Verstärkte NPD-Aktivitäten münden in Stadtverbandsgründung.

Für den 27. Januar rief die NPD- Oderland zu einer Demonstration gegen den Landesparteitag der Brandenburger CDU nach Frankfurt (Oder) auf. Die Mobilisierung von knapp 250 TeilnehmerInnen kann durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Dem seit langem verfolgten Ziel des Kreisverbandes, in Frankfurt (Oder) einen eigenständigen Ortsbereich aufzubauen, lief die Partei lange Zeit hinterher. Trotz akutem Personalmangel ist die NPD in der Oderstadt jetzt wieder organisatorisch eigenständig.

Mit Ausnahme einer kleinen Saalveranstaltung im Juni 2004[1], hatte die Partei über Jahre ihre Arbeit inFrankfurt (Oder) ruhen lassen. Bedingt durch den Wegzug lokaler Kader, war der ehemals äußerst aktive Stadtverband der NPD komplett zusammengebrochen. Das heutige Bundesvorstandsmitglied Jörg Hähnel ließ mit seinem Umzug nach Berlin 2001 sogar das zuvor gewonnene Mandat für die Stadtverodnetenversammlung verfallen.[2]
Im letzten Jahr hatte der für die Region zuständige Kreisverband „Oderland“ der NPD seine Aktivitäten in der Stadt wieder verstärkt. Das Potential der mit Abstand größten Stadt im Verband sollte nicht verschenkt werden. Für eine funktionierende Arbeit war es jedoch unausweichlich, Aktivisten von vor Ort zu gewinnen, denen auch organisatorische Aufgaben überlassen werden konnten. Und so begann unter dem agilen Vorsitzenden des Kreisverbandes und Bundespressesprecher der NPD, Klaus Beier aus Reichenwalde bei Storkow, die Suche nach lokalen Leistungsträgern.

Holger Apfel und Klaus Beier (v.l.n.r) auf der NPD-Demonstration am 27. Januar 2007 in Frankfurt (Oder).

Holger Apfel und Klaus Beier (v.l.n.r) auf der NPD-Demonstration am 27. Januar 2007 in Frankfurt (Oder).

Zunächst sah alles danach aus, als wäre die NPD in dem Fahrschulinhaber Meinhard Gutowski fündig geworden. Dieser war bei den Kommunalwahlen 2003 für die rechtspopulistische „Partei Rechtsstaatliche Offensive“ (PRO) in das Frankfurter Stadtparlament eingezogen, hatte sich dann aber zusammen mit dem zweiten Abgeordneten der PRO, Werner Voigt, von der Partei gelöst und eine „Freie Fraktion“ gegründet. Am 27. Januar 2006 organisierte Gutowski zusammen mit dem Kreisverband Oderland einen „Politischen Stammtisch“ der NPD im Frankfurter Hotel und Restaurant „Grünhof“.[3] Eine zweite, für Februar geplante Zusammenkunft der Partei in der selben Lokalität verhinderten die Betreiber.[4] Aus der Liaison zwischen Gutowski und der NPD wurde jedoch keine Partnerschaft. Inzwischen sind die ehemaligen PRO- Abgeordneten der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ beigetreten, ein Ableger der Kölner „Bürgerbewegung Pro Köln“ des rechtsextremen Publizisten Manfred Rouhs.[5]

Neuer Strippenzieher der NPD in Frankfurt (Oder): Roland Weiß

Neuer Strippenzieher der NPD in Frankfurt (Oder): Roland Weiß

Auch die beiden Frankfurter Dauergäste auf rechtsextremen Veranstaltungen, Edeltraut Lademann und Jan Weiß [früher: Jan Balthasar Schmidt], konnte die NPD bisher offenbar nicht für sich in die Verantwortung nehmen. Letzterer verzog zudem nach Eisenhüttenstadt.
Der Kreisverband ließ dennoch nicht locker. Am 01. April 2006 organisierte er einen Infostand im Frankfurter Stadtzentrum. Bis auf die den Schutz des Standes organisierenden Hooligans des Fußballvereins „1. FFC Viktoria `91 e.V.“und dem Frankfurter Roland Weiß , stammten ausnahmslos alle TeilnehmerInnen aus anderen Städten Brandenburgs. Allein 25 Personen waren mit Bahn und PKW aus Fürstenwalde/Spree, Storkow, Eisenhüttenstadt und Guben angereist. Trotz des zum Großteil importierten Personals erklärte der Kreisverband im Nachgang euphorisch, bis Ende 2006 auf Grund „positiver Resonanz“ einen eigenen Frankfurter „Ortsbereich“ gründen zu wollen.[6]
Wie hoch der in dieses Ziel investierte Aufwand war, zeigte auch eine Saalveranstaltung des Kreisverbandes, die vier Monate später, am 08. Juli 2006, im Restaurant „Am Wintergarten“ in Frankfurt (Oder) durchgeführt wurde.[7] Zur schlecht besuchten Veranstaltung mit Liedermacher kamen nach eigenen Angaben 30 Personen. Aus der Gründung des „Ortsbereiches“ und einer ebenfalls für das vergangene Jahr angekündigten Demonstration wurde jedoch nichts. Die NPD hatte ihren Mund 2006 wohl etwas zu voll genommen.
Mit der Demonstration gegen den CDU-Landesparteitag Ende Januar konnten die Nationaldemokraten zumindest eines ihrer Versprechen – wenn auch verspätet – einlösen. Bereits ab 9.00 Uhr versammelten sich 15 NPD-Aktivisten des Kreisverbandes-Oderland vor der Frankfurter CDU-Geschäftsstelle in der Heilbronner Straße gegenüber dem Kleist-Forum, in dem der CDU-Landesparteitag stattfand. Unter ihnen Manuela Kokott aus Storkow, Frank Odoy, Danny Baumbach und zahlreiche weitere Neonazis aus Fürstenwalde, Jan Weiß aus Eisenhüttenstadt und die beiden NPD-Abgeordneten im Kreistag Oder-Spree, Klaus Beier und Lars Beyer. Die TeilnehmerInnen der anschließenden Demonstration stammten zum Großteil aus Berlin und Brandenburg. Allein aus der Hauptstadt waren ca. 60 Personen angereist. Auffällig war die für eine NPD-Demonstration recht große Anzahl Freier Kameradschafter die überwiegend aus Berlin und den Reihen des Lausitzer Aktionsbündnisses (LAB) stammten. Die zentrale Figur der Vereinigung, der in Hoyerswerda lebende Sebastian Richter, trat in seiner neuen Funktion als Vorsteher des Referats „parteifreie Kräfte“ bei den Jungen Nationaldemokraten (JN) als Redner auf.
Der Schaulauf wurde auch zum Anlass genommen, den zukünftig für den Bereich Frankfurt (Oder) zuständigen NPD-Aktivisten vorzustellen. Tonangebend ist der im Stadtteil Neuberesinchen wohnende Frankfurter Roland Weiß. Der früher im Frankfurter Halbleiterwerk beschäftigte Mittvierziger ist seit längerer Zeit ein bekanntes Gesicht auf diversen NPD-Veranstaltungen in der Region.

Zentrale Figuren des NPD-KV Oderland: Lars Beyer, Klaus Beier und Manuela Kokott (v.l.n.r.) bei einer NPD-Kundgebung am 1. Juli 2006 in Fürstenwalde.

Zentrale Figuren des NPD-KV Oderland: Lars Beyer, Klaus Beier und Manuela Kokott (v.l.n.r.) bei einer NPD-Kundgebung am 1. Juli 2006 in Fürstenwalde.

Aber auch fernab der Parteitreffen scheint er sich inzwischen rege um NPD-Nachwuchs zu kümmern. So tauchte Weiß beim Prozess um die Schändung des Gedenksteins für die Frankfurter Synagoge am 10. Januar 2007 im Amtsgericht Frankfurt (Oder) auf, unterhielt sich angeregt mit den jungen Angeklagten und zeigte so offen seine Sympathie mit der antisemitischen Tat. Zudem wurde Roland Weiß in Begleitung weiterer NPD- Anhänger beim Betreten der Innenstadtkneipe „Flotte Theke“ beobachtet.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Enge Zusammenarbeit: Edeltraud Lademann und Roland Weiß auf einer rechtsextremen Demonstration am 11. März 2006 im Brandenburgischen Halbe.

Das Gasthaus hat sich seit Ende letzten Jahres zum Treffpunkt der neonazistischen Ultras des FFC Viktoria entwickelt. Weiß versucht offenbar ganz gezielt Personen anzusprechen deren soziale Situation sie vermeintlich besonders empfänglich für die einfachen Lösungen der NPD macht. So nahm er mehrmals zusammen mit der ebenfalls arbeitslosen Frankfurterin Edeltraud Lademann an Arbeitslosenfrühstücken im evangelischen Gemeindezentrum in der Berendsstraße in Neuberesinchen teil, ehe er von den OrganisatorInnen erkannt und vor die Tür gesetzt wurde.
In seiner Rede auf der Demonstration am 27. Januar blies Weiß mit einer an Populismus kaum zu überbietenden Attacke gegen nahezu alle politischen Verantwortlichen zum „Sturm aufs Rathaus“.[8] Offenbar hat die NPD mit Roland Weiß nun doch ein Zugpferd für den Frankfurter Stadtverband gefunden, dessen Gründung am 1.März erfolgte. In einer Mitteilung der Partei dazu heißt es, man werde in den kommenden Monaten durch mehrere Aktionstage und eine weitere Demonstration in Frankfurt (Oder) Präsenz zeigen. Zudem ist die Gründung eines Stützpunktes der Jungen Nationaldemokraten (JN) vorgesehen.[9] Wie erfolgreich die NPD beim weiteren Aufbau ihrer Strukturen sein wird, liegt nun vor allem in den Händen der Frankfurter Bevölkerung. Die während der aktiven Phase der JN unter Jörg Hähnel in der Stadt gemachten Erfahrungen sollten allen Ansporn genug sein, schnell und entschlossen gegen die Organisierung der NPD aufzutreten und Weiß und seine Gefolgsleute dort wo sie auftauchen vor die Tür zu setzen.

Die Bilder aller TeilnehmerInnen der NPD-Demonstration am 27. Januar finden Sie hier:
http://www.de.indymedia.org/2007/03/170230.shtml

Quellen


[1] Einladung des NPD-KV Oderland zur Saalveranstaltung mit dem Berliner NPD-Vorsitzenden Eckart Bräuniger und zwei Liedermachern in die Gaststätte „Preußeneck“ in Frankfurt (Oder)
[2] Mitteilung des Kreiswahlleiters im Frankfurter Amtsblatt Nr 2/2003 vom 26.02.2003
[3] Einladung des NPD-KV Oderland zum Stammtisch in das Hotel „Grünhof“ in Frankfurt (Oder)/Artikel in der „Märkischen Oderzeitung“ vom 31.03.2006
[4] Brief der Betreiber
[5] Artikel „Aufbruchstimmung in Deutschland“ vom 18.06.2006 unter pro-deutschland-online.de
[6] Artikel „Kein Aprilscherz: NPD-Oderland zeigt Flagge in Frankfurt“ vom 01.04.2006 auf npd-oderland.de
[7] Einladung des NPD KV-Oderland zur Veranstaltung
[8] Dokumentation der Rede unter npd-oderland.de/demo-ffo
[9] Artikel „NPD-Stadtverband in Frankfurt (Oder) reaktiviert“ unter npd-oderland.de vom 02.03.2007

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Von Halbe nach Frankfurt (Oder) und Seelow

Anlässlich des Volkstrauertages wollte die deutsche Neonaziszene wie in den vergangenen Jahren im November 2006 am Soldatenfriedhof im Brandenburgischen Halbe aufmarschieren. Nach einem Rechtsstreit konnte sie jedoch nur eine Kundgebung durchsetzen. So wichen sie für ihre Demonstration in die Kleinstadt Seelow aus. Zahlreiche Nazis nutzten zur Anreise den Weg über Frankfurt (Oder) und spielten mit der überforderten Polizei Katz und Maus.

Für den 18. November 2006 hatte der neonazistische “Freundeskreis Halbe e.V.” erneut zu einem der bundesweit größten Aufmärsche der Szene nach Halbe geladen. Dort wo die letzten Wehrmacht-Truppen völlig sinnlos in einer Kesselschlacht gegen die übermächtige Rote Armee kämpften, treffen sich jedes Jahr im Frühling und Herbst mehrere tausend Neonazis zum “Heldengedenken” an die NS-Armeen.
Doch diesmal ließ das Polizeipräsidium Frankfurt (Oder) – letztlich bestätigt durch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg – nur eine Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz in Halbe zu.
Damit wollte sich der „Freundeskreis Halbe e.V.“ nicht zufrieden geben. Die Neonazis suchten nun nach einem alternativen Aufmarschort mit ähnlicher historischer Bedeutung.
Gefunden haben sie ihn in der Kreisstadt Seelow in Märkisch-Oderland, etwa 35km nördlich von Frankfurt (Oder). Auch hier auf den Seelower Höhen fand eine weitere völlig sinnlose Schlacht statt, welche die Eroberung Berlins und somit den Sieg über Deutschland nur um wenige Tage verzögerte. Der Aufmarsch in Seelow wurde durch den Hamburger Neonazi Christian Worch angemeldet.
Während sich beim “Tag der Demokraten” in Halbe nach Angaben der VeranstalterInnen bis zu 8.000 Menschen versammelten, um ein Zeichen für Weltoffenheit zu setzen, machten sich rund 1000 Neonazis ungestört auf den Weg nach Seelow. Aufgrund seiner Lage avancierte Frankfurt (Oder) zum Schleusungspunkt mehrerer hundert Rechtsextremisten.
Bereits am frühen Vormittag waren etliche Neonazi-Gruppen in der gesamten Innenstadt und in Bahnhofsnähe unterwegs. Im Zentrum griffen etwa zehn Neonazis eine kleine Gruppe Berliner AntifaschistInnen in einer Strassenbahn an. Die angegriffenen Antifas konnten sich jedoch in ein Café retten und erstatteten Anzeige bei der Polizei. Unter den Angreifern befand sich neben weiteren bekannten FCV-Ultras auch Andreas Bressel. Im Anschluss bewegten sie sich zum Hauptbahnhof, wo sie ebenfalls mit dem Zug zum „Heldengedenken“ fahren wollten.[1]
Kurz davor versuchten mehrere Mitglieder der NPD und freier Kameradschaften einen Bus am Brunnenplatz in Anspruch zu nehmen, der BürgerInnen kostenlos zu den Protesten gegen den rechten Aufmarsch nach Halbe fuhr.[2] Busfahrer und Fahrgäste traten der Provokation jedoch entgegen.
Die Neonazis, die unterdessen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Seelow anreisten, mussten in Frankfurt (Oder) umsteigen. Für AntifaschistInnen, die zu den Gegenprotesten nach Seelow per Zug anreisen wollten, war der Frankfurter Bahnhof zur „no-go-area“ geworden. Mehrere Hundertschaften der Bundespolizei, die sich am Frankfurter Hauptbahnhof befanden, verzögerten die Weiterfahrt der eintreffenden Neonazis, die größtenteils aus Sachsen, Südbrandenburg und Berlin kamen. Daraufhin verließen die 200 Neonazis den Bahnhof und begannen vom Bahnhofsvorplatz aus eine spontane Demonstration in das Stadtzentrum. So schreibt ein sächsischer Neonazi: „Noch während die Beamten versuchen die Situation einzuordnen, setzt sich ein Demonstrationszug in Bewegung. „Frei, sozial und national“, „Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht“ schallt es durch die Straßen von Frankfurt. Vornweg ein Block wehender Fahnen.“[3] Bei dem Versuch den Zug zu stoppen wurde ein Polizeifahrzeug erheblich beschädigt. Nachdem die Polizei erst nach 750 m die Spontandemo stoppte, wurde die Hälfte direkt zum Bahnhof zurück gebracht.

Neonazis am 18.November auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder). Faksimile von freie-offensive.net.

Neonazis am 18.November auf dem Bahnhofsvorplatz in Frankfurt (Oder). Faksimile von freie-offensive.net.

Etwa 100 von ihnen gelang es, sich weiter in Richtung Ferdinandstraße zu bewegen, wo sie sich auf Hinterhöfen versteckten, ehe auch sie zurück zum Bahnhof gingen. Wieder am Hauptbahnhof versammelt, hielten die Neonazis zum Abschluss eine Mahnwache ab. Als der nächste Zug nach Seelow bereit stand, entschloss sich die Hälfte der angereisten Nazis wieder zurück nach Hause zu fahren, währenddessen andere, wie die FCV-Ultras, doch noch nach Seelow fuhren, um dort an der Abschlusskundgebung der Demonstration teilzunehmen.
Als Resumee ist festzuhalten, dass dieser Tag als Erfolg für die Neonazis gewertet werden muss. Trotz der untersagten Demonstration in Halbe, gelang es ihnen ein Heldengedenken in Seelow ohne nennenswerte Abstriche durchzuführen. Dass sie in Frankfurt (Oder) durch die spontane Demonstration und Angriffe zusätzlich ihre Stärke beweisen konnten, muss den hier relativ planlos agierenden Beamten vor Ort angelastet werden.

Quellen

[1] Augenzeugenberichte der betroffenen AntifaschistInnen
[2] NPD-Presseerklärung auf npd-oderland.de
[3] Erlebnisbericht eines Teilnehmers auf freie-offensive.net vom 21.11.2006

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Freunde, die niemand haben will

Die Ultras des Frankfurter Fußballclubs Viktoria `91 e.V. machen von sich reden. Jedoch nicht durch eine kreative Unterstützung ihres Vereins, sondern durch Gewalt und Rassismus. Nach der Randale am 9. November, bei der auch Hooligans des Vereins anwesend waren, wird es höchste Zeit für eine längst überfällige Auseinandersetzung mit der rechtsextremen Fangruppe.

Der Schock nach der antisemitischenRandale am 9. November in Frankfurt (Oder) steckte dem Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) noch in den Knochen, als er in einem Interview gegenüber dem Inforadio am nächsten Tag selten ehrlich erklärte, die Stadt sei wohl etwas blauäugig im Umgang mit Rechtsextremisten geworden. Die Tat hätte nun alle wach werden lassen. Man werde, so Patzelt, jedem Hinweis konkret nachgehen um wirksame Maßnahmen gegen Rechts zu ergreifen. Am Vortag hatten zeitweise bis zu 40 lokale Neonazis die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Novemberpogrome im Jahr 1938 belagert und später am Mahnmal für die niedergebrannte Synagoge Kerzen und niedergelegte Kränze zerstört. Die Schändung des Gedenksteins erregte bundesweites Medieninteresse.
Die städtische Verwunderung über die Geschehnisse kann jedoch für aufmerksame AntifaschistInnen nur durch das konsequente Verschließen der Augen vor den Entwicklungen der letzten Monate erklärt werden. Denn spätestens seit den Ausschreitungen und Attacken während der FIFA Fußball- Weltmeisterschaft im Sommer diesen Jahres war für Jede und Jeden offensichtlich von wo der Stadt zukünftig Ärger droht. In der Anhängerschaft des Frankfurter Verbandsligisten FFC Viktoria `91 e.V. hat sich eine starke extrem rechte Gruppierung formiert, der es zunehmend gelingt Heranwachsende für rassistisches Gedankengut und den Spaß an Randalen zu gewinnen. Die Offensichtlichkeit ihrer neonazistischen Provokationen und Gewalttaten die in diesem Text dokumentiert werden, werfen kein gutes Licht auf die vom Oberbürgermeister noch einen Tag nach der Schändung gelobte Zusammenarbeit von Stadt, Polizei und zivilgesellschaftlichen Initiativen im Kampf gegen Rechts.

Fußball und Gewalt – Die Hooligans des FFC Viktoria `91 e.V.

Auf den ersten Blick sieht es nach einem ganz normalen Fußballturnier aus, was dort am hochsommerlichen ersten Juniwochenende diesen Jahres auf dem Fußballplatz hinter dem Jugendclub „Haltestelle Süd“ stattfindet. An einem improvisierten Getränkestand neben einem Tisch mit Pokalen werden Getränke und Grillgut ausgegeben. Auf Bänken ruhen sich erschöpfte Fußballspieler aus. Sportlich gekleidete Jugendliche in Fußballtrikots laufen über den Platz. Auffällig ist höchstens der große Männeranteil unter den 50 Personen. Schaut man genauer hin fällt ein an einem Zaun befestigtes langes schwarzes Transparent auf. Die von zwei Keltenkreuzen umrahmte Aufschrift lautet „FCV gegen Links“. Die größtenteils jugendlichen Besucher tragen die rechte Modemarke „Thor Steinar“. Auf T-Shirts stehen Slogans wie „White Pride World Wide“ (Weißer Stolz weltweit). Auf zwei Fußballerrücken prangt die Aufschrift „Deutschland 88“. Der gebräuchliche Zahlencode steht für den achten Buchstaben im Alphabet und bedeutet „Heil Hitler“. Wieder andere tragen Oberteile der rechtsextremen Bands „Stahlgewitter“, „Landser“ und „Die braunen Stadtmusikanten“ oder Buttons mit der Aufschrift „Good Night Left Side“. Auf mehreren Shirts leuchtet das Vereinssymbol des ehemaligen Frankfurter Fußballclubs „FC Vorwärts“.
Der überwiegende Teil derer, die hier ein ein nationales Fußballfest unter Kameraden feiern, sind die rechten Ultras des Frankfurter Fußballclubs FFC Viktoria `91 e.V. und ihr Umfeld. Unter wechselnden Bezeichnungen wie FCV-Pöbel, Ultras-Vorwärts oder seit neuestem Riot-Youth-FCV (Krawall-Jugend-FCV) sehen sie sich als die fanatischsten Anhänger des Verbandsligisten FFC Viktoria, die den Verein bei Heim- und Auswärtsspielen bestmöglich unterstützen und in der Fankurve das Sagen haben.

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Der bekennende Rechtsextremist Steffen Werschke auf dem Fußballfest im Südring im Sommer

Eben das, was die Ultras eines Clubs ausmacht. So gesehen tragen sie die Bezeichnung zu Recht. Kein Heimspiel und fast kein Auswärtsspiel des FFC Viktoria findet ohne die Begleitung der FCV-Ultras statt. Fallen sie im heimischen „Stadion der Freundschaft“ kaum durch Unterstützung auf, stellen sie bei Auswärtsspielen mit durchschnittlich 15 Personen fast immer den gesamten Gästeanhang und versuchen sich in Choreographien. Bei Spielen, bei denen die gegnerischen Anhänger, oft aufgrund ihrer antirassistischen Einstellung, bei den FCV-Ultras verhasst sind, finden sich schon mal bis zu 45 Personen zur Auswärtsfahrt am Frankfurter Bahnhof ein.
Die Verwendung des Kürzels FCV durch die Ultras, an Stelle von FFC wie der Verein heute richtig heißt, hat seine Gründe. Die Ultras beziehen sich damit auf die Tradition des Vereins, der bis 1991 das Wort Vorwärts im Namen trug und dort auch seine größten Erfolge feierte. Da sie den aktuellen Vorstand des FFC Viktoria aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Ultras verabscheuen, dient die Namensänderung zudem der Abgrenzung gegenüber den Vereinsoffiziellen. So wird die Abkürzung FCV in Ermangelung deutscher Sprachkenntnisse von den Ultras gern mit „F ans C ontra V orstand“ übersetzt.
Dass die Ultras beim Verein auf Ablehnung stoßen, hat einfache Gründe. Wann immer es in den letzten Monaten Meldungen über den Verbandsligisten gab, waren es Negativschlagzeilen über das gewalttätige und rechtsextreme Auftreten seiner Fans bei Auswärtsspielen. Kaum eine Fahrt vergeht ohne Personalienkontrollen, Anzeigen, Sachbeschädigungen, Angriffen auf gegnerische Fans oder Festnahmen. „Mit aller Gewalt – Klassenerhalt !!!“ schreibt passend einer der Ultras im Austauschforum des Vereins.[1] Getreu diesem Motto wurden im Anschluss an das Achtelfinalspiel im Landespokal gegen Chemie Premnitz am 31.Oktober diesen Jahres die Premnitzer Ultras vor ihrem Stadion angegriffen.[2] Die Polizei konnte die 20 Frankfurter „Fans“, die zum Spiel drei ehemalige Mitglieder der verbotenen Kameradschaft „Hauptvolk“ in ihren Reihen begrüßten, jedoch abdrängen und zum Bahnhof bringen.[3] Weniger glimpflich kamen die Ultras des FCV nach einer Randale am 12. August beim Ligaspiel gegen den FC Strausberg davon. Bereits auf dem Weg zum Stadion hatten die mitgereisten 30 Frankfurter das alternative Zentrum „Horte“ aufgesucht und dort eine Scheibe eingeworfen. An der gegenüberliegenden „Anne-Frank-Schule“ stießen sie mehrere Mülltonnen um und bezeichneten die jüdische Tagebuchautorin als „Judensau“. Im Stadion wurden schließlich unliebsame Schiedsrichterentscheidungen mit den Rufen „Schiri – du Jude“ gebranntmarkt.[4] Die gerufene Polizei stellte die Personalien der anwesenden FCVler fest. Seit dem wird gegen mehrere Beteiligte wegen Sachbeschädigung und Volksverhetzung ermittelt.
Antisemitische Provokationen wie in Strausberg sind leider keine Ausnahme bei den Ultras des FCV. So stimmt Sebastian Ploke unter dem Pseudonym „AlkoHOOLiker“ seine Kameraden im FFC-Forum schon mal mit dem Kommentar „JUDE JUDE JUDE CHEMIE PREMNITZ – Chemie Schweine Raus!“ auf das kommende Pokalspiel gegen den Landesligisten ein.

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Antisemitischer Forenbeitrag im Ultraboard des FFC

Die Anwesenheit der FCVler bei der Randale am 9. November in Frankfurt (Oder) überrascht daher nicht. Antisemitismus ist ein fester Bestandteil ihres Weltbildes.
Noch deutlicher wird die rechtsextreme und rassistische Ideologie der FCV-Ultras in Spielen gegen den SV Babelsberg 03 II, deren Anhänger als Links gelten. Die Sprechchöre des Frankfurter Anhangs sind hier nahezu ausnahmslos perfide. Die Parolen „Zick Zack Zigeunerpack“ oder „Arbeit macht Frei – Babelsberg 03“ gehören längst zum Standard im Repertoire der FCVler.[5] Die offenen Bezüge zum NS werden auch an anderer Stelle deutlich. Niemand stört sich daran, wenn Beiträge im Fanforum des FFC mit „Ruhm und Ehre dem FCV“, einer klaren Anlehnung an die Parole „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“, unterzeichnet werden.[6] Auch den Vorschlag eines Ultras, die neu ausgebaute Vereinskneipe auf dem Stadiongelände offiziell „Sturmlokal“ zu nennen mach niemand stutzig.[7]
Vor diesem Hintergrund war es wenig verwunderlich, dass elf FCV-Ultras am 21. Oktober diesen Jahres an einer Neonazi-Demonstration für den wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilten Sänger der Rechtsrock-Band Landser, Michael Regener alias Lunikoff, in Berlin teilnahmen.

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Der Frankfurter Neonazi und FCV-Fan Mario Schreiber auf der Lunikoff-Demo am 21.Oktober in Berlin.

Die an Perversion kaum zu überbietenden Texte der Gruppe finden unter den FCVlern hohen Anklang. Mehrere Ultras haben sich über dem Knöchel des rechten Fußes das Lunikoff-Signet tätovieren lassen. Schon länger tragen die Ultras, auch im heimischen Stadion, offen T-Shirts der Gruppe, ohne dass daran vom Verein Anstoß genommen wird. Welche Blüten die fehlenden Grenzen treiben, zeigen in Frankfurt (Oder) geklebte Aufkleber eines Teils der FCV-Ultras, der „Sektion Tanzorchester“, die ganz offen ein Hakenkreuz auf schwarz-weiß-rotem Grund präsentieren. Der Name „Tanzorchester Immervoll“, an den sich die Bezeichnung anlehnt, ist ein Pseudonym für die Gruppe Landser nach einem Liedtitel der CD „Ran an den Feind“. Dass die zum Teil offen zu Gewalt gegen Andersdenkende aufrufenden Texte der Gruppe bei den Ultras auf beackerten Boden stoßen, zeigen zahlreiche Angriffe und Gewalttaten. Im Anschluss an ein Konzert der Onkelz-Coverband „Los Tioz“ am 10. März diesen Jahres im Frankfurter Jugendclub Mikado sammelten sich vor dem Gebäude ca. 15 Anhänger des FFC. Einige von ihnen hatten dem Konzert, das sinnigerweise mit dem in einem Medley untergebrachten Refrain „Fußball und Gewalt“ endete, seit Beginn beigewohnt.

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Aufkleber der Sektion Tanzorchester der FCV-Ultras

Sie skandierten, gut für alle Anwesenden und Anwohner hörbar mehrmals die Parolen „SS, SA, die Frankfurter sind da.“ und „FCV“. Daraufhin wurde die Polizei gerufen. Noch bevor diese eintraf wurden mehrere BesucherInnen des Konzerts durch die Ultras als „Zecken“ beschimpft und durch die Straße „Am Kleistpark“ gejagt. Nur durch das Eingreifen der Polizei konnten weitere Angriffe verhindert werden.[8]
Im Rahmen der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 in Deutschland kam es erneut zu mehreren Angriffen und schließlich am 30. Juni zu heftigen Krawallen in der Frankfurter Innenstadt, an denen sich FCV-Ultras beteiligten. Bereits kurz nach dem Viertelfinalspiel Deutschland-Argentinien griffen mehrere FCVler gegenüber der Kneipe „Hemingways“ in der Logenstraße einen Fan des Argentinischen Teams an.

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Ultras des FFC um Tim Weiche beim Angriff auf einen Argentinischen Fan während der WM 2006 gegenüber dem „Hemingsways“. Rechts in weiß: Sven Freimuth

Kurz vor 21.00 Uhr attackierten zahlreiche Deutschland-Fans Polizisten mit Feuerwerkskörpern und Flaschen in der Nähe der Kneipe „Movie“. Erst um 23.00 Uhr beruhigte sich die Lage. Im Rahmen eines Interviews räumte ein Polizeisprecher im Oktober in der Märkischen Oderzeitung ein, dass die Anhänger von Viktoria „bei der WM in Frankfurt auch durch Randale und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgefallen sind“. Nach der Halbfinalbegegnung gegen Italien kam es erneut zu Angriffen. Auf der Karl-Marx-Straße wurde ein PKW mit einer italienischen Flagge attackiert und beschädigt. Aus einer Gruppe von ca. 20 Personen waren die Parolen „Straße frei der deutschen Jugend“, „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“ und „Deutschland erwache“ zu hören.[9] Nach dem kleinen Finale am 8.Juli wurden auf dem Fanfest auf der Karl-Marx-Straße mehrere BesucherInnen von bekannten FCV-Ultras angegriffen und verletzt. Die Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen mehrere Angreifer laufen derzeit noch. Die RBB-Fernsehdokumentation unter dem Titel „Pizza, Pommes, Fußballparty. Notizen vom Halbfinale.“, die am 5.Juli ausgestrahlt wurde, vermittelt einen guten Eindruck von der aggressiven Stimmung in Frankfurt (Oder).
Wie bewusst die Ultras des FCV nach der gewalttätigen Auseinandersetzung suchen, zeigen die Besuche von sogenannten Brisanz-Spielen ohne Beteiligung des FFC Viktoria `91. Dabei mutet das sogenannte Groundhopping mitunter äußerst skurril an. So besuchten mehrere FCVler die Begegnung Hansa Rostock II gegen Union Berlin am 13. Mai diesen Jahres in Rostock. Schon auf dem Weg ins Stadion kam es zu Auseinandersetzungen mit Rostocker Fans.

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Christopher Perl (links stehend) im FCV-Shirt und Christopher Brand (unten rechts) beim Spiel Union gegen Rostock II.

Da einige FCV-Ultras eine Fanfreundschaft mit Anhängern von Union Berlin pflegen, unterstützten sie die Berliner im Gästeblock und sangen gegen Rostock. Als dann am 9. September im DFB-Pokal der SV Babelsberg 03 auf Hansa Rostock stieß, unterstützten 10 angereiste FCVler diesmal Rostock im Gästeblock.[10] Schließlich ging es gegen den verhassten Verein aus Potsdam Babelsberg.
Für größeres Aufsehen sorgte die Beteiligung Frankfurter Ultras an den Ausschreitungen während des Fußball-Länderspiels Slowakei gegen Deutschland in Bratislava am 11. Oktober. Noch während des Spiels hatten zahlreiche angereiste Hooligans der Kategorie C eingesetzte Polizisten angegriffen und mitunter schwer verletzt. Bei den Auseinandersetzungen wurde ein Ultrá des FCV festgenommen. Stolz berichtete er nach der Rückkehr nach Deutschland im Fanforum des FFC über seine Erlebnisse. Daraus geht hervor, dass die Frankfurter FCVler Kontakte zu weiteren angereisten Hooligans besaßen. Nicht zufällig befanden sie sich in dem Irish Pub in dem sich der harte Kern von ca. 200 Fans vor dem Spiel in Stadionnähe traf und mit Liedern wie „Wir sind wieder einmarschiert“ oder „Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um“ für die Partie aufwärmten. In der Kurve, in der es zu den Ausschreitungen kam, hing gut erkennbar das mitgebrachte Transparent mit der Aufschrift „FCV“. Am Ende seines Berichts kommt der Frankfurter Reisechaot zu dem Fazit: „jederzeit wieder!“.[11]
Dass die rechtsextremen Ultras des FCV fern des Fußballs eine immer aktivere Rolle innerhalb der Frankfurter Neonaziszene einnehmen, belegt nicht nur ihre zentrale Rolle bei mehreren Angriffen wie bei dem erwähnten im März am Mikado. Auch ihre Unterstützung der NPD beim geplanten Aufbau eines Frankfurter Stadtverbandes sollte den zuständigen in der Stadt zu denken geben. Als am 1. April diesen Jahres rund 20 angereiste Mitglieder des Kreisverbandes Oderland der NPD an den Frankfurter Lenné-Passagen einen Informationsstand errichteten, erhielten sie erhebliche Unterstützung durch Ultras des FFC Viktoria. Diese standen nicht nur selbst am Infostand. Ihnen fiel offenbar die Aufgabe zu, sich über mehrere Stunden um den Schutz des Standes zu kümmern. Postiert an strategisch wichtigen Punkten beließen sie es jedoch nicht dabei. Im weiteren Umfeld des Standes wurden durch Anhänger des FFC mehrere Personen beleidigt, bespuckt und tätlich angegriffen. Dies führte schließlich noch vor Ort zu vier Gewahrsamnahmen von Neonazis durch die Polizei.[12] Von mehreren betroffenen Personen wurden unmittelbar nach den Angriffen Anzeige erstattet. Die Ermittlungen dauern derzeit an. Auch an Veranstaltungen der NPD in anderen Bundesländern, wie beispielsweise der zentralen Demonstration der NPD zum 1.Mai 2006 in Rostock, beteiligten sich Ultras des FCV in den Reihen des NPD-Kreisverbandes Oderland.
Schon länger fällt es schwer, überhaupt noch zwischen dem rechtsextremen Anhang des FFC Viktoria und der Frankfurter Neonaziszene eine Trennlinie zu ziehen. Kaum eine wichtige Figur der lokalen Szene gehört nicht zum Stammpublikum bei Heim- und Auswärtsspielen. Der in den letzten Jahren wohl aktivste lokale Kader, der dreißigjährige Andreas Bressel, kann ohne Zweifel zum harten Kern des gewaltbereiten FFC-Anhangs gezählt werden. Bressel machte in jüngerer Zeit vor allem durch im NS-Stil gehaltene und durch ihn hergestellte Aufkleber mit der Aufschrift „Frontstadt Frankfurt wird gehalten“ auf sich aufmerksam, die zu hunderten in Frankfurt (Oder) verklebt wurden.

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Die FCV-Ultras Tommy Keller, Jenny Kleeberg und „Breite“ (v.l.n.r.) auf der NPD-Demonstration am 1. Mai 2006 in Rostock.

Als Kontakt leuchtet der Betrachterin die Mailadresse freundliches-franktfurt@lycos.de entgegen (Fehler im Original). Eine Anspielung auf die von der Stadt ins Leben gerufene Aktion „Freundliches Frankfurt“, die sich für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzt. Bressel selbst befand sich am 1.April unter den Angreifern und wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen.

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Frontstadt-Aufkleber und Andreas Bressel auf der Lunikoff-Demontration am 21.Oktober 2006 in Berlin.

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Durch das gewalttätige Auftreten seiner “Fans“ gelangt der FFC Viktoria regelmäßig in Rechtfertigungszwang vor anderen Vereinen und der Presse, die Erklärungen für die mittlerweile seit mehreren Jahren andauernden unhaltbaren Zustände suchen. Und es ist wahrlich schwer zu verstehen, warum nicht effektiv gegen die Ultras vorgegangen wird, die dem Verein mit ihrem Verhalten erheblichen Schaden zufügen. Der Vorstand des FFC zeigt sich schlichtweg überfordert mit dem Problem. So bedauert der stellvertretende Geschäftsführer Volker Rudolph im Oktober gegenüber der Märkischen Oderzeitung, dass es sich um ein Problem handele, „das sich durch den Verein nicht steuern lässt“. Stattdessen setzt der FFC auf Polizei und, so Rudolph, bespreche mit anderen Vereinen „wie die Gefahr von Ausschreitungen beim nächsten Mal zumindest eingeschränkt werden kann“.
Tatsächlich scheint es zunächst schwer, die rechtsextremen FCV-Ultras von Vereinsseite zu bändigen. Der Vorstand hat nicht den geringsten Einfluss auf die Ultras, da diese sich überhaupt nicht mit ihm identifizieren, ihn im Gegenteil am liebsten komplett abgesetzt sehen.[13] Ein Ansatzpunkt könnte der Druck über die Viktoria-Spieler sein. Doch auch hier sind dem Verein Riegel vorgeschoben, da einzelne Spieler der 1.Mannschaft ganz offen mit dem Gebaren ihrer Fans sympathisieren und deren Weltbild teilen. So war der heutige FFC-Stürmer mit der Rückennummer 9, Joe Jurchen, früher Schlagzeuger der inzwischen aufgelösten Frankfurter Rechtsrock-Gruppe „Weor“. Die erste der beiden bei dem einschlägig bekannten Label „Lu-Wi-Tonträger“ veröffentlichten CDs musste am 31.07.2002 aufgrund ihrer Inhalte indiziert werden.[14] Ein Ultrá berichtet zudem über „sehr gute Kontakte“ zu einigen Spielern, mit denen „man auch mal in der Kneipe ein Bier trinken“ geht.[15] Als der Verein beim Auswärtsspiel am 23. September in Potsdam beim Einlaufen durch die FFC-Spieler ein Transparent mit der Aufschrift „Fußball ist für alle da. Nur nicht für Rassisten!“ präsentieren ließ, sprachen Anhänger des FFC im Nachhinein von „Druck auf die Spieler“, der nötig war, um das Transparent zu halten. Eine Aussage, in der wohl ein Fünkchen Wahrheit steckt. Letztendlich müssen sich alle Verantwortlichen im Verein darüber im Klaren werden, dass auch Fußballer nicht immun gegen rechtsextreme Einstellungen sind und sich das Problem mit den “Fans“ nicht isoliert von Spielern und Verein betrachten lässt.
Es bleibt die Frage, welchen Einfluss die restlichen Anhänger des FFC Viktoria auf die Ultras nehmen. Die Antwort muss hier
leider klar lauten: bisher keinen. Da die FCV-Ultras äußerst aggressiv und geschlossen auftreten, ist Kritik an ihrem Verhalten durch andere Fans kaum möglich. Dies wird vor allem im Forum der FFC-Fans deutlich, in dem kritische Äußerungen nahezu ausschließlich anonym von Gastlesern geäußert werden. Anhänger die sich trotz Bekanntheit bei den Ultras kritisch über deren Verhalten zu Wort melden müssen mit Einschüchterungen und Bedrohungen im Forum und auf der Straße rechnen.

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So sehen sie sich gern: geschlossen, vermummt, furchteinflößend – FCV-Ultras am Frankfurter Bahnhof. Ausschnitt aus einem verteilten Promo-Bild der Gruppe.

So schreibt einer der Ultras: „Habe solch einen HaSS auf dich mir jucken schon die Finger“.[16]

Diese Dokumentation zeigt, dass es inzwischen schon viel zu spät ist, die Entwicklung im Keim zu ersticken, wie Oberbürgermeister Martin Patzelt im eingangs erwähnten Inforadio-Interview ankündigte. Es bleibt zu hoffen, dass nun ernsthaftes Engagement sowohl von Seiten der Stadt als auch vom Verein an den Tag gelegt wird, um die aufgezeigte Entwicklung zu stoppen.
Wir werden die rechtsextremen Ultras des FCV jedenfalls weiter im Auge behalten und die nun hoffentlich einsetzenden Initiativen gegen ihr Handeln nach unseren Kräften unterstützen.


[1] ultrá am 27.April 2006 im Thread „burg -fcv“ im Ultraboard des FFC
[2] Artikel: Ausschreitungen beim Brandenburger Fußball-Pokal im Premnitz, MOZ-Onlineausgabe vom 31.10.2006
[3] Spielbericht unter http://www.ultras-premnitz.de.vu vom 7.11.2006
[4] MOZ-Onlineausgabe vom 14.08.2006, Artikel: Heimsieg nach Randale im Vorfeld/ Pressemitteilung des AJP 1260 e.V. vom 13.08.2006
[5] Interview mit Vertreter des Filmstadtinferno in der Jungle World vom 01.11.2006, gemeinsame Erklärung Babelsberger Faninitiativen aus der Saison 2003/04
[6] Einstein und Kira am 09.11.2006 im Thread „Presse und Verein gegen Fans“ im Ultraboard des FFC
[7] gelaendé am 13.02.2006 im Thread „Vorschläge für Namen der Fankneipe gesucht“ im Ultraboard des FFC
Gedächtnisprotokoll eines anwesenden Konzertbesuchers
[9] Gedächtnisprotokoll anwesender Fans
[10] Augenzeugenberichte anwesender Fans
[11] RBB Brandenburg-Aktuell vom 13.10.2005, Nachwuchs am 13.10.2006 im Thread „Oranienburg-FCV“ im Ultraboard des FFC, RBB-Abendschau
[12] Rote Hilfe Zeitung 3/2006 „Ermittlungswahn ungebremst – Aktuelle Situation in Frankfurt (Oder)“
[13] u.a. gelaendé am 06.11.2006 im Thread „Vorstand“ im Ultraboard des FFC
[14] BAnz. Nr. 140 vom 31. Juli 2002
[15] Nachwuchs am 11.11.2006 im Thread „Komplette Ignoration!“ im Ultraboard des FFC
[16] ANTIFLER am 12.10.2006 im tread „Oranienburg-FCV“ im Ultraboard des FFC

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