Posts Tagged ‘Freie Kräfte’

22nd August
2016
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Seit geraumer Zeit organisiert sich im Zuge der rassistischen Mobilisierungen in Frankfurt (Oder) eine Gruppe junger Faschist*innen. Ihr offener nationalsozialistischer Habitus drückt sich sowohl auf ihren Facebookseiten als auch im öffentlichen Raum aus.
Die etwa 10-köpfige Personenkreis fiel in der Vergangenheit mehrmals durch Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber von ihnen als nicht-Deutsch und links eingeordneten Personen, besonders im Stadtzentrum, auf. Beliebter Treffpunkt war bis vor kurzem der Platz vor dem Kaufland im Stadtzentrum. Nach einem Alkoholverbot für diesen Ort wichen sie auf andere Orte in der Stadt aus. Von einem dieser Orte, direkt gegenüber des alten Theaters, ging auch der rassistische Angriff vom 23. Mai diesen Jahres aus, als mehrere Rassist*innen Menschen mit Migrationshintergrund jagten und angriffen.[1]
Einer der Auffälligsten der jungen Faschist*innen ist der 18-jährige Romano Gosda, welcher derzeit eine Ausbildung in Frankfurt (Oder) absolviert.
Gosda ist Teil des Personenkreises junger Neonazis die sich seit über einem Jahr vermehrt bei Veranstaltungen der flüchtlingsfeindlichen Gruppierung „Frankfurt/Oder wehrt sich“ beteiligen. Er war bereits bei dem ersten Aufmarsch am 17.01.2015 dabei.[2] Insbesondere bei den letzten Neonazi-Demonstration in der Oderstadt übernahm er Ordner*innenfunktion[3] und stand mit in der ersten Reihe.

Bei jedem Aufmarsch mit Fahne dabei: Am 30. Juli 2016 demonstrieren Neonazis und RassistInnen in Berlin. Woie zuletzt am 7. Mai waren auch wieder Frankfurter Neonazis dabei. U.a. Romano Gosda (mit schwarzer Fahne). (Quelle: apabiz)

Auf dem Weg zu einem geschlossenen rechten Weltbild

Bei einem näheren Blick auf das Facebook-Profil von Gosda[4] wird schnell klar, dass er sich in einer eindeutig neonazistischen Lebenswelt eingerichtet hat. Rassistische Freund*innen und Kommentare, Rechtsrock sowie rassistische Facebook-Gruppierungen und Neonazi-Kameradschaften, die er unter seinen „Gefällt mir“-Angaben führt verdeutlichen dies.[5] Seine Liebe zu dem rechtsterroristischem Netzwerk „Blood&Honour“ und dessen Gründer Ian Stuart zeigt er ebenfalls auf seiner Seite.[6] Neben einschlägig bekannten Neonazi-Bands, wie Screwdriver, Makks Damage oder den Liedermacher Frank Rennicke[7] zählen jedoch auch einige P.o.C.-Musiker*innen zu seinen Favouriten.

Was gerade so „in“ ist: Romano Gosda hört so alles gern, was so ein Neonazi heutzutage gerne hört. (Quelle: facebook)

Wirft man einen genaueren Blick auf seine Beiträge und geteilten Bilder fällt auf, dass Gosda besonders mit der extrem rechten Partei „Der III. Weg“ sympathisiert.[8]
So war es auch kein Zufall, dass Gosda zusammen mit anderen Frankfurter Neonazis, u.a. Dennis Kunert, Manuel Danowski, Justin Dominik Kleiner, Jessica Kautz und Patrick Fertig am 1. Mai 2016 an der zentralen Demonstration der Partei ins sächsische Plauen gereist ist.[9] Franziska und Peer Koss, mit denen die jungen Neonazis regelmäßig unterwegs sind trugen bzw. tragen mit ihren rassistischen Aufmärschen in der Region wesentlich zur Politisierung der jungen Rassist_innen bei. Besonders Peer Koss, der Fördermitglied des „III. Weg“ ist, führt sie immer mehr an die Parteistrukturen heran.
Die in der Stadt vermehrt auftauchende Propaganda der Partei in Form von Stickern, sind ebenfalls auf die Gruppe um Gosda zurückzuführen.[10]

Wer war das wohl? Gosda teilt auf seiner facebook-Seite einen Chronik-Eintrag der rechrechegruppe. (Quelle: facebook)

Gosda trägt seinen gewaltbereiten Habitus, zumindestens auf seinem Facebookprofil, unmissverständlich nach außen. So drohte er mit Gewalt gegen Antifaschist*innen, weil diese bereits über ihn berichteten.[11] Die Selbstinszenierung als gewaltbereiter „Autonomer Nationalist“ und Anti-Antifa zieht sich durch seinen rassistischen Freund*innenkreis und ist verbindendes Element eben dieses Personenkreises. Von ihnen gehen auch Pöbeleien und Bedrohungen gegen politische Gegner*innen und Menschen, die sie als nicht-deutsch verstehen, aus.
Nachdem Übergriff auf eine Gruppe Asylsuchender und Migrant*innen am 23. Mai, solidarisierte sich eine Kundgebung von rund 150 Personen mit den Betroffenen rechter Gewalt.[12] Am Rande versuchte eine 20-köpfige Gruppe die Veranstaltung erfolglos zu stören. Gosda, aber auch Dennis Kunert, Peer Koss und andere stadtbekannte Neonazis gebahrten sich gewaltbereit und gröhlten die bekannten inhaltsleeren Sprechchöre wie „Antifa Hurensöhne“ und „Ha Ha Antifa“. Ziel der Kundgebung war nicht eine anknüpfungsfähige rechte Politik auf die Straße zu bringen, sondern vielmehr ihr geschlossenes neonazistisches Weltbild zu propagieren. Gosda war zuvor mit etwa zehn weiteren Personen im Stadtgebiet unterwegs, dabei trug er bereits die schwarze Fahne mit Aufdruck „Frankfurt/O.“, die er in der Vergangenheit immer wieder auf extrem rechten Aufmärschen mit sich führte.[13]

Vergewaltigungsphantasien: Was Gosda und seine Freunde geren mit Antifaschist_innen machen würden zeigen sie gerne auf ihren facebook-Profilen. (Quelle: facebook)

Rechte Organisierung in Frankfurt (Oder)

Die Frankfurter Neonaziszene kann auf einen harten Kern von etwa 20-30 Personen reduziert werden, von denen der größte Teil am 03. Juni auch auf der rechten Gegenkundgebung anzutreffen war. Gosda gehört seit 2015 eindeutig zu diesem Kern. Mehrere gruppenstiftende Beiträge auf Facebook lassen den Personenkreis nicht nur auf der Straße, sondern auch virtuell überblicken. Mittlerweile kursieren verschiedenste Labels, mit denen sich Gosda und andere Neonazis identifizieren. Neben einem Banner in Blood & Honour – Ästhetik mit der Aufschrift „Kameradschaft Frankfurt Oder“ benannten sich unter anderem Peer und Franziska Koss, Dennis Kunert, Jessica Kautz, Maria Zupp, Michael Hecke und eben Romano Gosda in „Junge Nationalisten Frankfurt (Oder)“ um.

Wunschdenken: Gerne würde Gosda wieder eine neue Kameradschaft aufbauen. Bislang geling dies nur virtuell. (Quelle: facebook)

Von der sogenannten „Kameradschaft Frankfurt (Oder)“[14] und den „Jungen Nationalisten Frankfurt (Oder)“[15] sind abgesehen von Sprühereien keine Aktivitäten unter diesen Labels bekannt. Trotz der lediglichen virtuellen Organisierung sind derartige identitätsstiftende Momente Ausdruck davon, dass es in Zukunft ernsthafte Bestrebungen geben könnte eine neue Neonazi-Gruppierung in Frankfurt (Oder) zu etablieren. So oder so, Romano Gosda ist bereits Teil der örtlichen neonazistischen Szene und eine Neuorganisierung Frankfurter Neonazis würde seine fortschreitende Radikalisierung weiter begünstigen.


Quellen:

1 Vgl. u.a. Der Spiegel: Attacke auf Ausländer in Frankfurt an der Oder: Jubelnde stammen offenbar aus rassistischer Trinkerszene, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/frankfurt-an-der-oder-jubelnde-rassisten-kamen-aus-der-trinkerszene-a-1094081.html, abgerufen am 13. Juni 2016.

2 Vgl. https://www.flickr.com/photos/pressedienst_frankfurt-oder/15689106934/in/album-72157649950235228/ , Gosda mit grauer Jacke mittig im Bild.

3 Vgl., https://www.facebook.com/photo.php?fbid=196410274051422&set=a.146363329056117.1073741829.100010473523872&type=3, Post von Romano Gosda: 21.02.2016 um 19:50 Uhr, abgerufen am 18.Juni 2016.

4 Vgl. https://www.facebook.com/romano.gosda?fref=pymk, abgerufen am 18.Juni 2016.

5 Vgl. https://www.facebook.com/romano.gosda/likes, abgerufenam 18.Juni 2016.

6 Vgl. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=662221777248864&set=pb.100003831429359.-2207520000.1466332702.&type=3&size=960%2C807, abgerufen 18.Juni 2016.

7 Vgl. https://www.facebook.com/romano.gosda/music, eingesehen am 18.Juni 2016.

8 Vgl. u.a. Antifaschistisches Infoblatt: „Der III. Weg“. Ein Produkt der Krise des „Nationalen Widerstandes“?, https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Eder-iii-weg%E2%80%9C, abgerufen am 13. Juni 2016.

9 Vgl. Antifaschistische Recherchegruppe Frankfurt (Oder): 1. Mai in Plauen: „III. Weg“-Aufmarsch mit Frankfurter Beteiligung, https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2016/05/12/1-mai-in-plauen-iii-weg-aufmarsch-mit-beteiligung-frankfurter-beteiligung/.

10 Gosda teilt einen diesbezüglichen Artikel der Recherchegruppe Frankfurt (Oder), Vgl. https://www.facebook.com/romano.gosda, Beitrag vom 13.03.2016, eingesehen am 18.Juni 2016.

11 Vgl. Antifaschistische Recherchegruppe Frankfurt (Oder): Alte Feindschaften, neue Allianzen und schärfere Töne – Zu den aktuellsten Entwicklungen der rassistischen Mobilisierung in Frankfurt (Oder), https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2016/03/04/1271/.

12 Vgl. Der Oderlandspiegel: Kundgebung gegen Fremdenhass und rassistische Gewalt, http://www.der-oderlandspiegel.de/index.php?id=25&tx_ttnews%5Btt_news%5D=6091&cHash=89fd53f340, abgerufen am 13. Juni 2016.

14 Mehrere Frankfurter Nazis (u.a. Peer Koss, Franziska Koss, Dennis Kunert, Remo Kuschel, Dennis Kunert, Romano Gosda, Thomas Hecke) haben als Banner ihrer Facebookseiten den Schriftzug „Kameradschaft Frankfurt (Oder)“ im Blood&Honour-Style, Vgl. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=743205132488413&set=a.208969249245340.52104.100003967987669&type=3&theater.

15 Vgl. Vgl. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1727400414174672&set=o.75305245812, abgerufen am 22.Mai 2016.

Kommentare deaktiviert für #2 | Romano Gosda – Verstrickungen eines jungen Neonazis
12th Mai
2016
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Am 1. Mai demonstrieren traditionell extrem rechte Parteien, um den Tag die deutschen Arbeiter zu feiern, den die Nationalsozialisten 1933 als nationalen Feiertag eingeführt haben.[1] Zum diesjährigen „Tag der Arbeit“ mobilisierte u.a. die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ zu einem bundesweiten Aufmarsch ins vogtländische Plauen. Etwa 1.000 Neonazis kamen dann auch aus nahezu dem gesamten Bundesgebiet nach Sachsen, um gegen Kapitalismus und für einen deutschen Sozialismus zu demonstrieren (dass sich hinter diesen Parolen keine emanzipatorischen oder egalitären Ansätze verbergen, sollte klar sein).[2] Obwohl die Partei noch recht jung ist und nur wenige hundert Mitglieder bundesweit besitzt, war der diesjährige Aufmarsch der größte am 1. Mai in 2016. Bereits im vergangenen Jahr konnte „Der III. Weg“ die meisten Neonazis für ihren Aufmarsch in Saalfeld gewinnen.[3] Angemeldet wurde der Aufmarsch von Tony Gentsch, stellvertretender Leiter des Gebietsverband „Mitte“, zu dem, mit Ausnahme Mecklenburg-Vorpommerns, alle neuen Bundesländern sowie Berlin gehören.[4] Der im uckermärkischen Angermünde wohnende Matthias Fischer, Leiter des selbigen Gebietsverbands, war die zweite zentrale Person an diesem Tag.
Den ebenfalls bundesweiten Aufmarsch der NPD in Schwerin folgten lediglich 400 Menschen.[5] Weitere Versammlungen der Partei mit weit weniger Resonanz fanden in Bochum (180), Wurzen (80) und Berlin (50) statt.[6] Die vor allem in Nordrhein-Westfalen aktive Neonazi-Partei „Die Rechte“ mobilisierte in die thüringische Landeshauptstadt Erfurt; dort kamen 250 Neonazis zusammen.[7]

Immer den "III. Weg": Peer Koss (mitte) auf der 1. Mai-Demonstration der neonazistischen Kleinstpartei in Plauen. Links von ihm Jessica Kautz (mit Flasche). Rechts seine Frau Franziska (rote Haare). (Photo: Presseservice Rathenow)

Immer den „III. Weg“: Peer Koss (mitte) auf der 1. Mai-Demonstration der neonazistischen Kleinstpartei in Plauen. Links von ihm Jessica Kautz (mit Flasche). Rechts seine Frau Franziska (rote Haare). (Photo: Presseservice Rathenow)

Frankfurter Neonazis auch in Plauen

Unter den angereisten Neonazis waren auch auffallend viele aus Brandenburg.[8] Neben den beiden Landkreisen Uckermark und Potsdam-Mittelmark, in denen „Der III. Weg“ bereits Stützpunkte aufgebaut hat, waren auch Anhänger aus anderen Regionen erschienen. Darunter waren auch bekannte Neonazis aus Frankfurt (Oder) und dem angrenzenden Landkreis Oder-Spree. Laut Beobachter_innen ist von mindestens elf Neonazis aus der Region Frankfurt (Oder) auszugehen, die nach Plauen anreisten. Neben Peer und Franziska Koss, beide OrganisatorInnen der extrem rechten Gruppen „Frankfurt/Oder wehrt“ und „Beeskow wehrt sich“, waren dies vor allem jüngere Neonazis. Zu ihnen gehörten Dennis Kunert, Romano Gosda, Manuel Danowski, Justin Dominik Kleinert und Patrick Fertig, aber auch der bereits bei den sogenannten „Autonomen Nationalisten Oder-Spree“ (ANOS) aktiv gewesene Martin Schlechte[9] sowie Jessica Kautz. Die Fleischereiverkäuferin aus Frankfurt (Oder) gehörte beim hiesigen Neonaziaufmarsch am 1. November 2015 zu den EinpeitscherInnen und gab für die TeilnehmerInnen die Parolen vor.[10] Gemeinsam liefen sie im mittleren Block zusammen mit weiteren Neonazis aus Brandenburg. Gosda trug zudem eine in neonazistischen Kameradschaften verbreitete schwarzen Fahne mit der kleinen Aufschrift „Frankfurt/O.“, was eine regionale Zuordnung für Außenstehende deutlich machte. Allen gemeinsam ist ihre regelmäßige Teilnahme an den rassistischen Aufmärschen von „Frankfurt/Oder wehrt sich“, die seit Januar 2015 insgesamt sieben Mal in der Oderstadt stattfanden.[11] Dass sie sich nun in größerer Gruppe an der zentralen „III. Weg“-Demonstration beteiligten, ist da nur folgerichtig. So gehörte die Neonazi-Partei, die in Brandenburg bislang vor allem von Maik Eminger geführt wurde, von Anfang an zu den Unterstützern der Frankfurter Aufmärsche. Anfangs noch bedeckt, wurden sie im zunehmenden Maße präsenter. Immer wieder reisten auch AktivistInnen aus dem Stützpunkt Potsdam/Mittelmark an.[12] Zu ihnen gehört auch Pascal Stolle. Das ehemalige NPD-Mitglied, welches Anfang letzten Jahres zum „III. Weg“ wechselte, gehört zu den regelmäßigen RednerInnen auf den extrem rechten Veranstaltungen in Frankfurt und ist inzwischen auch nach Eisenhüttenstadt gezogen. Auch er war in Plauen anwesend, lief aber getrennt von den übrigen BrandenburgerInnen im ersten Block.

Tatkräftige Hilfe beim Aufbau von Strukturen

Die Unterstützung des „III. Weg“ von Anti-Asylprotesten, zu dem sie auch einen Leitfaden verfasst hat,[13] zielte auch auf eine weitere Rekrutierung von ParteianhängerInnen ab. Dies scheint bei den TeilnehmerInnen der Frankfurter und Beeskower Aufmärsche Früchte getragen zu haben. Seit der ersten großen Kundgebung der neonazistischen Partei am 21. Februar 2015 in Eisenhüttenstadt nahm Peer Koss regelmäßig an ihren Veranstaltungen teil.[14] Er gehörte zu den TeilnehmerInnen der Mobilisierungsveranstaltungen in Beelitz und Brück (beide Potsdam-Mittelmark) zum Aufmarsch am 1. Mai;[15] ebenso war er bei der Vorstellung des „III. Weg“ durch Matthias Fischer in Beeskow im März diesen Jahres dabei.[16] Peer und seine Frau Franziska sind inzwischen Mitglieder geworden und trugen ihre Parteizugehörigkeit am 1. Mai in Plauen auch offen zu Schau.

Bald ein neuer Stützpunkt im Oderland?: "III. Weg"-Kader Matthias Fischer stellt die Arbeit seiner Partei im März in Beeskow vor. (Photo: der-dritte-weg.info)

Bald ein neuer Stützpunkt im Oderland?: „III. Weg“-Kader Matthias Fischer stellt die Arbeit seiner Partei im März in Beeskow vor. (Photo: der-dritte-weg.info)

Mit dem „III. Weg“-Kader Pascal Stolle als regelmäßiger Redner und der regelmäßigen Teilnahme des „III. Weg“ an der Neonaziaufmärschen in der Region gelangt es der extrem rechten Partei, neue AnhängerInnen zu finden. Mit der Mitgliedschaft der beiden HauptorganisatorInnen der Versammlungen von „Frankfurt/Oder wehrt sich“ und „Beeskow wehrt sich“ werden diese in Zukunft noch stärker an der Politik der Partei ausgerichtet sein. Es bleibt nur noch eine Frage der Zeit, bis sich nach den Stützpunkten Potsdam/Mittelmark, Mittelmark (Havel) und Uckermark ein vierten Stützpunkt auch im Oderland gründen wird. Für die immer weiter schwächelnden NPD in Brandenburg wird sie damit zunehmend zur Gefahr. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass bekannte NPD-Kader die Teilnahme an dem parteieigenen Aufmarsch im näheren Schwerin der „III. Weg“-Demonstration im fernen Plauen vorzogen.[17]

Quellen

1 Vgl. Gesetz über die Einführung eines Feiertags der nationalen Arbeit, http://www.verfassungen.de/de/de33-45/feiertag33.htm, abgerufen am 3. Mai 2016.

2 Vgl. arbeiterkampftag.info, abgerufen am 3. Mai 2016.

3 Vgl. Witzgall, Thomas: 1.Mai in Saalfeld: Unverantwortliche Polizeistrategie im Umgang mit dem größten Neonazi-Aufmarsch des Tages. In: Endstation Rechts. Bayern, https://www.endstation-rechts-bayern.de/2015/05/1-mai-in-saalfeld-unverantwortliche-polizeistrategie-im-umgang-mit-dem-groessten-neonazi-aufmarsch-des-tages/, abgerufen am 3. Mai 2016.

4 Vgl. „Der III. Weg“: Gebietsverband „Mitte“ der Partei „Der III. Weg“ gegründet!, http://www.der-dritte-weg.info/index.php/menue/1/thema/69/id/6062/akat/1/infotext/Gebietsverband_Mitte_der_Partei_Der_III._Weg_gegruendet/Politik_Gesellschaft_und_Wirtschaft.html, abgerufen am 3. Mai 2016.

5 Vgl. Freiers, Horst: NPD: Bedingungsloser Wahlkampf. In Blick nach Rechts,
http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/npd-bedingungsloser-wahlkampf, abgerufen am 3. Mai 2016.

6 Vgl. Presseservice Rathenow: Nachbetrachtung des 1.Mai: ‪‎Brandenburger‬ ‪Neonazis‬ zog es vor allem ins sächsische ‪‎Plauen‬. In: inforiot.de, http://www.inforiot.de/nachbetrachtung-des-1-mai-%E2%80%AA%E2%80%8Ebrandenburger%E2%80%AC-%E2%80%AAneonazis%E2%80%AC-zog-es-vor-allem-ins-saechsische-%E2%80%AA%E2%80%8Eplauen%E2%80%AC/, abgerufen am 3. Mai 2016.

7 Ebenda.

8 Ebenda.

9 Vgl. antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder): Neonazistische Jugendkultur im Wandel am Beispiel der “Autonomen Nationalisten Oder-Spree”, https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2012/05/19/neonazistische-jugendkultur-im-wandel-am-beispiel-der-autonomen-nationalisten-oder-spree/.

10 Vgl. inforiot.de: Braunes Wochenende in Brandenburg, http://www.inforiot.de/braunes-wochenende-in-brandenburg/, sowie Pressedienst Frankfurt (Oder): Bild 19, https://www.flickr.com/photos/pressedienst_frankfurt-oder/22064405754/in/album-72157660679120421/, beide abgerufen am 3. Mai 2016.

11 17. Januar, 14. Februar, 25. April, 25. Juli, 3. Oktober, 1. November (alle 2015), sowie am 20. Februar 2016. Vgl. hierzu auch die Artikel auf inforiot.de und recherchegruppeffo.noblogs.org.

12 Vgl. antifaschistische recherchegruppe frankfurt (oder): „Frankfurt (Oder) wehrt sich“ mit dem „III. Weg“, https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2015/05/21/frankfurt-oder-wehrt-sich-mit-dem-iii-weg/.

13 Vgl. „Der III. Weg“: KEIN ASYLANTENHEIM IN MEINER NACHBARSCHAFT! Wie be- bzw. verhindere ich die Errichtung eines Asylantenheims in meiner Nachbarschaft. Bad Dürkheim, Stand 08/2015.

14 Vgl. Pressedienst Rathenow: Eisenhüttenstadt: Aufmarsch von III. Weg, NPD und „Freien Kräften“, http://www.inforiot.de/eisenhuettenstadt-militante-neonazis-hetzten-gegen-asylsuchende/, abgerufen am 3. Mai 2016.

15 Vgl. Pressedienst Rathenow: Beelitz / Brück: Neonazis mobilisierten für Aufmarsch am 1. Mai, http://www.inforiot.de/beelitz-brueck-neonazis-mobilisierten-fuer-aufmarsch-am-1-mai/, abgerufen am 3. Mai 2016.

16 Vgl. „Der III. Weg“: Parteivorstellung im Raum Beeskow, http://www.der-dritte-weg.info/index.php/menue/1/thema/69/id/6279/akat/1/infotext/Parteivorstellung_im_Raum_Beeskow/Politik_Gesellschaft_und_Wirtschaft.html, abgerufen am 3. Mai 2016.

17 Vgl. Presseservice Rathenow: Nachbetrachtung des 1.Mai: ‪‎Brandenburger‬ ‪Neonazis‬ zog es vor allem ins sächsische ‪‎Plauen‬. In: inforiot.de, http://www.inforiot.de/nachbetrachtung-des-1-mai-%E2%80%AA%E2%80%8Ebrandenburger%E2%80%AC-%E2%80%AAneonazis%E2%80%AC-zog-es-vor-allem-ins-saechsische-%E2%80%AA%E2%80%8Eplauen%E2%80%AC/, abgerufen am 3. Mai 2016.

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12th August
2010
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Die Kameradschaft „Märkisch-Oder-Barnim“ (KMOB) hatte für diesen Sommer ihre Kameraden zu einem großen Demomarathon quer durch mehrere Städte Nordost-Brandenburgs gerufen. Vom 29.Mai bis zum 10.Juli sollte an jedem Wochenende ein Aufmarsch stattfinden. Letztendlich konnten von den geplanten sieben Demonstrationen nur eine einzige stattfinden. Noch vor ihrem letzten Aufmarsch löste sich die KMOB auf. Denn es drohte ein mögliches Verbot durch das Brandenburger Innenminsiterium. Der Aufmarsch in Manschnow (10.Juli) wurde abgesagt.[1] Auslöser hierfür waren Hausdurchsuchungen in mehr als 20 Objekten in Berlin und Brandenburg am Morgen des 2.Juli bei denen Propagandamaterial und über 300 Waffen sichergestellt wurden.[2] Vorausgegangen waren zahlreiche Proteste des zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Brandenburg – Nazifrei“. In diesem haben sich zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen zusammengeschlossen und erfolgreich die Aufmärsche gestört und blockiert [3].

Michael Meißner am 29.Mai in Bernau.

Michael Meißner am 29.Mai in Bernau.

Interssant bei diesen eher kleinen Demonstrationen, die jediglich zwischen 70 bis 110 Faschist_innen auf die Strasse bringen konnten, war die Anwesenheit Oderländer Neonazis aus verschiedenen Störmungen innerhalb der extrem rechten Szene. Neben Einzelpersonen ohne feste Gruppenzugehörigkeit waren Personen aus dem Umfeld der FCV-Hooligans und der Kameradschaft „Freundeskreis NS/OS“ zu beobachten.

In Bernau bei Berlin, wo am 29.Mai der erste Aufmarsch der KMOB stattfinden sollte versammelten sich insgesamt rund 90 Neonazis.[4] Teilgenommen haben unter anderem fünf, als „Bahnhofs-Nazis“ bekannte Faschist_innen, die des öfteren am Hauptbahnhof von Frankfurt (Oder) anzutreffen sind. Dort fallen sie hauptsächlich durch Bier trinken und pöbeln auf, das nicht selten beim türkischen und asiatischen Imbiss. Auf Aufmärschen sind sie bislang noch nicht in Erscheinung getreten. In Strausberg nahm auch der mehrfach vorgestrafte Mario Schreiber (27) sowie mindestens eine aus dem FCV-Umfeld bekannte Person teil.

Stefan Schulz (mitte, mit Bauchtasche; am 29. Mai 2010 auf einer Neonazidemonstration in Bernau b. Berlin).

Stefan Schulz (mitte, mit Bauchtasche; am 29. Mai 2010 auf einer Neonazidemonstration in Bernau b. Berlin).

Mario Schreiber (rechts) zusammen mit einem bekannten Hooilgan des FCV (mit Sonnenbrille) in Strausberg am 12.Juni.

Mario Schreiber (rechts) zusammen mit einem bekannten Hooilgan des FCV (mit Sonnenbrille) in Strausberg am 12.Juni.

Neben diesen, in beiden Städten als Einzelpersonen ohne Gruppenzugehörigkeit angereisten Personen nahm eine, in der letzten Zeit häufiger in den Fokus der Recherchegruppe geratenen Gruppe teil. Es handelt sich um die aus dem Raum Eisenhüttenstadt/Frankfurt stammende Kameradschaft „Freundeskreis NS/OS“, die schon seit einiger Zeit auf Aufmärschen in ganz Ostdeutschland mit ihren Transparenten anzutreffen ist. Wie auch viele andere Kameradschaften geben sie sich betont militant und bezeichnen sich selbst als sogenannte „Autonome Nationalisten“ bzw. „Nationale Sozialisten“.

Auch in Strausberg eine Enttäuschung erlebt: Marten Erlebach.

Auch in Strausberg eine Enttäuschung erlebt: Marten Erlebach.

In Bernau, Bad Freienwalde (12.Juni) aber auch in Strausberg am 19.Juni beteiligten sie sich an den Aufmärschen. Bei der kurzfristig abgesagten Demo die in Eberswalde am 6.Juni stattfinden sollte, reisten sie stattdessen nach Hildesheim.
Zu den wichtigsten Protagonisten dieser Kameradschaft zählen Michael Meißner (23) aus Eisenhüttenstadt und der 20jährige Marten Erlebach aus Frankfurt. Letzterer scheint ebenfalls Kontakte zur NPD zu besitzen. So hängte er zusammen unter anderen mit Lars Beyer und Frank Odoy von der NPD Oderland im vergangenen Jahr Wahlplakate in der Oderstadt auf [5] oder besuchte mit der Vorsitzenden der NPD Oderland Manuela Kokott die Kameradschaftsdemo in Berlin am 10.Oktober 2009.

Über den „Freundeskreis NS/OS“ sowie die sogenannten „Autonomen Nationalisten“ in der Region werden wir in Zukunft noch einamal ausführlicher berichten. Denn auch in Frankfurt (Oder) konnten in den letzten Monaten vermehrt Aktivitäten beobachtet werden.

Quellen

1 http://www.inforiot.de/artikel/kmob-loest-sich-auf
2 http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/mehr-als-300-waffen-bei-neonazis-gefunden/1873596.html;jsessionid=4BE82079C2B5CB0DAD26F9BA7743DD34?
3 http://www.brandenburg-nazifrei.de
4 http://inforiot.de/artikel/bernau-bleibt-nazifrei
5 https://recherchegruppeffo.noblogs.org/post/2009/09/15/npd-haengte-wahlwerbung-in-frankfurt/

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9th Dezember
2009
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Erneut haben sich mehrere Frankfurter an einer neonazistischen Demonstration beteiligt. Dazu reisten sie am 10.Oktober nach Berlin. Der von dem ehemaligen Mitglied der verbotenen „Kameradschaft Tor“ Sebastian Schmidtke initiierte Aufzug stand unter dem unmissverständlichen Motto „Vom nationalen Widerstand zum nationalen Angriff – Damals wie heute – Kampf der Rotfront“.
Anlass der Demonstration war ein Angriff auf die als Sturmlokal bekannte Szenekneipe „Zum Henker“ in Berlin-Niederschöneweide am voraus gegangenen Wochenende. Während die Neonaziszene versuchte die Attacke Antifaschist_innen zuzuschreiben und damit für sich nutzbar zu machen, ergaben die Ermittlungen der Polizei ein ganz anderes Bild. In der Pressemeldung der Berliner Polizei, die die vermeintlichen Täter inzwischen ermitteln konnte, heisst es, diese hätten aus Rache gehandelt da ihnen zuvor der Einlass zum Lokal verwehrt wurde. Sie hätten nicht aus politischer Motivation gehandelt und wären auch nicht „der linken Szene zuzurechnen.“
Die ca. 750 Teilnehmer_innen der Demonstration waren vor allem dem Spektrum der sogenannten „Autonomen Nationalisten“ zuzuordnen, die an der nationalsozialistischen Ideologie festhalten und Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus propagieren. Entsprechend aggressiv war das Auftreten der überwiegend schwarz gekleideten Teilnehmer_innen des Zuges, in dem auch Mitglieder der kürzlich verbotenen Kameradschaft “Frontbann 24” mitliefen. Journalist_innen wurden bei ihrer Arbeit bedrängt und bedroht. Namen von vermeintlichen Antifaschist_innen wurden über den Lautsprecherwagen der Neonazis verlesen und zur gezielten Gewalt gegen diese aufgerufen. Mehrere der Frankfurter Neonaziszene zuzurechnende Personen waren zur Teilnahme an dem Aufzug nach Berlin gereist. In dem Zug liefen u.a. Martin Wilke,Willi Muchajer und Mario Schreiber. Insgesamt beteiligten sich knapp 10 Personen aus Frankfurt (Oder) an der Demonstration.

Quellen

Fotos von [recherche ost]

 Frankfurter auf der Demonstration. U.a. im Bild: Martin Wilke (links mit Sonnenbrille), Willi Muchajer (rechts oben mit blauer Harrington-Jacke).


Frankfurter auf der Demonstration. U.a. im Bild: Martin Wilke (links mit Sonnenbrille), Willi Muchajer (rechts oben mit blauer Harrington-Jacke).

Fotografieren Nazigegner_innen am Rande des Zuges: Stefan Schulz (links) und Mario Schreiber (Camouflage-Jacke).

Fotografieren Nazigegner_innen am Rande des Zuges: Stefan Schulz (links) und Mario Schreiber (Camouflage-Jacke).

Mario Schreiber mit Stefan Schulz (Mitte).

Mario Schreiber mit Stefan Schulz (Mitte).

Martin Wilke (mit Tetra-Pak) mit Begleitung.

Martin Wilke (mit Tetra-Pak) mit Begleitung.

Willi Muchajer alias „Big Will“.

Willi Muchajer alias „Big Will“.

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10th April
2008
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Alle Jahre wieder kommt es in Dresden um den 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung, zu einem der größten europäischen Neonaziaufmärsche. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde Dresden zur „Hauptstadt der (rechten) Bewegung“ deklariert. Das ungeheure Potential, mit rechten Inhalten an das Gedenken der Dresdener Bürger anzuknüpfen, wollten sich die Neonazis nicht entgehen lassen. Mittlerweile hat sich der Neonaziaufmarsch zur größten überregionalen Veranstaltung der rechtsradikalen Szene Deutschlands gemausert. 2005 erreichten die Neonazis mit ca. 7000 TeilnehmerInnen bislang ihr Mobilisierungsmaximum.

Jedes Jahr nehmen auch Frankfurter Neonazis an dem Aufmarsch der Rechten teil. In diesem Jahr waren Personen beteiligt, die dem harten Kern der rechten Hooligangruppierung „FCV“ angehören. Von ihnen ist v.a. Andreas Bressel als langjähriger aktiver Neonazi bekannt. Schon im März 1999 wurde bei ihm bei einer Hausdurchsuchung ein Papier gefunden, das zur Bildung einer freien Kameradschaft unter dem Namen „SA Sturm Frankfurt“ aufrief.[1] Andreas Bressel nimmt seit mehreren Jahren regelmäßig an Neonaziaufmärschen teil, hat Ende der 90er Jahre relativ erfolglos versucht, Demonstrationen anzumelden, war im „Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Mitteldeutschland“ (NSAM) aktiv und verfügt inzwischen über umfangreiche Kontakte in die bundesdeutsche Neonazi- und Hooligansszene. Neben ihm nahmen auch mehrere jüngere FCVler teil. Christian Brendel, Christoph Büttner und Benjamin Richter beteiligten sich erstmals an dem Neonzaiaufmarsch in Dresden.

Quelle

[1] Hinter den Kulissen … Faschistische Aktivitäten in Brandenburg – Update `99

Kommentare deaktiviert für Same procedure as every year – Frankfurter Neonazis beim Dresdener „Trauermarsch“
3rd März
2007
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Anlässlich des Volkstrauertages wollte die deutsche Neonaziszene wie in den vergangenen Jahren im November 2006 am Soldatenfriedhof im Brandenburgischen Halbe aufmarschieren. Nach einem Rechtsstreit konnte sie jedoch nur eine Kundgebung durchsetzen. So wichen sie für ihre Demonstration in die Kleinstadt Seelow aus. Zahlreiche Nazis nutzten zur Anreise den Weg über Frankfurt (Oder) und spielten mit der überforderten Polizei Katz und Maus.

Für den 18. November 2006 hatte der neonazistische “Freundeskreis Halbe e.V.” erneut zu einem der bundesweit größten Aufmärsche der Szene nach Halbe geladen. Dort wo die letzten Wehrmacht-Truppen völlig sinnlos in einer Kesselschlacht gegen die übermächtige Rote Armee kämpften, treffen sich jedes Jahr im Frühling und Herbst mehrere tausend Neonazis zum “Heldengedenken” an die NS-Armeen.
Doch diesmal ließ das Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) – letztlich bestätigt durch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg – nur eine Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe zu.
Damit wollte sich der „Freundeskreis Halbe e.V.“ nicht zufrieden geben. Die Neonazis suchten nun nach einem alternativen Aufmarschort mit ähnlicher historischer Bedeutung.
Gefunden haben sie ihn in der Kreisstadt Seelow in Märkisch-Oderland, etwa 35km nördlich von Frankfurt (Oder). Auch hier auf den Seelower Höhen fand eine weitere völlig sinnlose Schlacht statt, welche die Eroberung Berlins und somit den Sieg über Deutschland nur um wenige Tage verzögerte. Der Aufmarsch in Seelow wurde durch den Hamburger Neonazi Christian Worch angemeldet.
Während sich beim “Tag der Demokraten” in Halbe nach Angaben der VeranstalterInnen bis zu 8.000 Menschen versammelten, um ein Zeichen für Weltoffenheit zu setzen, machten sich rund 1000 Neonazis ungestört auf den Weg nach Seelow. Aufgrund seiner Lage avancierte Frankfurt (Oder) zum Schleusungspunkt mehrerer hundert Rechtsextremisten.
Bereits am frühen Vormittag waren etliche Neonazi-Gruppen in der gesamten Innenstadt und in Bahnhofsnähe unterwegs. Im Zentrum griffen etwa zehn Neonazis eine kleine Gruppe Berliner AntifaschistInnen in einer Strassenbahn an. Die angegriffenen Antifas konnten sich jedoch in ein Café retten und erstatteten Anzeige bei der Polizei. Unter den Angreifern befand sich neben weiteren bekannten FCV-Ultras auch Andreas Bressel. Im Anschluss bewegten sie sich zum Hauptbahnhof, wo sie ebenfalls mit dem Zug zum „Heldengedenken“ fahren wollten.[1]
Kurz davor versuchten mehrere Mitglieder der NPD und freier Kameradschaften einen Bus am Brunnenplatz in Anspruch zu nehmen, der BürgerInnen kostenlos zu den Protesten gegen den rechten Aufmarsch nach Halbe fuhr.[2] Busfahrer und Fahrgäste traten der Provokation jedoch entgegen.
Die Neonazis, die unterdessen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Seelow anreisten, mussten in Frankfurt (Oder) umsteigen. Für AntifaschistInnen, die zu den Gegenprotesten nach Seelow per Zug anreisen wollten, war der Frankfurter Bahnhof zur „no-go-area“ geworden. Mehrere Hundertschaften der Bundespolizei, die sich am Frankfurter Hauptbahnhof befanden, verzögerten die Weiterfahrt der eintreffenden Neonazis, die größtenteils aus Sachsen, Südbrandenburg und Berlin kamen. Daraufhin verließen die 200 Neonazis den Bahnhof und begannen vom Bahnhofsvorplatz aus eine spontane Demonstration in das Stadtzentrum. So schreibt ein sächsischer Neonazi: „Noch während die Beamten versuchen die Situation einzuordnen, setzt sich ein Demonstrationszug in Bewegung. „Frei, sozial und national“, „Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht“ schallt es durch die Straßen von Frankfurt. Vornweg ein Block wehender Fahnen.“[3] Bei dem Versuch den Zug zu stoppen wurde ein Polizeifahrzeug erheblich beschädigt. Nachdem die Polizei erst nach 750 m die Spontandemo stoppte, wurde die Hälfte direkt zum Bahnhof zurück gebracht.

Neonazis am 18.November auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder). Faksimile von freie-offensive.net.

Neonazis am 18.November auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder). Faksimile von freie-offensive.net.

Etwa 100 von ihnen gelang es, sich weiter in Richtung Ferdinandstraße zu bewegen, wo sie sich auf Hinterhöfen versteckten, ehe auch sie zurück zum Bahnhof gingen. Wieder am Hauptbahnhof versammelt, hielten die Neonazis zum Abschluss eine Mahnwache ab. Als der nächste Zug nach Seelow bereit stand, entschloss sich die Hälfte der angereisten Nazis wieder zurück nach Hause zu fahren, währenddessen andere, wie die FCV-Ultras, doch noch nach Seelow fuhren, um dort an der Abschlusskundgebung der Demonstration teilzunehmen.
Als Resumee ist festzuhalten, dass dieser Tag als Erfolg für die Neonazis gewertet werden muss. Trotz der untersagten Demonstration in Halbe, gelang es ihnen ein Heldengedenken in Seelow ohne nennenswerte Abstriche durchzuführen. Dass sie in Frankfurt (Oder) durch die spontane Demonstration und Angriffe zusätzlich ihre Stärke beweisen konnten, muss den hier relativ planlos agierenden Beamten vor Ort angelastet werden.

Quellen

[1] Augenzeugenberichte der betroffenen AntifaschistInnen
[2] NPD-Presseerklärung auf npd-oderland.de
[3] Erlebnisbericht eines Teilnehmers auf freie-offensive.net vom 21.11.2006

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