“ hieß damals noch „Freundeskreis NS/OS“, setzte sich aber aus demselben Personenkreis zusammen.

Michael Meißner auf einem Sticker der „AN-OS“.

Michael Meißner auf einem Sticker der „AN-OS“.

Quellen

[1] Vgl. Pressemitteilung der autonomen antifa frankfurt (oder) vom 6.12.2011 auf http://www.inforiot.de.

Kommentare deaktiviert für “AN-OS” nun ohne Michael Meißner?
4th Dezember
2011
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In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember explodierte vor dem Haus Berliner Str. 24/Bergstr. 189 mit einem lauten Knall ein Feuerwerkskörper. Verursacher*innen waren offensichtlich drei Neonazis aus dem Umfeld der “Autonomen Nationalisten Oder-Spree” (ANOS), die bereits zwei Stunden zuvor (2 Uhr) die Eingangstür der Berliner Straße 24 angriffen und dabei neonazistische Parolen riefen. Sie wurden noch am Abend von der Polizei gestellt und mit auf die Wache genommen.

Zur gleichen Zeit fand auf dem Hinterhof im linksalternativen Freiraum „The Garage“ eine Electroparty statt. Verletzt wurde niemand. Die Angreifer*innen aus dem Umfeld der ANOS sind in der Vergangenheit schon des öfteren durch Einschüchterungsversuche gegenüber alternativen Jugendlichen in Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt aufgefallen und nahmen in letzter Zeit vermehrt die Räumlichkeiten des Utopia e.V. in den Fokus ihrer Aktivitäten.

Quelle: autonome antifa frankfurt (oder)

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5th Dezember
2010
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In den Nachtstunden vom 4. auf den 5. Dezember wurden erneut Graffitis mit faschistischem Inhalt in der Stadt gesprüht. Diesmal vor allem in der Nähe von Gleisanlagen (z. B. Bhf. Rosengarten) und direkt auf dem Hinterhof bzw. in unmittelbarer Umgebung eines von mehrheitlich linken bewohnten Mietshauses.
Gegen 03:40 Uhr hielt die Polizei einen grünen Golf an, in dem sich vier dunkel gekleidete Personen befanden. Bei näherer Untersuchung wurden frisch benutzte Spraydosen sichergestellt. Die vier Personen (18- 23 Jahre) sind der Polizei bereits aus früheren Straftaten bekannt. Die Beamten nahmen Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung auf. Der Staatsschutz übernahm die weiteren Ermittlungen. Weitere Graffitis wurden einen tag später in Müllrose festgestellt. Der Fahrer und Besitzer des grünen Golfs ist der bekannte Neonazi und selbst ernannte “Autonome Nationalist” Michael Meißner aus Eisenhüttenstadt.

Quelle: antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder), Polizei Frankfurt (Oder)

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22nd August
2010
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Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten fand am 16.August der Prozess gegen den jungen Frankfurter Neonazi Michael Hecke statt. Ihm wurde vorgeworfen am 1.Mai diesen Jahres einen Zivilpolizisten während eines Spontan-Aufzuges von rund 320 Neonazis auf dem Kurfürstendamm mit einer Fahnenstange geschlagen zu haben. Dabei erhielt der Geschädigte eine blutende Verletzung an der Unterlippe.
Ursprünglich waren die Neonazis unterwegs zur Bornholmer Strasse um an einem geplanten Aufmarsch teilzunehmen. Am S-Bahnhof Halensee verließen sie jedoch den Zug und waren unterwegs Richtung westlicher Innenstadt.

Michael Hecke (in schwarz) sowie weitere Neonazis (mit roten Bascaps) am 16. August vor dem Gerichtssaal.

Michael Hecke (in schwarz) sowie weitere Neonazis (mit roten Bascaps) am 16. August vor dem Gerichtssaal.

Vor dem Richter machte der zur Tatzeit 18-jährige keine Angaben zu den Geschehnissen. Vor dem Untersuchungsrichter während seiner U-Haft deutete er aber an, er wisse nicht genau ob er diese Tat begangen hätte und wenn ja, könne er sich daran nicht mehr erinnern. Diese nebulöse Aussage fand allerdings vor Gericht keine weitere Beachtung.
Der geschädigte Beamte konnte sich an den Täter ebenso nicht erinnern. Für ihn kam die Situation zu plötzlich.

Zur Klärung der Schuld des Frankfurters konnten schließlich nur die vorliegenden Foto- und Videoaufnahmen herangezogen werden. Auf diesen ist Michael Hecke, der zur Zeit bei einer Leiharbeitsfirma für die Solarfabrik „conergy“ tätig ist, deutlich an seiner markanten Kleidung zu erkennen. Er trug an diesem Tag ein Pali-Tuch, sowie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Todesstrafe für Kinderschänder“ und einen Eastpak-Rucksack. Zudem hielt er die Tatwaffe, eine zusammengerollte Fahne, in der Hand. All diese Gegenstände konnten bei der späteren Wohnungsdurchsuchung sichergestellt werden.
Obwohl sein Kleidungsstil nicht unüblich für die extrem rechte Szene ist, konnte auf den Videos und Fotos keine vergleichbar gekleidete Person erkannt werden. Somit stand für das Gericht und den Staatsanwalt die Schuld von Michael Hecke fest. Er wurde schließlich zu einer Jugendstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilt. Diese wurde zunächst für 4 Monate ausgesetzt. Nach dieser Zeit wird dann entschieden, ob der Frankfurter hinter Gitter muss oder sich bewähren darf.

Für diese Verurteilung wurde ein weiterer Fall mit einbezogen. So wurde Hecke bereits am 6.Mai 2009 wegen gemeinschaftlich schwerer Körperverletzung und Bedrohung vom Amtsgericht Eisenhüttenstadt zu einer Bewährungsstrafe von 1 ½ Jahren verurteilt. So habe er am 2.September 2008 mit einem Mittäter am Hauptbahnhof Frankfurt (Oder) grundlos eine Person zusammengeschlagen und schwer verletzt. Weitere drei Fälle aus den Jahren 2008 und 2009 sind bekannt.

Auch als Neonazi ist er kein Unbekannter. So fiel er schon des öfteren bei Fussbalspielen im Umkreis der FCV-Hooligans auf. Ausserdem beteiligte er sich zusammen mit anderen Neonazis aus der Region an rechten Aufmärschen.

Michael Hecke hinter dem Transpi der Kameradschaft NS/OS am 5. Dezember 2009 auf einer Nazi-Demo in Königs Wusterhausen.

Michael Hecke hinter dem Transpi der Kameradschaft NS/OS am 5. Dezember 2009 auf einer Nazi-Demo in Königs Wusterhausen.

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